Weniger Verschwendung von Frauenfelder Energie

Dank eines neuen Anschlusses versorgt die Kunsteisbahn die Schulanlage Auen in Frauenfeld bald mit Energie, die bisher grösstenteils verpuffte. Und die Stadt investiert in eine Studie für Verbesserungen rund um das Aussenfeld.

Samuel Koch
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Sie wappnen sich für die kommende Wintersaison in der Kunsteisbahn: die Eismeister Roman Wegmüller und Martin Wasserfallen, Amtsleiter Freizeitanlagen und Sport Fabrizio Hugentobler sowie Werner Meier, Leiter der Sportanlagen auf der Kleinen Allmend. (Bilder: Donato Caspari)

Sie wappnen sich für die kommende Wintersaison in der Kunsteisbahn: die Eismeister Roman Wegmüller und Martin Wasserfallen, Amtsleiter Freizeitanlagen und Sport Fabrizio Hugentobler sowie Werner Meier, Leiter der Sportanlagen auf der Kleinen Allmend. (Bilder: Donato Caspari)

Einen Ventilator benötigt es in der Kunsteisbahn nicht. Vor allem nicht während der derzeit hohen spätsommerlichen Temperaturen. Aktuell herrschen in der Eishalle rund 13 Grad, denn seit vergangenem Freitag sind die in Jacken gekleideten Eismeister Roman Wegmüller und Martin Wasserfallen mit der Eisproduktion für die kommende Saison beschäftigt. Übers Wochenende drückte das Kühlsystem zuerst die warmen Temperaturen in der Halle herunter. «Es war halt noch warm», sagt Wegmüller.

Seit Montag nun verteilen die Eismeister rund alle drei Stunden mit einer speziellen Sprühvorrichtung Wasser für eine optimale Eisfläche. «Weil wir das Wasser in die Höhe schiessen, drückt es beim Aufprall den Sauerstoff raus, womit wir eine kompakte und gute Eisschicht bekommen», erklärt Wegmüller. Für diese Arbeit befüllen die Eismeister auch den Schneetank mit Wasser, womit das Fassungsvermögen bei rund 3500 Liter liegt, wie Martin Wasserfallen informiert. «Das ist mehr als bei einem Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr», meint Fabrizio Hugentobler, Amtsleiter Freizeitanlagen und Sport, der als Kommandant gleichzeitig die Feuerwehr Frauenfeld leitet.

Ähnlich wie Bodenheizung, nur mit kaltem Ammoniak

Unter dem Boden der Eishalle verläuft ein Rohrsystem mit einer Länge von insgesamt rund 20 Kilometern, wie Sportanlagenleiter Werner Meier weiss. Das ist vergleichbar mit einer Bodenheizung, nur dass es mit über sechs Tonnen Ammoniak gekühlt wird. Nachdem die ersten Millimeter Eis gebildet waren, verlegten die Eismeister die Werbungen und überdeckten diese mit Wasser. Schliesslich gleiten die Kufen der Eishockeyspieler und Eiskunstläufer über eine rund 3,5 bis 4,5 Zentimeter dicke Eisschicht. «Das ergibt auf der Fläche von 30 mal 60 Meter etwa 70 Kubikmeter Eis», meint Wegmüller. Klar schnelle die Stromverbrauchskurve im August für die Eisproduktion jeweils in die Höhe. «Noch mehr Energie benötigen wir aber im Oktober für das Ausseneisfeld», meint Hugentobler. Die Anlage ist identisch mit derjenigen in der Halle. «Aber je nach Wetter und Temperaturen im Oktober variiert der Aufwand», sagt Eismeister Wegmüller. In Zahlen ausgedrückt verbraucht die Eishalle jährlich rund 147000 Kilowattstunden, im August und im September bei Inbetriebnahme resultiert ein Verbrauch von knapp einem Drittel davon.

«Bisher vernichteten wir noch vier Fünftel der Wärme, die aus dem Kälteprozess entstand.»
Fabrizio Hugentobler, Amtsleiter Freizeitanlagen und Sport
Eismeister Martin Wasserfallen verteilt dank eines speziellen Sprühsystems Wasser auf der noch dünnen Eisfläche.

Eismeister Martin Wasserfallen verteilt dank eines speziellen Sprühsystems Wasser auf der noch dünnen Eisfläche.

Die Abwärme verdampfte bisher grösstenteils über zwei Kühltürme neben der Eishalle. Ab dieser Saison speist sie einen Teil der Abwärme ins sogenannte Anergienetz, an welchem bisher auch die Turnfabrik oder der Schwingkeller angeschlossen sind. «Bisher vernichteten wir noch vier Fünftel der Wärme, die aus dem Kälteprozess entstand», sagt Hugentobler. Sobald die Millionen-Sanierung der Schulanlage Auen voraussichtlich im Herbst 2019 vollendet ist, wird auch die Schule von dieser Abwärme profitieren. Grund dafür ist die neue Leitung zur Schule östlich der Eishalle, die letzten Sommer verlegt worden war. Zudem sorgen Erdsonden bei der Turnfabrik und rund um die Schulanlage Auen dafür, dass überflüssige Energie stets vorhanden ist. «Dorthin wird auch die nicht benötigte Abwärme geleitet, damit das Erdreich in der Tiefe durch die Wärmeentnahme weniger auskühlt», sagt Hugentobler. Zudem können mit diesem System im Sommer auch die Schulhäuser gekühlt werden. Das Gesamtprojekt kostet die Stadt insgesamt rund 1,3 Millionen Franken.

Keine Konkurrenz zum Fernwärmering

Nebst den bestehenden Infrastrukturen werden auch das geplante Beachhouse oder andere Liegenschaften ans Abwärmenetz angeschlossen, allenfalls auch private. «Wichtig wäre, dass diese Liegenschaften Minergiestandard haben», meint Fabrizio Hugentobler. Eine Konkurrenz zum städtischen Fernwärmering sei das Energienetz nicht. «Wir fokussieren auf den Umkreis der Kleinen Allmend.» Um wie viel sich dadurch die Energieverschwendung verringert und ob die bestehenden Kühltürme dadurch überflüssig werden, würden Messungen zeigen.

Nebenbei hat die Stadt für 50000 Franken eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um die Situation um die Eishalle herum auf der Sportanlage Kleine Allmend zu verbessern und Bedarf aufzuzeigen. Denkbar sind etwa ein Dach über dem Aussenfeld, ein Abwärmeanschluss für die restlichen Gebäude oder für eine vom Leichtathletikclub Frauenfeld vorgeschlagene Indoor-Sprintbahn. Ziel sei es, die jeweils energetisch bestmögliche Lösung anzustreben, meint Hugentobler. Er weiss aber auch: «Je nach Wetterlage und Jahreszeit kann sich der Verbrauch und damit die Menge abschüssiger Energie verändern.»