Interview

«Wer kauft heute noch ein Lexikon?»: Marianne Sax betreibt seit 30 Jahren ihre Buchhandlung in Frauenfeld

Dieses Jahr feiert der Buchladen in der Vorstadt seinen 30. Geburtstag. Trotz dem harzigen Anfang an der Grabenstrasse kann Inhaberin Marianne Sax nun stolz auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurückblicken.

Sophie Ade
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Marianne Sax vor ihren Bücherladen in der Frauenfelder Vorstadt.

Marianne Sax vor ihren Bücherladen in der Frauenfelder Vorstadt.

(Bild: Andrea Stalder)

Ging mit der Eröffnung Ihres Buchladens im Jahr 1990 ein grosser Traum in Erfüllung?

Marianne Sax: Der Schritt zur eigenen Buchhandlung war vielmehr eine Gelegenheit als ein Traum. Träume gibt es in Romanen. Das Grundstück an der Grabenstrasse stand zur Verfügung und ich, als junge Buchhändlerin, sah darin die Chance.

Welches waren die markantesten Veränderungen bezüglich des Bücherkonsums innert dieser 30 Jahren?

Die auffallendste Veränderung ist sicherlich, dass das Buch sich vom Alltagsgegenstand wegentwickelt hat. Der Computer hat jetzt diesen Platz eingenommen. Das merkt man schon. Auch das Verschwinden der wissenschaftlichen Fachbücher ist eine nicht unwichtige Entwicklung. Wer kauft denn heute noch ein Lexikon? So hat sich ein ganzes Büchersegment praktisch aufgelöst.

Kam dafür ein anderes dazu?

Nein, leider wurde diese Lücke im Bücherregal nie ersetzt.

Sie gehören mit Ihrer zentralen Lage und Ihrer langjährigen Geschichte zum Herzstück von Frauenfeld. Fühlen Sie sich auch als solches?

Ja, definitiv. Durch die ganzen Leute, die hier ein und aus gehen, nehme ich das Leben der Stadt wahr und sehe wie Generationen vorbeiziehen. Viele durfte ich beim Älterwerden beobachten. Die einen spielten hier als Kleinkind mit der Kügelibahn und kommen mich nun mit ihren eigenen Kindern besuchen. Das freut mich immer ganz besonders!

Welches Buch repräsentiert für Sie das Jahr 2020 im Rahmen Ihrer Facebook- Aktion «30 Bücher in 30 Tagen»?

Das wird noch nicht verraten. «Der Sprung» von Simone Lappert wäre vielleicht ein Kandidat. Aber auch Bücher, die den Leuten während des Lockdowns Trost bieten konnten, stehen zur Debatte. Wie beispielsweise «Tage mit Felice» oder «Der Sommer im Garten meiner Mutter». Ich werde also noch eine schwierige Entscheidung zu fällen haben.

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