Wenn in der Kantonsbibliothek in Frauenfeld Studenten Schlange stehen, obwohl es kein Freibier gibt

Jeweils zum Semesterende an den Universitäten füllt sich an der Kantonsbibliothek der Lesesaal mit lernenden Studis. Wegen des grossen Andrangs verwandelt sich nun temporär auch der Vortragssaal in einen Lernort.

Mathias Frei
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Die Lern-Arbeitsplätze stehen bereit: ein Blick in den Vortragssaal, der sich in einen Lesesaal verwandelt. (Bild: Mathias Frei)

Die Lern-Arbeitsplätze stehen bereit: ein Blick in den Vortragssaal, der sich in einen Lesesaal verwandelt. (Bild: Mathias Frei)

Es ist wieder Prüfungszeit an den Universitäten. Kurz vor Türöffnung der Kantonsbibliothek um 8 Uhr stehen die Studentinnen und Studenten vor dem Eingang Schlange.

«Danach nehmen wir sie kaum mehr wahr, bis sie Pause machen oder am Mittag essen gehen.»

Das sagt Christine Lehmann, Leiterin Benutzung der Kantonsbibliothek. Statt Geschwätz in der Vorlesung herrscht Ruhe. Denn auf dem Spiel stehen die Noten der Semesterprüfungen, die zum Beispiel an der Uni Zürich Mitte Juni beginnen und gestaffelt bis Mitte Juli andauern.

Ein Blick in die Kantonsbibliothek. (Bild: Reto Martin)

Ein Blick in die Kantonsbibliothek. (Bild: Reto Martin)

Gute Lern-Arbeitsplätze sind Gold wert. Da steht man gerne früher auf. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn schon um 8.45 Uhr alle regulären 28 Arbeitsplätze im Lesesaal, dem ehemaligen Obergerichtssaal im zweiten Stock der Kantonsbibliothek, besetzt sind. Um diese Uhrzeit müssen die ersten Studis bereits im zum provisorischen Lesesaal umgenutzten Vortragssaal im Erdgeschoss Platz nehmen.

Anderthalb Monate Ausnahmezustand

«Im Normalfall wird der Lesesaal rege benutzt, ist aber nicht voll besetzt», sagt Lehmann. Aber Prüfungszeit bedeutet Ausnahmezustand. Im Vortragssaal stehen deshalb während anderthalb Monaten acht grosse Tische zur Verfügung. Das bedeutet: Wenn man sich nicht komplett ausbreitet, stehen bis zu 16 zusätzliche Arbeitsplätze bereit. Den provisorischen Lesesaal, bei dem man näher am Kaffeeautomaten sitzt, betreibt die Kantonsbibliothek schon seit einigen Jahren. Heuer wurde das Angebot erstmals auf Facebook beworben.

Die Kantonsbibliothek an der Promenade. (Bild: crcr)

Die Kantonsbibliothek an der Promenade. (Bild: crcr)

«Es ist der Kantonsbibliothek ein grosses Anliegen, Studierenden und auch anderen Bibliotheksnutzern gute Arbeitsplätze im Lesesaal respektive im Freihandbereich anbieten zu können.»

Das erklärt Lehmann. Den Aufwand, um derzeit den Vortragssaal für eine interne Sitzung oder eine Veranstaltung umzustellen, nehme man gerne in Kauf. Auf Anfrage stellt die Kantonsbibliothek auch einen Arbeitsraum für Gruppensitzungen zur Verfügung. Tradition verpflichtet. Seit die Kantonsbibliothek an der Promenade daheim ist, also seit 1912, steht ein Lesesaal zur Verfügung.

Lesesaalbenutzung montags bis samstags ab 8 Uhr bis Bibliotheksschliessung.
www.kantonsbibliothek.tg.ch