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Wenn nicht gigantisch, dann lieber gar nicht: Das Bodensee-Theaterschiff Atlantis geht unter

Der scheidende Intendant des Stadttheaters Konstanz begräbt sein grenzüberschreitendes Abschiedsprojekt. Am Geld fehlt es nicht.
Ida Sandl
«Ich bin der Schmerz und nicht der Arzt», Intendant Christoph Nix bei der Pressekonferenz in Konstanz. Bild: Reto Martin

«Ich bin der Schmerz und nicht der Arzt», Intendant Christoph Nix bei der Pressekonferenz in Konstanz. Bild: Reto Martin

An den Schweizern lag es nicht. Für die hat Christoph Nix, der scheidende Intendant des Konstanzer Stadttheaters, nur lobende Worte. Die Kantone Thurgau und St.Gallen hätten je 20'000 Euro geben wollen zum Theaterschiff Atlantis. Überhaupt sei es keine Frage des Geldes, wenn Atlantis im Frühling nicht wie geplant die Hafenstädte rund um den Bodensee anlaufen wird. «132'000 Euro hatten wir beisammen», sagt Nix. Mehr als erwartet und mehr als nötig; 120'000 Euro hätten schon gereicht.

Widerstand aus der Stadtverwaltung

Nix sitzt am grossen Tisch in der Konstanzer Theater-Werkstatt. Er hält Pressekonferenz, doch es sieht mehr aus wie eine Einladung zum Frühstück. Kaffeekannen stehen da und Gipfeli sind aufgeschichtet. 50 Minuten hat er Zeit, dann muss er zum Augenarzt. Dringend, denn nächste Woche reist er ins afrikanische Burundi. Er sagt:

«Für das Theaterschiff fehlt uns die Kraft.»

Dabei wirkt Nix voller Energie, wenn er ohne Punkt und Komma redet, mit spitzen Seitenhieben und eingestreuten witzigen Kommentaren.

Atlantis wäre zum Abschied noch ein grosses grenzüberschreitendes Projekt gewesen, von denen Nix gerne mehr gehabt hätte. Doch nun muss er das Theaterschiff versenken. Vor allem an den Widerständen in der Stadtverwaltung und im Gemeinderat sei es gescheitert.

Ständige Fragen nach dem Geld

Die Stiftung Baden-Württemberg habe Geld gesprochen, doch der Stadt sei das Projekt keinen Zuschuss wert gewesen. Stattdessen sei permanent nach der Finanzierung gefragt worden, vor allem aus den Reihen der CDU-Fraktion. Mit Oberbürgermeister Burchardt und Kulturbürgermeister Osner verbinde ihn nicht mal mehr etwas wie eine Arbeitsbeziehung, sagt Nix.

Lieblingszielscheibe seines Spotts ist das Bodenseeforum. Für das Konstanzer Kongresshaus hat der Intendant nur Häme übrig. Eine Totgeburt, seit drei Jahren in Betrieb, habe sie die Stadt schon mindestens 28 Millionen Euro gekostet. «Ein Millionengrab.» Für dieses Geld hätten die Konstanzer ein Konzerthaus haben können. Gut zwei Millionen hätten auch gereicht, um das Stadttheater zu sanieren, samt Glaskuppel, sagt Nix.

34 Arbeitsverträge werden nicht verlängert

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb Atlantis nicht vom Stapel laufen wird. Bei 34 von 74 künstlerischen Mitarbeitern des Stadttheaters würden die Arbeitsverträge nach dem Abgang von Nix nicht verlängert. Die Betroffenen würden sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen. «Ich habe Tränen gesehen.» Diesem gespaltenen Ensemble fehle die Kraft, um ein grosses Projekt wie Atlantis zu stemmen. Man werde sich auf den laufenden Spielplan konzentrieren.

Wenn nicht gigantisch, dann lieber gar nicht

Sie hätten über eine abgespeckte Version nachgedacht, wollten ein kleineres Schiff mieten. Doch davon seien sie abgekommen, sagt Nix. «Atlantis muss glänzen, oder es bleibt im Kopf.» Mit einer Minimalversion will er sich zum Ende seiner Konstanzer Zeit nicht zufriedengeben. «Das Spiel auf dem Säntis war gigantisch, unsere Aufführungen im Knast waren gigantisch.»

Sang- und klanglos von der Bühne abtreten wird Christoph Nix aber doch nicht. Geplant ist im Sommer auf dem Münsterplatz ein Opernprojekt als Gastspiel der sardischen Philharmonie. Thema sei der sardische Schriftsteller Antonio Gramsci, dessen bewegte politische Karriere sich vor allem in den 20er-Jahren abgespielt hat. Er gehörte zu Begründern der kommunistischen Partei Italiens.

Und es wird auch ein Schiff geben, auf dem die Kultur zumindest einen Tag lang Thema ist. Geplant ist eine Konferenz mit Kulturpolitikern. Ob er auch den Konstanzer Kulturbürgermeister dazu einladen habe, wird Nix gefragt. «Natürlich», sagt er mit schelmischem Lachen:

«Ich lade immer alle freundlich ein.»

Nix wollte den Bodensee bespielen

«Atlantis liegt im Bodensee», war Intendant Christoph Nix einst überzeugt. Daher der Name für das Theaterschiff, das im Mai 2020 hätte in See stechen sollen. Ein grosses Schiff wie die «Schwaben» hätte zum Theaterschiff werden und die Bodensee-Häfen ansteuern sollen, begleitet von Beibooten und Segelschiffen. Den Auftrag für das Theaterstück bekam der Vorarlberger Autor Maximilian Lang. In den Häfen wäre das Stück aufgeführt worden, dazu waren Spektakel geplant. Die Zuschauer sollten zum Teil an Land und teils auf den Booten sein. Grundidee des Grossprojektes war es, den Bodensee als verbindendes Element bewusstzumachen. (san)

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