Weinfelden
Kirchbürger bleiben beim Alten: Der Altar steht auch künftig im Chorraum

An der Versammlung der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden entschieden die 113 anwesenden Kirchbürgerinnen und Kirchbürger über grosse Investitionen zur Restaurierung und Neugestaltung ihrer Kirche. Bei einem Punkt jedoch beliessen sie es so, wie es schon immer ist: Der Altar soll auch künftig in der Regel im Chorraum stehen und damit die Eucharistie für alle gut sichtbar sein.

Sabrina Bächi
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Der Altar soll auch künftig im Chorraum stehen, damit die Sichtbarkeit während der Eucharistiefeier gewährt ist.

Der Altar soll auch künftig im Chorraum stehen, damit die Sichtbarkeit während der Eucharistiefeier gewährt ist.

Bild: PD

Als Gemeindeleiter Armin Ruf auf die Versammlung der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden einstimmt, verwandelt er den Bier-Werbeslogan «Dem Guten treu» in eine christliche Botschaft und nutzt ihn als Leitfaden für die Abstimmungen an diesem Abend. In Anlehnung an die Entscheidung über den künftigen Altarstandort in der Kirche, sagt Ruf, dass schliesslich jede Bürgerin und jeder Bürger für sich entscheiden müsse, welche Variante für sie oder ihn gut sei und welcher Variante und Entscheidung sie oder er nun treu sein wolle.

Damit spricht er das Thema an, welches am Montagabend unter den 113 anwesenden Kirchbürgerinnen und Kirchbürgern am meisten zu diskutieren gibt: der Altarstandort. Zwei Varianten kommen zur Abstimmung. Die Variante «Nähe», mit dem Altar in der Regel im Kirchenschiff oder die Variante «Sichtbarkeit», mit dem Altar wie bis anhin etwas erhöht im Chorraum. Einige Votanten sprechen sich für die «Nähe» aus, weil das Göttliche in «unser aller Mitte ist».

Zudem trage diese Variante den unterschiedlichen Formen der heutigen Gottesdienste Rechnung, sagt jemand anderes. Auch vom Tisch als Herzstück in der Mitte eines Raumes, wie ein Küchentisch etwa, solle doch auch der Altar mitten in der Gemeinschaft stehen, heisst es von einer Votantin.

Die Variante «Sichtbarkeit» gewinnt

Auch eher unentschlossener Voten sind zu hören. Die jedoch vor allem betonen, dass man sich mit beiden Varianten nichts verbauen würde. Man sei entsprechend in einer sehr komfortablen Situation und könne auch in ein paar Jahren noch einmal umentscheiden, wo denn der Altar in der Regel stehen soll.

Doch andere plädierten klar für die bisherige Variante mit dem Altar leicht erhöht im Chorraum. «Ich denke, man kann so einfach besser sehen, was bei der Eucharistie passiert», sagt ein Votant. Der Spiritualität tue es keinen Abbruch, wo sich der Altar befindet, sagen einige. Am Ende fiel das Resultat klar aus: 65 Stimmbürger wählen die Variante «Sichtbarkeit». 45 hätten den Altar lieber im Kirchenschiff, näher bei den Feiernden gehabt.

«Ich bin froh, dass das Resultat so deutlich ausgefallen ist, auch wenn ich lieber die andere Variante gehabt hätte», sagt Gemeindeleiter Armin Ruf am Ende. Und Mathäus Varughese, der katholische Priester der Gemeinde, sagt abschliessend: «Obwohl Armin und ich unterschiedlicher Meinung waren, hatte er immer ein offenes Herz für meine Meinung. Das Resultat der Abstimmung steht nun. Ich bitte Sie, diese Entscheidung mit einem offenen Herzen zu akzeptieren.»

Über zwei Millionen an Krediten gesprochen

Die beiden anderen Abstimmungen beziehen sich auf die Restaurierung sowie die Neugestaltung des Innenraums der Kirche. 1,55 Millionen Franken beträgt der Kredit für die Restaurierung. Nach ausführlicher Information durch die Kirchenvorsteherschaft bezüglich Finanzierung und Ausführung schreitet der Souverän zur Abstimmung: 106 Personen sagen Ja, 7 schreiben ein Nein auf den gelben Abstimmungszettel.

Zum Kredit von 790'000 Franken für die Neugestaltung übergibt Kirchenpräsident Roger Häfner-Neubauer das Wort an Frédéric Dedelley, den Künstler, der die neuen Elemente in der Kirche fertigt. «Das Fazit nach der Diskussion um den Altarstandort ist für mich klar, dass wir schnell eine sehr leichte und transportable Lösung für den Altar entwickeln», sagt Dedelley lächelnd.

Dann zeigt er, dass die Elemente wie Taufbecken, Altar oder Ambo mit hellem Holz und rot-weissem Marmor gestaltet werden. Der in der vorgängigen Diskussion farblich bemängelte Teppich gilt für den Künstler als eine Art Leitfaden für die Gestaltung. Der mauvefarbene Untergrund greift stilistisch den in der Kirche vorhandenen Marmor auf und grenzt das Handlungsfeld etwa der Eucharistie rund um den Altar ab.

Technische Details werden erläutert

Martin Beck, Leiter der Baukommission, gibt wie bereits bei der Restaurierung Einblick in die Umsetzung der technischen Details und nachdem keine Fragen mehr vorhanden sind, zücken die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den blauen Zettel und notieren, ob sie der Neugestaltung zustimmen wollen oder eben nicht.

Sie wollen – und das deutlich. 97 der 113 Anwesenden sagen Ja zum Kredit über 790'000 Franken. 13 sagen Nein, zwei Enthaltungen und eine ungültige Stimme komplettieren die Auswertung.

Nach der offenen Abstimmung zur Auflösung des Kapellenbaufonds schliesst Roger Häfner eine diskussionsreiche Versammlung um 22.30 Uhr und entlässt die Anwesenden mit dem Dank für die Mitwirkung und der Mahnung, sich weiterhin an die Schutzbestimmungen zu halten, auf den Heimweg.

Auflösung des Fonds

In Märstetten wird keine Kapelle gebaut

Katholisch Märstetten legte 1957 einen Fonds für einen Kapellenbau an und äufnete diesen mit Steuern und Opfergeldern. Auch das Land für den Bau ist schon in Besitz der Gemeinde. Doch dieses Vorhaben ist seit Jahrzehnten aus dem Fokus gerückt und heute feiern die Märstetter in der Weinfelder Kirche St.Johannes ihre Gottesdienste. Mit einer Gegenstimme lösen die Anwesenden am Montagabend den Fonds mit über 107'000 Franken auf und führen das Geld der Neugestaltung der Kirche zu. (sba)