Wenn Kinder nicht mehr auf der Schwarzen Liste geführt sind, bekommen sie mit 18 ein Problem: Dieser Meinung ist der Frauenfelder Stadtrat

Aktuell gibt es in Frauenfeld rund 580 säumige Krankenkassenprämien-Zahler, darunter rund 85 Kinder.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Dieses Meitli kommt in den Genuss einer ärztlichen Behandlung.

Dieses Meitli kommt in den Genuss einer ärztlichen Behandlung.

(Bild: Getty)
Salome Scheiben, Gemeinderätin CH.

Salome Scheiben, Gemeinderätin CH.

(Bild: PD)

Der Erfolg ist von der personellen Dotierung abhängig. «Die Liste der säumigen Prämienzahler ist an sich gut und ermöglicht es, frühzeitig in Kontakt zu treten, bevor grössere Prämienausstände entstehen.» Das schreibt der Stadtrat in der Antwort auf die Einfache Anfrage mit dem Titel «Kinder auf der Schwarzen Liste». Den Vorstoss haben die Gemeinderätinnen Salome Scheiben, Sandra Kern (beide CH), Priska Brenner (Grüne) und Félice Haueter (SP) Ende Oktober eingereicht. Damals hatte der Bundesrat anlässlich der Fragestunde der Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher beschieden, dass die Thurgauer Praxis von Kindern auf der Schwarzen Liste in Konflikt zur Unicef-Kinderrechtskonvention stehe.

Schwarze Liste nur mit umfassendem Case-Management sinnvoll

Fakt ist: Derzeit stehen rund 580 Frauenfelder auf der Schwarzen Liste, davon sind rund 85 unter 18 Jahren aus etwa 50 Familien. Die im Thurgau seit 2007 existierende Liste sei nur dann sinnvoll und effektiv, wenn ein umfassendes Case-Management betrieben werde, heisst es in der Vorstossantwort.

«Weder bei der Abteilung Krankenkasse und AHV noch beim Amt Alter und Gesundheit hat sich je ein Arzt wegen fehlender Behandlungsmöglichkeit eines Kindes gemeldet.»
Priska Brenner, Gemeinderätin Grüne.

Priska Brenner, Gemeinderätin Grüne.

(Bild: PD)
Sandra Kern, Gemeinderätin CH.

Sandra Kern, Gemeinderätin CH.

(Bild: PD)

Wer gelistet ist, wird nur im Notfall behandelt. Wobei der Stadtrat schreibt: «Der Begriff des Notfalls wird von den behandelnden Ärzten unterschiedlich ausgelegt.» Würden Kinder nicht gelistet, könnten sie zwar sämtliche ärztliche Leistungen ohne Einschränkung beziehen, jedoch würden ihnen die aufgelaufenen Schulden mit Erreichen der Volljährigkeit angelastet. Der junge Erwachsene käme sodann auf die Schwarze Liste. Der Stadtrat ist der Meinung:

«Frühzeitige Intervention müsste dieses Szenario verhindern.»
Félice Haueter, Gemeinderätin SP.

Félice Haueter, Gemeinderätin SP.

(Bild: PD)

Mit den bisherigen Ressourcen habe in Frauenfeld nur ein oberflächliches Case-Management betrieben werden können. Die einfacheren Fälle seien bearbeitet worden, die komplexeren seien gelistet geblieben. Die aktuelle Personaldotierung reiche nicht aus, um den Problemen gerecht zu werden. Deshalb wurde eine Stellenaufstockung von 60 bis 70 Prozent bei der Abteilung für Krankenkasse und AHV budgetiert, welche der Gemeinderat mittlerweile auch bewilligt hat. Ein Vergleich zeigt die Unterdotierung in Frauenfeld, wo es derzeit zwei Stellenprozente pro hundert Einwohner gibt für das Case-Management. Ab kommendem Jahr sind es vier Stellenprozente. In Arbon sind es sieben Stellenprozente.

Aktuelle Nachrichten