Weil Autoposern die Bestätigung fehlt, heulen an der Frauenfelder Deppenfalle-Unterführung Motoren und flattern Tachos

Da die Strassen pandemiebedingt leerer geworden sind, fällt nun umso mehr auf, dass Fahrzeuglenker die SBB-Unterführung Rheinstrasse in Frauenfeld zu laut und zu schnell passieren.

Mathias Frei
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Die SBB-Unterführung Rheinstrasse in Frauenfeld, Blick Richtung Schaffhauserplatz.

Die SBB-Unterführung Rheinstrasse in Frauenfeld, Blick Richtung Schaffhauserplatz.

Bild: Mathias Frei

Psychische Gesundheit ist ein Gut, dem Sorge getragen werden sollte – gerade in Zeiten von pandemiebedingtem Social Dista... Wrooooom. Und noch einmal: Wrooooom. Sonntagnachmittag. Zwei Fahrzeuglenker in hochmotorisierten Karossen fahren offensichtlich ein imaginäres Rennen um Bestätigung in Job und Beziehung. Sie sind nicht die ersten an diesem Tag, die Angst haben. Angst, nicht im Rahmen der angezeigten Tempolimite die Rheinstrasse hinaufzukommen. Deshalb beschleunigen sie kurz vor der SBB-Unterführung Rheinstrasse, der sogenannten Deppenfalle, auf dass der Motor laut aufheulen möge.

Wrooooom: So tönt es dann.

Dass vor beiden Seiten der Abfahrt der Unterführung eine Tempo-30-Tafel steht, interessiert die Bestätigung suchenden Autoposer nicht. Sie suchen das Publikum und dessen Applaus. Aber es gibt kein Publikum, geschweige denn Applaus. Die Autoposer sind ganz allein auf der Strasse. Und das macht sie noch trauriger, als sie sowieso schon sind.

Psychische Gesundheit ist ein wertvolles Gut.

Tempo 30 gilt bei der Deppenfalle seit vergangenem Jahr. Denn wenn man hier langsamer fährt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, die Höhenbegrenzung nicht zu verschlafen. Gelingt aber nicht allen. Auch unbefriedigte Autoposer gab es hier schon immer. Aber seit die Strassen am Wochenende so leer geworden sind, fallen die infantil geprägten Fahrzeuglenker umso mehr auf. Wer – wie ich – an der Rheinstrasse wohnt, hat dadurch kein schlechteres Leben. Aber es irritiert einen einfach, und man stellt sich auch sofort die Schuldfrage.

Liegt es an den Eltern der Betroffenen, an Rauschgiftmissbrauch? Oder trägt vielmehr die Gesellschaft die Hauptschuld?

Wie Michael Roth vom Mediendienst der Kantonspolizei Thurgau erklärt, gilt die SBB-Unterführung Rheinstrasse nicht als Hotspot für zu laute und zu schnelle Autoposer. «Aber natürlich finden auch an dieser Örtlichkeit Verkehrsüberwachungen und Kontrollen statt.»

Kapo-Kontrollen zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten

Allgemein führe man Kontrollen «zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten im ganzen Kantonsgebiet durch», erklärt Kapo-Mediensprecher Roth. Fehlbare Fahrzeuglenker würden denn auch bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht. Bei der Kapo kann man sich das Fahrverhalten etwa bei der Deppenfalle folgendermassen erklären:

«Die besondere Akustik in Tunnel und Unterführungen verleitet einige Verkehrsteilnehmer dazu, die Lärmemissionen des eigenen Fahrzeugs auszureizen.»

Nebst der Suche nach Bestätigung geht es also auch um Grenzerfahrungen. So oder so stellt sich die Frage: Wie kann die psychische Gesundheit der Betroffenen verbessert werden? Medikamentös oder psychotherapeutisch? Oder indem die Kapo einen fixen Blitzer in der Deppenfalle installiert? Vielleicht lösen das Föteli der Radarmessung und die Busse für die Geschwindigkeitsübertretung ja etwas aus?

Kapo-Mediensprecher Roth aber sagt: «Laut bedeutet nicht immer, dass Fahrzeuge gleichzeitig zu schnell unterwegs sind.» Ziel der Kantonspolizei Thurgau sei es, die Motorfahrzeuge anzuhalten und auf ihren technischen Zustand zu überprüfen. Zum einen könnten die Fahrzeuge sofort beanstandet werden, und zum anderen könnten die Lenker mit ihrem Verhalten konfrontiert werden. Konfrontationstherapie also ist die erste Wahl. Dieses Mittel bietet sich im Besonderen bei klar strukturierten Phobien an. Das grundlegende Prinzip hierbei ist die Konfrontation mit angstauslösenden Reizen – im Falle von Autoposern wären das dann wohl Polizeikontrollen.

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