Wenig Freude am Fahrplan zu Revitalisierung des Rheinufers bei Diessenhofen

Für die Diessenhofer CVP-Kantonsrätin Maja Bodenmann handelt der Thurgauer Regierungsrat bei der Sanierung des Rheinufers mutlos.

Stefan Hilzinger
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Das befestige Rheinufer oberhalb Diesenhofen. (Bild: Mathias Frei)

Das befestige Rheinufer oberhalb Diesenhofen. (Bild: Mathias Frei)

Etappieren ja, aber lieber anders: So reagiert die Diessenhofer CVP-Kantonsrätin Maja Bodenmann auf den Fahrplan des Thurgauer Regierungsrats bei der Sanierung des Rheinufers in Diessenhofen. Bodenmann hat mit ihrem Ratskollegen Toni Kappeler (Grüne) in einer Interpellation bei der Kantonsregierung einen Fragenkatalog zur Renaturierung von Fliessgewässern eingereicht.

Maja Bodenmann, CVP-Kantonsrrätin, Diessenhofen (Bild: Stefan Hilzinger

Maja Bodenmann, CVP-Kantonsrrätin, Diessenhofen (Bild: Stefan Hilzinger

Vor kurzem beantwortet der Regierungsrat die Fragen (unsere Zeitung berichtete). Die Antworten seien nicht immer ganz im Sinn der Interpellanten ausgefallen, wie Bodenmann nun in einer Stellungnahme schreibt. Als «sehr unbefriedigend» betrachtet sie die Priorisierung der einzelnen Abschnitte entlang der gut zwei Kilometer langen befestigten Mauer oberhalb Diessenhofen.

Bodenmann und mit ihr die Interessengemeinschaft Rheinuferaufwertung (Igra) sähen es lieber, wenn die Abschnitte «Rheinsäge» und «Bleichi» ebenfalls eine hohe Priorität genössen. Aus fachlicher Sicht sei die vom Kanton vorgesehene Priorisierung für uns unverständlich. In der Stellungnahme heisst es:

«Uns erscheint der vom Regierungsrat eingeschlagene Weg des politisch geringsten Widerstandes mutlos»

Das Potenzial einer Revitalisierung der zurückgestellten Abschnitte sei wesentlich höher als beim Abschnitt «Schupfen», der nun als erstes an die Hand genommen werden soll. «Wir finden, dass es keine weiteren Anschauungsbeispiele mehr braucht.» Es gäbe am Rhein schon genügend Referenzobjekte. Die Bedeutung der Revitalisierung der Bleichi/Rhiwiis (Abschnitt D5) würde es ausserdem rechtfertigen, zumindest erste Konzeptarbeiten vorzuziehen.

Unterschiedliche 
lokale Interessen

Der Igra, deren Mitglied Kantonsrätin Bodenmann ist, geht es mit der Revitalisierung des Rheinufers und dem Rückbau der gut zwei Kilometer langen Ufermauer zu wenig rasch vorwärts. Auf der anderen Seite wehrt sich die «Gruppierung für den Erhalt unserer Rheinlandschaft», dass die Mauer möglichst vollständig erhalten bleibt.

Die Gruppierung reichte dazu 2017 eine Petition ein. Sie sagt, dass die Mauer ein schützenswertes Kulturgut mit touristischer Bedeutung darstelle. Die Pontoniere etwa benutzen den Mauerweg fürs Treideln. Die Igra wiederum führt den ökologischen und landschaftlichen Mehrwert einer Renaturierung als Argument ins Felde.

Das Rheinufer zwischen Paradies und Wagenhausen ist Teil der total 189 Kilometern Fliessgewässer im Thurgau, deren Ufer in einen naturnahen Zustand zurückgeführt werden müssen. Bundesrecht verpflichtet den Kanton dazu. Die Frist beträgt 80 Jahre.

Schimpfis für den Kanton aus Diessenhofen

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Stefan Hilzinger