Wenn alle wollen, kommt in der Frauenfelder Altstadt irgendwann eine Fussgängerzone

Seit knapp vier Jahren gibt es in der Altstadt eine fixe Begegnungszone. Der Stadtrat zieht eine positive Bilanz. Dies ist in der Beantwortung der Einfachen von Heinrich Christ zu einer Fussgängerzone auf der Zürcherstrasse zu lesen. 

Mathias Frei
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Belebte Altstadt: eine Impression vom Winzerfest 2019 auf der Zürcherstrasse.

Belebte Altstadt: eine Impression vom Winzerfest 2019 auf der Zürcherstrasse.

Bild: Andrea Stalder (10.August 2019)
Heinrich Christ, Gemeinderat CH.

Heinrich Christ, Gemeinderat CH.

(Bild: PD)

«Auf der Zürcherstrasse in der Altstadt sieben Tage in der Woche Fussgängerzone»: Das ist Heinrich Christs Vision. Als guten Kompromiss sieht der CH-Gemeinderat werktags eine Zufahrtsmöglichkeit für Anlieferer und Personen, die zwingend auf das Auto angewiesen sind, bis 10 Uhr. Dass es dereinst einmal soweit kommen wird, liest Christ auch aus der Beantwortung seiner Einfachen Anfrage «Fussgängerzone Zürcherstrasse». Dort heisst es:

«Der Stadtrat steht einer zeitlichen Ausdehnung in Richtung einer Fussgängerzone offen gegenüber, sofern dies von Seiten Bevölkerung und Gewerbe gewünscht ist.»

Bereits heute ist die Zürcherstrasse samstags und sonntags Fussgängerzone. Der Abschnitt zwischen katholischer Stadtkirche und Postkreisel ist für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Gastronomie profitiert von höheren Frequenzen

In der Vorstossbeantwortung zieht der Stadtrat ein positives Fazit zu den ersten vier Jahren Begegnungszone (nach einem Jahr Versuchsbetrieb).

«Die Frequenzen auf der Zürcherstrasse haben sich vor allem an den Samstagen erhöht, wobei der Vormittag besser frequentiert ist als der Nachmittag.»

Die Umsätze im Detailhandel seien höchstens leicht gesunken, was im allgemeinen Negativtrend als Erfolg zu werten sei. Die Gastronomie habe profitiert.

Freie Strasse eventuell im Richtungsentscheid-Paket

In der Freie Strasse gilt im Gegensatz zur Zürcherstrasse kein definitives Begegnungszone-Verkehrsregime, sondern lediglich ein Provisorium. Für ein Definitivum verlangt der Kanton bauliche Anpassungen, etwa die Anpassung der Niveauunterschiede. Wie der zuständige Stadtrat Andreas Elliker erklärt, ist die Umgestaltung der Freie Strasse ein Projekt aus dem Agglomerationsprogramm (AP) 2. «Für die Stadt geht es darum, die vom Bund bewilligten Massnahmen aus den AP 1 und 2 zu klären, um sie entsprechend der Bundesvorgabe bis 2027 umzusetzen.» Dafür brauche es einen Richtungsentscheid bis Ende 2021: eine Volksabstimmung. Konkret geht es um die Umsetzung eines Konzepts zu Infrastrukturmassnahmen und Temporegime in der Innenstadt. Ob diese Abstimmung die Freie Strasse beinhaltet, ist noch offen. Wäre dies der Fall, so würde man dem Gemeinderat, wie versprochen, noch eine Botschaft zur Freie Strasse vorlegen. Elliker gibt zu bedenken, dass jede Massnahme, die fremdfinanziert werde, die Stadt zwar entlaste. Zugleich steige aber auch die Abschreibungslast. (ma)

Anders Stokholm, Stadtpräsident.

Anders Stokholm, Stadtpräsident.

(Bild: PD)

Für den Stadtrat stehe die räumliche Erweiterung der Begegnungszone im Fokus, sagt Stadtpräsident Anders Stokholm auf Anfrage. Die Frage, ob eine zeitliche Ausdehnung ein breit gehegter Wunsch ist, soll in Mitwirkungsprozessen beantwortet werden. «Unsere Ansprechpartner in der Altstadt sind Grundeigentümer, Gewerbe, Detailhandel, Gastronomie und auch Anwohner.» Ein wichtiges Instrument für diese längerfristige Partizipation sei das mit dem «Café des Visions» bereits angelaufene Stadtlabor. Eine Basis könnten auch qualitative Befragungen darstellen.

«Wir arbeiten eng mit der IG Frauenfelder Innenstadt und mit dem Frauenfelder Gewerbeverein zusammen.»
Andreas Elliker, Stadtrat.

Andreas Elliker, Stadtrat.

(Bild: Andrea Stalder)

Die entsprechenden Mittel hat der Gemeinderat vergangenes Jahr im Rahmen der Botschaft «für einen Nettokredit von 470'000 Franken zur Attraktivierung und Entwicklung der Frauenfelder Innenstadt für vier Jahre (2019–2022)» bewilligt.

Christ hat sich vor allem über die positive Beurteilung des aktuellen Verkehrsregimes gefreut. «Ich werde oft von Frauenfelderinnen und Frauenfelder gefragt, wann endlich eine dauerhafte Fussgängerzone kommt.» Schon in der Bevölkerungsumfrage von 2013 sei das Flanieren in der Altstadt ein oft gehegter Wunsch gewesen. Negativ dagegen beurteilt er das weitere Vorgehen. Christ geht’s zu langsam vorwärts. Es gebe genügend Grundlagen, um sofort handeln zu können.

«Wir müssen nicht noch bis 2022 über eine Fussgängerzone diskutieren. Wir müssen sie jetzt einführen.»
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