Weinfelder Pro-Ortsbus-Komitee findet, die Stadt ist reich genug für einen Bus

Die Nachfrage nach einem Ortsbus besteht und die Kosten seien nicht sehr hoch, sagen die Befürworter.

Sabrina Bächi
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Vertreter des Pro-Ortsbus-Komitees vor einem Bus, der bald durch Weinfelden fahren könnte.

Vertreter des Pro-Ortsbus-Komitees vor einem Bus, der bald durch Weinfelden fahren könnte. 

Bild: PD

Die Vertreter des Pro Komitee Ortsbus lassen eines nicht gelten: Der Bus kostet zu viel. Mit diesem Argument versuchen die Gegner ein Nein bei der Volksabstimmung über eine fünfjährige Testphase eines Ortsbusses zu erreichen. Analog zum Gegenkomitee hat sich nach der Parlamentssitzung zum Ortsbus auch ein Pro-Komitee zusammengeschlossen.

Rund 15 Personen aus CVP, J+A, EVP, GLP, GP und SP setzten sich für ein Ja an der Urne ein. Die Befürworter finden, Weinfelden ist vermögend genug, sich einen Bus leisten zu können. Eine Steuererhöhung wegen des Ortsbusses schliessen sie daher aus. «Zumal der Betrag auf die fünf Jahre aufgeteilt nur etwas über eine Million im Jahr ist», sagt Peter Fretz (GLP). Das, so Michael Zingg (EVP), sei in etwa der Gewinn, welchen die Stadt im Jahr ausweise.

Marcel Preiss (GLP) hat ausgerechnet, wie viel die Stadt in den kommenden fünf Jahren etwa für die Gütti ausgibt. «Das sind rund 10 Millionen und von der Gütti haben auch nicht alle einen Nutzen», sagt er. Doch nicht nur mit den Kosten wollen die Befürworter den Gegnern Wind aus den Segeln nehmen. Sie wollen auch mit Argumenten punkten wie etwa der Ökologie.

Der Bus soll den Verkehr entlasten

Die Stadt sollte als Vorbild den Bus anbieten im Kampf gegen den CO2-Ausstoss. «Wenn der Bus alle zwanzig Minuten fährt, wird er bestimmt rege von Weinfelder Pendlern genutzt», findet Martin Müller (GP). Das wäre gut für die Umwelt und würde die Veloständer am Bahnhof auch entlasten, sagt der Co-Präsident des Komitees. Die Strassen im Zentrum könnten so eine Verkehrsentlastung erfahren.

Co-Präsidentin Susanna Brüschweiler sagt zudem:

«Sicher ist Weinfelden kompakt und vieles ist gut zu Fuss zu erreichen, aber eben nur, wenn man gut zu Fuss ist.»

Sie habe speziell die Senioren im Auge, von denen sich viele seit längerem einen Ortsbus wünschten. Auch für Kinder, die den Ortsbus fürs Training in die Gütti nutzen könnten, wäre der Bus geeignet, sind die Befürworter überzeugt.

Doch was ist mit Alternativen? «Ehrlich gesagt habe ich Mühe damit, dass die Parlamentarier vom Gegenkomitee jetzt den Wunsch nach Alternativen äussern», sagt Marcel Preiss. Jahrelang hätten die Ortsbusgegner die Mehrheit im Parlament gehabt und es sei nie der Wunsch nach Alternativen wie dem subventionierten Taxi aufgekommen. «Das Konzept wurde zudem von einer breit abgestützten Kommission erstellt, es ist daher eine gute Sache und die goldene Mitte zwischen dem Nutzen und den Kosten», sagt Susanna Brüschweiler.

Subventionierte Taxis reichten nicht aus

Ein subventioniertes Taxi werde einer Stadt wie Weinfelden nicht gerecht. «Wenn drei Personen gleichzeitig auf den Zug müssen sind die Taxis bereits am Anschlag», sagt Alexandra Beck (CVP). Dass eine Nachfrage nach dem Bus besteht, sind sich die Befürworter sicher. Auch wenn Erhebungen zeigen, dass die Passagierzahlen der Postautonutzer in Weinfelden nicht hoch sind, müsse das nicht heissen, dass niemand den Ortsbus nutzen würde.

«Ich sehe es bei der Haltestelle beim Alterszentrum. Viele kommen nicht mit dem Postauto, weil es zu wenig oft fährt», sagt Alexandra Beck. Wie die Ortsbus-Gegner wollen die Befürworter auch nicht länger hypothetisch über den Nutzen eines Ortsbusses reden. Daher sei die Versuchsphase so wichtig.

«Fünf Jahre sind lange genug, damit man die Fahrgastzahlen auswerten kann und danach weiss, ob es funktioniert», sagt Michael Zingg. «Wir erwarten natürlich, dass es eine saubere Evaluation gibt und dass aufgrund der Erkenntnisse Anpassungen gemacht werden», sagt Susanna Brüschweiler.

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