Kulturgüterschutz im Thurgau: Wenn’s brennt, muss die Priorität klar sein

Wie schützt man Kulturgüter im Katastrophenfall am besten? Um diese Frage kümmert sich im Thurgau eine neue Fachstelle.

Florian Beer
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«Balbo» von Adolf Dietrich ist eines der bekanntesten Gemälde im Kanton, es gilt als kultureller Orientierungspunkt.

«Balbo» von Adolf Dietrich ist eines der bekanntesten Gemälde im Kanton, es gilt als kultureller Orientierungspunkt.

Bild: Andrea Stalder

Das Coronavirus beschäftigt die Welt und auch die Schweiz. Doch grundsätzlich kann sich das Land glücklich schätzen. Bisher ist es von verheerenden Kriegen verschont geblieben und auch gravierende Naturkatastrophen haben erst wenige den Weg in die Schweiz und vor allem in den Thurgau gefunden.

Doch für den Fall der Fälle müssen präventive Massnahmen getroffen werden, so dass neben Mensch und Tier auch die Kulturgüter des Kantons geschützt werden können. Um dies langfristig sicherzustellen, hat der Thurgauer Regierungsrat 2017 ein Konzept zur Neuorganisation des kantonalen Kulturgüterschutzes (KGS) bewilligt, mittlerweile ist die Umsetzung erfolgreich abgeschlossen.

Daniel Häberli vom Amt für Denkmalpflege ist als Leiter der neu geschaffenen Fachstelle hauptverantwortlich für den Kulturgüterschutz im Kanton und war federführend bei der Umsetzung des Reorganisationsprojekts. Er erklärt: «Wir haben gemäss Konzept drei Massnahmen umgesetzt, um die kantonalen Kulturgüter effizient schützen zu können.»

Die Feuerwehr muss sich an Experten wenden können

Zum einen habe man den personellen und materiellen Bereich neu organisiert. «Neu gibt es ein Experten-Team, das im Notfall zur Beratung und Unterstützung der Blaulichtorganisationen und Eigentümer aufgeboten werden kann, wenn irgendwo im Kanton Kulturgüter in Gefahr sind», sagt Häberli. Bis jetzt zähle dieses Team acht Mitglieder, zu denen auch Häberli selber gehört.

«Wenn beispielsweise eine Kirche brennt, in der wertvolles Kulturgut steht, muss der Einsatzleiter der Feuerwehr schnell an Informationen gelangen, wo sich diese befinden und wie sie am besten geschützt werden können.»

Manchmal könne das eine Evakuation von mobilem Kulturgut bedeuten oder auch ein Schutz vor Ort.

Daniel Häberli, Leiter Thurgauer Fachstelle Kulturgüterschutz.

Daniel Häberli, Leiter Thurgauer Fachstelle Kulturgüterschutz.

Bild: PD

Nach dem Ereignis müsse weiter sichergestellt werden, dass die betroffenen Kulturgüter schnellstmöglich geborgen, stabilisiert und danach restauriert werden können. Um dies zu gewährleisten, brauche es ein fundiertes Fachwissen. Dieses bringen die Experten des KGS-Experten-Teams mit. Sie können vom Einsatzleiter oder dem Notfallkoordinator der betroffenen Institution aufgeboten werden.

Gemeinsam soll dann auf dem Schadensplatz entschieden werden, ob der ebenfalls reorganisierte Fachbereich Kulturgüterschutz des Zivilschutzes aufgeboten werden muss. Zudem habe man in enger Zusammenarbeit zwischen dem Amt für Denkmalpflege und dem Amt für Bevölkerungsschutz und Armee modernes Einsatzmaterial für die Rettung, Stabilisierung und den Transport beschädigter Objekte beschafft.

Fachstelle plant auch ­gemeinsame Übungen

Als zweite Massnahme werden Notfallpläne für die wichtigsten Thurgauer Kulturgüter erarbeitet. Diese dienen den Einsatzkräften und den Experten dazu, im Einsatz schnell die wichtigsten Informationen über ein Objekt griffbereit zu haben. Häberli erklärt:

«In einem Notfall muss man, so schwer einem dies auch fallen mag, manchmal Prioritäten setzen und zuerst die wichtigsten und wertvollsten Objekte retten.»

Diese Entscheidungen treffe man am besten schon vor einem Ereignis. Weitere Inhalte einer solchen Notfallplanung seien unter anderem eine Risikoanalyse, Evakuierungspläne sowie Verhaltensanweisungen, Inventarlisten und Notfallkontakte.

Die dritte Massnahme des Projekts sah den Aufbau der Fachstelle selbst vor. Diese ist nun die zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle für sämtliche Belange des Kulturgüterschutzes im Kanton. Zudem leitet die Fachstelle das Experten-Team, berät die KGS-Spezialisten des Zivilschutzes in fachlichen Belangen und plant gemeinsame Übungen von Zivilschutz und KGS-Experten-Team. Zudem leistet sie Öffentlichkeitsarbeit. Dieser Aufbau sei nun abgeschlossen und man verfüge seit Jahresbeginn über eine permanente Fachstelle, sagt Häberli.

Die Neuorganisation des Kulturgüterschutzes sei zu einer Herzensangelegenheit für ihn geworden. Er sei sehr dankbar für die Unterstützung von allen Beteiligten, die ihm die Umsetzung aller angedachten Massnahmen erleichtert haben.

Nun freue er sich auf die Arbeit als Leiter der neuen Fachstelle und hoffe, dass die präventiven Massnahmen im Notfall optimal greifen. Zwei Notfallübungen seien 2019 bereits absolviert worden und positiv ausgefallen.

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