Wer macht in Gachnang das Rennen?

An einer Podiumsveranstaltung präsentierten sich die drei Kandidaten für das Gemeindepräsidium in Gachnang der Bevölkerung. Zur Auswahl stehen Martin Schwager, Dieter Brunschweiler und Roger Jung.

Rahel Haag
Drucken
Teilen
Bettina Goulon interviewt die drei Kandidaten Martin Schwager, Dieter Brunschweiler und Roger Jung. (Bild: Andrea Stalder)

Bettina Goulon interviewt die drei Kandidaten Martin Schwager, Dieter Brunschweiler und Roger Jung. (Bild: Andrea Stalder)

Die Bühne gehört an diesem Abend den drei Männern, die sich am 23. September zur Wahl für das Gemeindepräsidium stellen. Das Interesse ist gross. Rund 300 Personen sind am Montagabend in die Mehrzweckhalle gekommen. Sie wollen sich ein Bild von den Kandidaten machen.

Diese heissen Martin Schwager, Dieter Brunschweiler und Roger Jung. Nach der Vorstellungsrunde geht es ans Eingemachte. Wo es mit der Gemeinde in Zukunft hingehen soll, will Moderatorin Bettina Goulon wissen. «Die Leute sollen Freude haben, hier zu leben – nicht nur zu schlafen», sagt der 46-jährige Brunschweiler. Um zu verhindern, dass Gachnang zu einer Schlafgemeinde werde, wolle er vor allem auf die Vereine setzen. «Hierfür soll die nötige Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden.»

Schwager (EVP) bezeichnet sich als Neuling in der Gemeinde. Der 58-Jährige lebt seit Mitte Mai in Islikon. Ihm ist es wichtig, die Finanzen im Griff zu haben. «Darauf kann man anschliessend aufbauen.» Der dritte im Bunde, Roger Jung, möchte «die Leute verstärkt ins Boot» holen. Er könne sich vorstellen, bei wichtigen Projekten Workshops zu veranstalten. «Auf diese Weise könnte der Gemeinderat und der Gemeindepräsident mit Schlüsselpersonen zusammenarbeiten», sagt der 44-Jährige.

Veränderung im Kleinen und erneuerbare Energien

Zum Thema Umweltpolitik befragt, sagt Dieter Brunschweiler, dass er als Imker oft mit Landwirten in Kontakt stehe und deren Probleme kenne. «Ich bin der Meinung, dass wir ökonomisch und ökologisch leben sollten.» Dies beginne im Kleinen, «im eigenen Garten». Es seit beispielsweise nicht nötig, dass sich jeder Gartengeräte anschaffe. Stattdessen könnte man sich mit den Nachbarn teilen. «Ich fahre häufig mit dem Velo zur Arbeit», sagt Roger Jung, Gemeindeschreiber in Rickenbach (ZH). Zudem spricht er sich dafür aus, erneuerbare Energien zu nutzen und zu fördern.

Beim Thema Sozialpolitik waren sich die drei Kandidaten einig. Wie man mit Sozialfällen umgehe, hänge auch mit den Finanzen zusammen, sagt Martin Schwager. «Solange wir es finanziell abfedern können, geht es uns gut.» Brunschweiler spricht sich einerseits dafür aus, «Leute, die Pech hatten» zu unterstützen. «Gleichzeitig muss man genau hinschauen und beispielsweise fragen, ob der grosse Fernseher oder das geleaste Auto wirklich nötig sei. «Dem kann ich mich nur anschliessen», sagt Roger Jung zum Schluss. Man müsse mit Sozialhilfebezügern «bestimmt, zielführend und liebevoll» zusammenarbeiten. Alle drei nicken. «So wie es aussieht, könnten Sie das Amt auch zu dritt im Jobsharing übernehmen», sagt die Moderatorin Bettina Goulon und erntet dafür einige Lacher.

«Es wird schwierig, Matthias Müller nachzueifern»

Nach knapp anderthalb Stunden darf das Publikum Fragen stellen. Wie lange sie das Amt ausführen wollten, lautet eine. Diese hatte Schwager bereits in seinem Schlusswort beantwortet. Nach acht Jahren solle bei ihm Schluss sein. Roger Jung nennt vier bis fünf Amtsperioden. «Es wird schwierig Matthias Müller nachzueifern», sagt Brunschweiler und lacht. Doch er sähe das Amt nicht als kurzfristiges Engagement. Drei bis vier Amtsperioden, sagt er schliesslich. «Sofern ich wiedergewählt würde.»

Kampfwahl im Gemeinderat

Nach den Kandidaten für das Präsidium bekommen auch jene für den Gemeinderat Gelegenheit, sich vorzustellen. Innerhalb der offiziellen Frist hatte sich nur der 35-jährige Daniel Widmer (FDP) beworben. Dementsprechend erhält er mehr Zeit und darf ebenfalls einige Fragen der Moderatorin beantworten. Er leidet an MS (Multipler Sklerose) und betritt mit einem Stock die Bühne. Gesundheitlich gehe es ihm aber gut. «Am schnellsten Gachnanger würde ich nicht teilnehmen», sagt er und schmunzelt. Als gelernter Immobilienfachmann kenne er sich im Bereich Bau gut aus.Nebst Widmer stellen sich Karin Hollenstein und Marco Rüegg (GLP) zur Wahl. Sie erhalten je drei Minuten Zeit, um sich vorzustellen. Hollenstein ist 52 Jahre alt und ist seit 2008 Präsidentin des Ortsvereins Oberwil. Die Gemeinde liege ihr am Herzen, sagt sie zu ihrer Motivation. Rüegg ist 44 Jahre alt und lebt seit 2010 in Gachnang. Man kenne ihn vermutlich von Versammlungen. Bei diesen Gelegenheiten haber er sich einige Male kritisch eingebracht. «Manchmal vielleicht mit zu wenig Feingefühl», sagt er, «aber man lernt dazu.» (rha)

Zwei weitere wollen in den Gachnanger Gemeinderat

Für die Gachnanger Exekutive gibt es nun doch eine Kampfwahl. Mit den Kandidaturen von Marco Rüegg und Karin Hollenstein bewerben sich nun insgesamt drei Neue und vier Bisherige um die sechs Sitze.
Stefan Hilzinger

Nur ein Kandidat für den Gachnanger Gemeinderat

Für das Gachnanger Gemeindepräsidium stellt sich mit Roger Jung ein dritter Kandidat zur Wahl. Einen Bewerber gibt es auch für einen der zwei frei werdenden Gemeinderatssitze. Er heisst Daniel Widmer. Am Samstag endet die Frist für die Einreichung der Wahlvorschläge.
Rahel Haag

Zwei Männer wollen in das Gachnanger Schloss

Dieter Brunschweiler und Martin Schwager heissen die beiden Kandidaten für die Nachfolge von Matthias Müller als Gemeindepräsident. Die Findungskommission hat die beiden Einheimischen aus 15 Bewerbern ausgelesen.
Stefan Hilzinger