Weinfelder Drogist warnt vor zu hohem Sonnenschutzfaktor

Die Sonne geniessen, ohne die Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Wie das geht, erklärt Drogist Dominik Engeli.

Svenja Rimle
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Die Hochsommer-Sonne sollte man nur massvoll geniessen. (Bild: Walter Bieri)

Die Hochsommer-Sonne sollte man nur massvoll geniessen. (Bild: Walter Bieri)

Der Sommer ist zurück und lässt die Schweizer schwitzen. Wer sich am Sonnenbad erfreuen möchte, ohne Risiken einzugehen, muss einiges beachten. Dominik Engeli, Drogist der Aemisegger-Apotheke in Weinfelden, plädiert für einen moderaten Sonnen-Konsum.

Dominik Engeli, seit Beginn der Vermarktung von Sonnenschutzmitteln steigt die Hautkrebsrate. Wie können Sie sich das erklären?

Dominik Egli: Das kann verschiedene Gründe haben. Durch die Verwendung von Sonnenschutz mit hohem Faktor wägen sich viele Leute in Sicherheit und liegen sehr lange an die Sonne. Das ist dann natürlich irgendwann trotzdem gefährlich. Die Leute sind, im Vergleich zu früher, auch viel anfälliger für Krebs geworden. Ausserdem haben wir heute mehr Hautärzte, was dazu führt, dass wir auch schneller einen Hautarzt aufsuchen, die dann den Hautkrebs diagnostizieren können.

Was ist für die Gesundheit das kleinere Übel: ein Sonnenbrand oder die Verwendung von Sonnenschutz mit sehr hohem Schutzfaktor?

Der Körper merkt sich jeden einzelnen Sonnenbrand. Die Struktur der Haut verändert sich und das Immunsystem wird geschwächt. Die langfristigen Auswirkungen von Sonnenschutzmitteln mit hohem Schutzfaktor sind hingegen noch nicht bekannt. Wir wissen aber, dass der Körper das wichtige Vitamin D nicht mehr optimal produzieren kann, wenn solche Sonnenschutzmittel verwendet werden. Das kann auf Dauer zu einem Mangel führen. Trotzdem ist die Verwendung von Sonnenschutz mit hohem Faktor für die Gesundheit auf jeden Fall das kleinere Übel.

Drogist Dominik Engeli (Bild: PD)

Drogist Dominik Engeli (Bild: PD)

Warum ist das Vitamin D für den Menschen so wichtig?

Das Vitamin D hat unter den Vitaminen einen Sonderstatus. Es ist das einzige Vitamin, das der Körper selbst herstellen kann. Dazu benötigt er das UV-Licht der Sonne. Das Vitamin D unterstützt den Knochenstoffwechsel, denn es baut Kalzium in unsere Knochen ein. Ausserdem stärkt es das Immunsystem und sorgt für ein gesundes Zellwachstum.

Gibt es Alternativen, wie wir Vitamin D aufnehmen können?

Auch über die Ernährung haben wir die Möglichkeit, an Vitamin D zu kommen. Zu den Vitamin D-haltigen Nahrungsmitteln gehören zum Beispiel Käse, Lebertran, Eier und auch Fisch. Beim Vitamin D-Stoffwechsel spielt unsere Leber eine wichtige Rolle. Wir können sie mit Hilfe von pflanzlichen Bitterstoffen stärken. Zudem helfen regelmässige Bewegung, ballaststoffreiche, aber fett-und cholesterinarme Kost und der Verzicht auf Alkohol, die Leber intakt zu halten.

Wie verbreitet ist der Vitamin D-Mangel?

Durch meine Erfahrungen als Drogist sehe ich, dass viele Leute zusätzlich Vitamin D einnehmen müssen. Hier in der Schweiz ist die Sonne über das ganze Jahr gesehen nicht so intensiv wie in anderen Ländern. Zudem sorgen die vielen Büro-Jobs für einen Mangel an frischer Luft. Im Sommer nehmen die Leute oft genug Vitamin D auf. Die sonnenärmere Winterzeit in der Schweiz hat zur Folge, dass viele Leute zu wenig Vitamin D selber bilden und deshalb eine Supplementierung mit Vitamin D-Produkten sinnvoll ist.

Welchen Sonnenschutz-Faktor empfehlen Sie?

Im Februar und im März ist das Sonnenbaden im «Unterland» ohne Schutz noch möglich. In den Bergen sollte auf alle Fälle zu jeder Saison Sonnenschutz angewendet werden. Ansonsten kommt es ganz auf den Hauttyp an. Heutzutage verwenden viele Menschen Sonnenschutz, ohne darauf zu achten, welchem Hauttyp sie entsprechen. Dabei braucht nicht jeder einen Sonnenschutz mit Faktor 50+. Deshalb lässt man sich am besten in der Apotheke oder Drogerie beraten.

Wie können wir die Sonne geniessen, ohne dabei unserer Gesundheit zu schaden?

Es ist so, dass die Haut bei Sonneneinstrahlung das Bräunungspigment Melanin bildet. Dieses wirkt wie ein natürlicher Sonnenschirm und erhöht so den Eigenschutz der Haut. Es ist also von Vorteil, bereits im Frühling, wenn die UV-Strahlung noch nicht so stark ist, die Sonne zu geniessen. Eine weitere Möglichkeit bietet ein Sonnenbad in einem guten Solarium.

Ist der Gang ins Solarium nicht eher schädlich für die Gesundheit?

Das kann man so nicht sagen. Man muss natürlich auf die Qualität des Solariums achten. Es müssen sogenannte UVA-Lampen verwendet werden, anstatt UVB-Lampen. Natürlich sollte man, wie bei vielen Dingen im Leben, auch hier massvoll sein. Ich empfehle, das Solarium nicht täglich aufzusuchen, ein Mal pro Woche reicht. Kurze Besuche von 10-15 Minuten sind besser als längere. Ein Solarium ist generell nichts Schlechtes.

Sie raten zu einem intervallmässigen Sonnenbaden. 20 Minuten Sonne, 20 Minuten Schatten, 20 Minuten Sonne, 20 Minuten Schatten, usw. Warum ist dieses Vorgehen von Vorteil?

Man gibt damit der Haut die Möglichkeit, sich zwischenzeitlich zu erholen. Sie kann sich dadurch in vernünftigen Zeitfenstern an die Sonneneinstrahlung gewöhnen, beruhigt sich aber anschliessend direkt wieder. Dadurch können wir Entzündungen vermeiden und das Immunsystem entlasten.

Wie sollten Menschen mit sehr heller Haut vorgehen, um einen Sonnenbrand zu vermeiden?

Diesen Personen empfehle ich, sich nicht aktiv über längere Zeit in der prallen «Sommersonne» aufzuhalten. Sie sollten auch auf die Kleidung achten. Langärmlige Kleidung und ein Hut sind empfehlenswert. Die Sonne sollten Menschen mit empfindlicher Haut eher im Frühling geniessen. Auch hier kann das Solarium eine Option sein, um einen Schutz aufzubauen. Aber wie gesagt: nicht übertreiben.