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Wider das letzte Summen - Sorgen um Insektensterben im Thurgau

Um den Artenrückgang zu stoppen, seien weitere Massnahmen notwendig. Das anerkennt die Regierung. SP-Kantonsrätin Marianne Sax sieht es auch so. Sie will den politischen Druck erhöhen.
Sebastian Keller
Eine Wildbiene vor einem Bienenhotel. Nicht so willkommen fühlen sich diese Insekten auf Ackerflächen. (Bild: Urs Bucher)

Eine Wildbiene vor einem Bienenhotel. Nicht so willkommen fühlen sich diese Insekten auf Ackerflächen. (Bild: Urs Bucher)

Es könnte der Titel eines Thrillers sein: «Das grosse Sterben der Insekten». Doch es ist die Überschrift eines Vorstosses von Marianne Sax (SP, Frauenfeld) und Mathis Müller (GP, Pfyn). In diesem legen sie ihre Sorge über den Rückgang von Hummeln, Wildbienen, Käfern und Co. dar. Und sie fragen die Thurgauer Regierung nach Gegenmassnahmen.

Nun liegt die Antwort vor. «Der Regierungsrat ist sich der grossen Bedeutung der Förderung der Artenvielfalt im Kulturland bewusst», hält dieser einleitend fest. Er erwähnt das Projekt «Vernetzung im Kulturland», das vor über 15 Jahren angestossen wurde. Im Rahmen dieses Projektes bekamen Bauern 2018 2,6 Millionen Franken – der Bund zahlte 90 Prozent, der Kanton den Rest.

«Die Vernetzung von Naturschutzgebieten und anderen artenreichen Lebensräumen sichert und fördert den Bestand von Tier- und Pflanzenarten», schreibt die Regierung. Sie verweist auf Erfolge: die Artenzahl von Pflanzen, Vögeln und Schmetterlingen entwickelte sich innerhalb der Vernetzungskorridoren besser als ausserhalb.

Auf Ackerbauflächen ist es nicht einfach

Doch es gibt noch Luft nach oben. Biodiversitätsförderflächen (BFF) würden zwar «seit Jahren erfolgreich gefördert», schreibt die Regierung. Allerdings sei die erwünschte Qualität noch nicht überall erreicht: 2017 erfüllten erst 96 von 152 Vernetzungskorridoren das Flächenziel vollständig. Vor allem in Vernetzungskorridoren mit hohem Anteil an Ackerbauflächen gestalte sich die Zielerreichung schwierig; positiver sei die Entwicklung auf Wiesen.

Artenvielfalt: Initiative in den Startlöchern

(seb.) Im Frühling soll die kantonale Initiative «Biodiversität Thurgau» lanciert werden. Das bekräftigten Vertreter der Grünen Partei Thurgau vergangene Woche an einer Pressekonferenz. Die Initiative zielt darauf ab, die Biodiversität im Natur- und Heimatschutzgesetz zu verankern. Weiter soll eine kantonale Biodiversitätsstrategie erarbeitet werden, wie sie bereits der Kanton St. Gallen kennt. Die Initiative bezweckt zudem, die finanziellen und personellen Mittel gegenüber heute zu verdoppeln. Hinter dem Volksbegehren stehen neben den Grünen die Thurgauer Umweltverbände WWF, Vogelschutz und Pro Natura. Mit weiteren politischen Parteien sei man im Gespräch, hiess es seitens der Initianten.

Doch der Fokus auf die BFF greife zu kurz, um dem Problem des Artenrückgangs zu begegnen. Denn der geforderte Anteil dieser Flächen im ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) beträgt «nur 7 Prozent». Bei diesem handelt es sich um die minimalen Bedingungen, die Bauern erfüllen müssen, um Direktzahlungen zu erhalten. Bei Spezialkulturen – Gemüse oder Rebbau etwa – beträgt er «sogar nur 3,5 Prozent. «Um den Artenrückgang zu stoppen, braucht es auch Massnahmen auf den restlichen rund 95 Prozent des Kulturlandes», hält die Regierung fest.

Sie erwähnt als Beispiel Mähinseln, die sich als wirksames Mittel erwiesen hätten. Dabei mäht der Landwirt 90 Prozent und lässt zehn Prozent der Vegetation stehen. Dieser Zehntel dient den Insekten als Rückzugsraum. Laut Regierung seien Anreize «grundsätzlich denkbar» für ein weniger häufiges Mähen oder geringeren Düngereinsatz.

Pflanzenschutzmittel, sogenannte Pestizide, bedeuten für Insekten vielfach den Tod. Deshalb fragten die Kantonsräte, ob es im Thurgau weitere Bestrebungen gebe, den Pestizideinsatz zu verringern. «Der Reduktion von Pestiziden kommt aus Sicht des Regierungsrates grösste Bedeutung zu», schreibt dieser und verweist auf zwei Ressourcenprojekte, die gestartet wurden.

Doch Pestizide würden auch bei Hausfassaden eingesetzt, um Algen, Pilze und Insektenbefall zu verhindern. Sie werden Farben beigemischt und gelangen von den Fassaden in die Umwelt. «Diese Problematik», so schreibt die Regierung, «ist in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt». Dieses Thema verdiene zwingend eine erhöhte Beachtung.

Anstrengungen reichen nicht aus

Marianne Sax sagt, sie sei mit der Art der Antwort zufrieden. «Nicht zufrieden bin ich mit der Tatsache, dass Insekten sterben.» Grosses Handlungspotenzial ortet die SP-Kantonsrätin in der Landwirtschaft: «Rund 95 Prozent des Kulturlandes sind keine Ausgleichsflächen», sagt sie. In diesem Bereich müssten zwingend Anstrengungen unternommen werden, um Lebensräume für Insekten zu schaffen.

Kantonsrätin Marianne Sax (SP, Frauenfeld).

Kantonsrätin Marianne Sax (SP, Frauenfeld).

Ihr geht es nicht nur um die kleinen Tiere: «Mit dem Sterben der Insekten bricht auch Nahrung für Vögel weg», sagt Sax und spricht damit einen ökologischen Dominoeffekt an. Zu den Ressourcenprojekten zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln sagt sie: «Bei diesen Projekten geht es primär ums Sparen, der Insektenschutz steht nicht im Vordergrund.» Er sei maximal ein «netter Nebeneffekt».

Den Einsatz von Pestiziden an Hausfassaden kommentiert sie mit einem Wort: «Absurd.» Weil ihr die Massnahmen insgesamt nicht weit genug gehen, kündigt sie einen weiteren Vorstoss an.

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