Wenn’s in Frauenfeld mal wieder pressiert, sollen Restaurant-Toiletten Abhilfe schaffen

Die Idee ist nicht neu, aber trotzdem gut: Restaurant-WCs sollen öffentlich genutzt werden dürfen. Dafür erhalten die Gastronomen von der Stadt eine Entschädigung. Nächsten Frühling könnte die Aktion starten.

Mathias Frei
Drucken
Teilen

Die Blase drückt immer im dümmsten Moment. Nur wo ist das nächste öffentliche WC? Und ist es um diese Zeit noch offen? Auf Frauenfelder Stadtgebiet gibt es zehn öffentliche Toilettenanlagen, aber nur die stillen Örtchen am Bahnhof, bei der Hauptpost, auf dem Oberen Mätteli und am Schaffhauserplatz sind rund um die Uhr geöffnet. Bei allen anderen WCs gibt es eine Schliessautomatik, spätestens ab 22 Uhr, teils schon früher. Da kann man schon mal vor verschlossenen Türen stehen und ist dann entsprechend angepisst.

Sabina Ruff, Bereichsleiterin sozialräumliche und soziokulturelle Stadtentwicklung. (Bild: PD)

Sabina Ruff, Bereichsleiterin sozialräumliche und soziokulturelle Stadtentwicklung. (Bild: PD)

Mit einer gemeinsamen Aktion des Werkhofs und des Amts für Stadtentwicklung und Standortförderung könnte sich die Frauenfelder WC-Situation ab kommendem Frühling merklich verbessern. Die Idee: Gastronomiebetriebe machen ihre Toiletten öffentlich. Das heisst: Passanten können ihr kleines oder grosses Geschäft ohne den sonst üblichen Konsumationszwang verrichten. Die Restaurantbetreiber erhalten dafür eine jährliche finanzielle Entschädigung von der Stadt.

Ein Züri-WC kostet im Ankauf 100'000 Franken

Markus Graf, Amtsleiter Werkhof. (Bild: Andrea Stalder)

Markus Graf, Amtsleiter Werkhof. (Bild: Andrea Stalder)

Das Prinzip, Gastro-WCs öffentlich zu nutzen, ist nicht neu (siehe Kasten). Schon oft hat Werkhofchef Markus Graf in touristischen Orten in Süddeutschland die Aufschrift «Nette Toilette» an Restauranteingängen gesehen. Ihm gefiel die Idee. Er spricht von einer Win-Win-Situation, für die Gastronomen und für das Gemeinwesen. Dieser Meinung ist auch Sabina Ruff, Bereichsleiterin sozialräumliche und soziokulturelle Stadtentwicklung. Die Stadt könne die öffentliche Infrastruktur aufwerten und spare sich so den Ankauf von WC-Anlagen. Für ein sogenanntes Züri-WC, also eine Metallcontainer-Anlage, müsse man 100'000 Franken aufwerfen, rechnet Ruff vor. «Und die laufenden Unterhaltskosten kommen noch dazu», ergänzt Graf. Zudem sieht er für die Gastrobetriebe Vorteile in der Kundenanwerbung. Graf kann sich vorstellen:

«Der eine oder andere WC-Gänger nimmt nach dem Geschäft noch schnell Platz und trinkt etwas.»

Bei einer solchen Aktion mitzumachen, sei gut fürs Image. Zudem sei der Mehraufwand für die Beizer überschaubar, sind sich Ruff und Graf sicher. Denn in der Gastronomie seien ja von Gesetzes wegen schon Hygieneanforderungen einzuhalten. Und zusätzlich gebe es noch die angedachte Aufwandsentschädigung.

Stefan Mühlemann, Brauhaus, Frauenfeld. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Stefan Mühlemann, Brauhaus, Frauenfeld. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Laut Graf sieht die Stadt schon seit einigen Jahren Bedarf in Sachen Toiletten im Bereich der Altstadt. Für Veranstaltungen sind mobile Lösungen gangbar. Eine bauliche Lösung bei der Stadtbushaltestelle schräg vis-à-vis der katholischen Stadtkirche steht zur Diskussion. Über den kantonalen Gastroverband respektive Stefan Mühlemann vom Brauhaus in Frauenfeld hat die Stadt rund 40 Betriebe in der Innenstadt angefragt. Mühlemann spricht von einer «sinnvollen Zusammenarbeit mit Vorteilen für beide Seiten». Mit sechs Wirten steht die Stadt bereits in Kontakt. Nebst dem Brauhaus ist zum Beispiel auch das «Be you Café» am Lindenpark an der Aktion interessiert. Auch die IG Frauenfelder Innenstadt (IG Fit) stehe der Aktion sehr positiv gegenüber.

Als die Bevölkerung im deutschen Aalen rebellierte

Die Idee, Gastronomietoiletten öffentlich zu nutzen, stammt aus der Stadt Aalen, die 70 Kilometer östlich von Stuttgart liegt. 2001 initiierte die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit einem lokalen Werbebüro die Aktion «Nette Toilette». Eine Umfrage hatte ergeben, dass in der Bevölkerung der 67'000-Einwohner-Stadt grosse Unzufriedenheit betreffend fehlender WCs in der Innenstadt herrschte. Das Prinzip kommt heute deutschlandweit zur Anwendung. Die Marke «Nette Toilette» ist nutzungsrechtlich geschützt. Will eine Stadt das auffällige rot-gelbe Erscheinungsbild nutzen, ist eine Gebühr fällig. Das beschriebene Prinzip hingegen ist nicht geschützt, sondern frei adaptierbar. www.die-nette-toilette.de führt in Deutschland 260 Städte auf. In der Schweiz gibt es in Basel, Bern, Biel, Glarus, Solothurn, Thun und Nyon «Nette Toiletten». (ma)

Mit einer Handvoll Betrieben im erweiterten Stadtzentrum wären Ruff und Graf zufrieden. Nun geht es für sie darum, konkrete Kriterien für interessierte Betriebe zusammenzustellen. Ob es zum Beispiel auch sinnvoll ist, Läden mit Publikumsverkehr für die Aktion anzufragen, gilt es noch abzuklären. Denn Ruff sagt:

«Toiletten, die bislang nur von der Belegschaft benutzt wurden, fallen durch unser Raster.»

Was aber schon feststeht: «Beim Namen für die Aktion und der grafischen Umsetzung fahren wir definitiv eine Frauenfelder Lösung», sagt Graf. Ein Grund dafür ist sicher, dass «Nette Toilette» eine nutzungsrechtlich geschützte Marke ist, für die eine Gebühr bezahlt werden müsste. Auf jeden Fall sind für die teilnehmenden Betriebe Plakate und Aufkleber angedacht. Eine Werbekampagne steht zur Diskussion. Und mittelfristig könnte es eine interaktive WC-Karte geben.

«Ab 15. August ist das Pavillon-WC tagsüber offen»

Der Murg-Auen-Park hat sich trotz Hitzewelle zum beliebten Frauenfelder Naherholungsgebiet gemausert. Nur an der derzeitigen WC-Situation üben viele Parkbesucher Kritik. Laut Fabrizio Hugentobler, Amtsleiter Freizeitanlagen und Sport, steht schon bald eine öffentliche Toilette zur Verfügung.
Mathias Frei

WC-Türen gibt's dann auch noch

Nein, das Einkaufszentrum Passage am Frauenfelder Bahnhofplatz fängt auf dem stillen Örtchen keine neue Moden an. Gestern fehlten zwar die WC-Türen noch und bei den Männern die Trennwände zwischen den Pissoirs.
Mathias Frei