Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Weggeld für Wandergesellen: Alle ausser Romanshorn können es sich leisten

Die Stadt Romanshorn hatte das Weggeld für Zimmerleute auf der Walz aufgrund von Sparmassnahmen gestrichen. Nun ist ein Fonds geplant. Andere Städte und grössere Gemeinden im Thurgau zahlen den Handwerkern auf der Walz immer noch etwas.
Dinah Hauser
Die traditionelle Kluft gehört zur Walz. (Bild: PD)

Die traditionelle Kluft gehört zur Walz. (Bild: PD)

«Ich finde es schon ein wenig erbärmlich, dass eine Stadt wie Romanshorn das Weggeld für Zimmerleute auf der Walz streicht», sagt Roman Vollenweider, Sektionspräsident Thurgau von «Holzbau Schweiz». Nach seiner Ansicht könnte man an anderen Stellen sicherlich mehr einsparen. Private haben auf den Entscheid reagiert und einen Fonds initiiert, damit das Weggeld von 20 Franken ab dem kommenden Jahr wieder ausbezahlt werden kann.

Laut dem Stadtpräsidenten von Romanshorn, David H. Bon, unterzieht sich die Hafenstadt seit 2016 einem Programm zur Sicherung des Haushaltgleichgewichts. «Wichtig war, dass wir nicht nur ein einem Ort sparten; also in einem ersten Schritt möglichst alle etwas, dafür möglichst wenig beitragen müssen», sagt Bon. Die Gemeindeversammlung hatte vor einem Jahr dann den Sparauftrag verschärft, weswegen das Weggeld gestrichen wurde. Bon sagt:

«Weh tun solche Entscheidungen immer allen; denen die entscheiden, und denen die weniger kriegen.»

Die Reaktionen der Bevölkerung seien durchmischt gewesen. «Es gibt durchaus auch Bürger, welche die Sparbemühungen der Stadt verstehen», sagt Bon. «Kritiker gibt es, die zeigen ja auch ein grosses Herz gegenüber den Gesellen, was ich verstehe und schön finde.» Seit das Weggeld nicht mehr bezahlt wird, seien die Gesellen auch nicht mehr eingekehrt.

Steinmetze in Bischofszell

Bei anderen Städten und grösseren Gemeinden im Kanton Thurgau steht das Weggeld aus dem öffentlichen Budget derzeit nicht zur Debatte. Die angefragten Gemeinden geben den Wandergesellen zwischen 10 und 30 Franken mit auf den Weg (siehe Karte). Voraussetzung dafür ist, dass diese in Tracht kommen, ihr Wanderbuch vorlegen und den Gruss vortragen. Kreuzlingen legt dem Batzen noch eine Schokolade von Bernrain aus lokaler Produktion bei. Bereits 27 Gesellen kamen diese Jahr in den Genuss einer solchen.

Die Walz beschränkt sich nicht nur auf Holzberufe. Auch andere Handwerksberufe kennen die Wanderschaft. In Bischofszell verzeichnet man beispielsweise den ein oder anderen Steinmetz. Hier erhält der Vorsprechende am meisten von den angefragten Gemeinden. In der Regel kommen jährlich etwa 15 bis 20 Wandergesellen vorbei.

Wie viele Schweizer Handwerker auf der Walz sind, darüber herrscht in der Branche Uneinigkeit. Die Wandergesellen müssen sich nirgends melden, daher kann ihre Zahl nur grob geschätzt werden. Der Verband Holzbau Schweiz geht von 10 bis 20 nationalen Gesellen im In- und Ausland aus. Im deutschsprachigen Raum seien es ungefähr 200. Von einem Fall wie der in Romanshorn hört der Verband zum ersten Mal.

Die Walz ist eine Tradition

Die Walz wird in der Regel direkt nach Lehrabschluss angetreten. «Man sammelt so Erfahrung bei Meisterbetrieben für die Meisterschule», sagt Roman Vollenweider, Sektionspräsident Thurgau vom Dachverband Holzbau Schweiz. Heute verbindet man die Walz aber zugleich auch mit einer Weltreise, wie er sagt. «Grundsätzlich laufen die Gesellen. Oder sie machen Autostopp.» ÖV gelte als verpönt.

Für einen Betrieb sei es eine Ehrensache, einen Wandergesellen zu beschäftigen. Er wird für seine Arbeit entlohnt. «Falls nicht genügend Arbeit vorhanden ist, gibt man ihm Kost und Logis oder Weggeld», sagt Vollenweider. Der Auftritt in der Öffentlichkeit erfolgt immer in der schwarzen Kluft mit Hut und Stock und Charlottenburger. Die sechs Knöpfe an der Jacke stehen für sechs Tage Arbeit. Die acht Knöpfe am West für acht Stunden pro Tag und die drei Knöpfe am Jackenärmel für drei Jahre Lehre und drei Jahre Wanderschaft. (dh)

Gemeinden schätzen die Tradition

René Walther, Gemeindepräsident von Münsterlingen, bezeichnet die Walz als eine schöne Tradition. «Ich finde es gut, wenn sie im Gewerbe gepflegt wird.» Auch Sirnach möchten «den schönen Brauch am Leben erhalten». Der Gemeindepräsident Kurt Baumann sagt:

«Das Weggeld ist eine schöne Geste, die geschätzt wird.»

Auch Diessenhofen heisst die Gesellen willkommen. Stadtpräsident Markus Birk sagt: «Ich schätze diese Tradition sehr und freue mich immer wieder auch auf kurzen Unterhaltungen mit den Wandersleuten über Herkunft, wie sie hierher gefunden haben und wo sie der Weg noch hinführen möchte.»

Das Klosterdorf Fischingen kann sich das Weggeld auch noch leisten. Jeder vorsprechende Geselle erhält 20 Franken. Für eine Gruppe ab drei Personen gibt es pauschal 50 Franken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.