Kommentar
Wenn die Thurgauer Bauern im Herbst an die Urne marschieren, wird Daniel Vetterli Nationalrat

Jakob Stark soll für die Thurgauer SVP den Ständeratssitz verteidigen. Dies dürfte gelingen. Noch offen ist, wer Markus Hausammann (SVP) im Nationalrat beerben wird. Ein heisser Kandidat ist der Landwirt Daniel Vetterli, schreibt David Angst in seinem Leitartikel.

David Angst
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David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung. (Bild: Ralph Ribi)

David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung. (Bild: Ralph Ribi)

Am Dienstag fiel im Thurgau eine der wichtigsten politischen Entscheidungen für Jahre.

173 Delegierte der SVP Thurgau nominierten Jakob Stark als Ständeratskandidaten. Der unterlegene Markus Hausammann kam auf 104 Stimmen.

Nach menschlichem Ermessen wird es Jakob Stark gelingen, den SVP-Sitz zu verteidigen und als Nachfolger Roland Eberles in den Ständerat einzuziehen. Der zweite Sitz gehört der CVP und ist ebenfalls nicht in Gefahr. Vor acht Jahren musste Brigitte Häberli noch den Umweg über den zweiten Wahlgang nehmen. Schon vor vier Jahren wurde sie im ersten Wahlgang gewählt. Mittlerweile sitzt sie fest im Sattel.

Zwar gibt es im linken Spektrum die Absicht, Kandidaten aufzustellen. Die SP und die GLP werden dies wohl tun, allerdings ohne ernsthafte Ambitionen. Die Partei, welche das Duo SVP/CVP am ehesten angreifen könnte, wäre aufgrund ihrer Grösse und Positionierung die FDP. Aber die FDP wird es sich gut überlegen, ob sie gegen Jakob Stark und Brigitte Häberli antreten soll.

Erstens fehlt ihr im Moment ein «Spitzenkandidat», der es mit dem Duo Stark/Häberli aufnehmen könnte. Zweitens erscheint Jakob Stark aus freisinniger Sicht weniger angreifbar als Hausammann. Und drittens muss die FDP entweder mit der CVP oder mit der SVP eine Listenverbindung eingehen. Es kann sein, dass Teil dieser Verhandlungen ein Stillhalteabkommen beim Ständeratswahlkampf ist.

In vier Jahren wird Brigitte Häberli 65 Jahre alt. Sollte sie sich dann aus dem Stöckli zurückziehen, wird sich die Aussicht der FDP auf einen Ständeratssitz wesentlich verbessern.

Was die Listenverbindungen angeht, so hört man aus Parteikreisen Verschiedenes – auch Widersprüchliches. Gemäss gut informierten Quellen aus verschiedenen Parteien haben die Mitteparteien CVP und GLP der FDP mitgeteilt, dass sie an einer Listenverbindung mit dem Freisinn nicht interessiert seien. Drahtzieher sind in erster Linie die Grünliberalen, die auf Weisung ihrer Mutterpartei so handeln.

Die Thurgauer Grünliberalen haben vor vier Jahren im Thurgau gut 6 Prozent aller Stimmen geholt. Dennoch sieht es so aus, als könnten sie das Listenverbindungs-Gefüge im Thurgau mehr oder weniger allein diktieren. Falls die FDP tatsächlich in der Mitte keinen Unterschlupf findet, bleibt ihr nichts anderes übrig, als mit der SVP eine Listenverbindung einzugehen.

Auf der anderen Seite werden die Grünen wohl mit der SP zusammengehen. Am meisten dürften sich die SVP und die SP darüber freuen. Denn die SP fürchtet nichts mehr als eine Listenverbindung der Grünen mit den Grünliberalen. Und für die SVP wäre es mit Hilfe der FDP noch einfacher, ihre drei Sitze zu halten.

Noch ist der Zug aber nicht definitiv abgefahren. Offenbar gibt es in der CVP und der FDP einflussreiche Personen, welche versuchen, doch noch eine gemeinsame Listenverbindung auf die Beine zu stellen. Es wäre dann interessant zu sehen, wie die GLP darauf reagiert.

Bleibt noch die Frage, wer Markus Hausammann im Nationalrat beerben soll. Nach dem heutigen Wissensstand kann man davon ausgehen, dass die SVP zusammen mit der EDU ihren Sitz verteidigen wird (egal, ob die FDP dabei ist oder nicht). Nun ist Markus Hausammann gegenwärtig der einzige Landwirt aus dem Thurgau im eidgenössischen Parlament. Sollte an seine Stelle kein Bauer treten, wäre damit eine jahrzehntealte Tradition beendet. Seit Menschengedenken sass immer ein Thurgauer Bauer im eidgenössischen Parlament.

Der einzige Landwirt auf der SVP-Liste ist der Kantonsrat Daniel Vetterli, Rheinklingen, der Präsident des Thurgauer Milchproduzentenverbandes. Die Bauern werden am 20. Oktober geschlossen an die Urne marschieren, darauf kann man sich verlassen. Wer also einen Fünfliber auf Vetterli wettet, der wird nicht viel Geld verlieren.