Wegen versuchter Schändung verurteilt:
Ein Open-Air-Besucher wehrt sich vor dem Thurgauer Obergericht

Ein 24-jähriger Elektriker wehrt sich vor dem Thurgauer Obergericht gegen eine Verurteilung wegen versuchter Schändung.

Thomas Wunderlin
Drucken
Teilen
Aufgeheizte Stimmung am Open Air Frauenfeld.

Aufgeheizte Stimmung am Open Air Frauenfeld.

Andrea Stalder

Vor dem Obergericht ist der 24-jährige Schweizer allein, was sein Verteidiger ausnützt. Vor dem Bezirksgericht Frauenfeld stand der Schweizer noch zusammen mit einem 25-jährigen Iraker. Dieser hat den Schuldspruch des Bezirksgerichts wegen Schändung akzeptiert. Im Plädoyer des amtlichen Verteidigers erhält er nun die Rolle des Alleintäters.

Mit der Freundin am Open Air zerstritten

Der Schweizer und der Iraker, die beide im selben Winterthurer Betrieb eine Elektrikerlehre absolvierten, zelteten am Open Air Frauenfeld 2015 zusammen. Sie feierten mit weiteren Bekannten, darunter einer Türkin, die eine heute 26-jährige Kosovarin mitbrachte.

Die beiden Frauen gerieten jedoch am ersten Abend in Streit. Die Kosovarin verliess vorübergehend das Fest. Am nächsten Abend war sie zurück und dröhnte sich mit Alkohol, Joints und Ecstasy zu. Als sie sich im Morgengrauen neben den Schweizer ins Zelt legte, folgte ihr der Iraker und machte sich an ihr zu schaffen. Sie wollte aber nichts von ihm wissen. Als sie gegen 6 Uhr eingeschlafen war, steckte er ihr einen Finger in die Vagina.

Der Schweizer zog indes seine Hose aus und führte die Hand der Kosovarin an sein Glied. Auch soll er damit ihr Gesicht berührt haben. Das Bezirksgericht sprach ihn wegen versuchter Schändung schuldig. Vor Obergericht verlangt er einen Freispruch; das Urteil wird schriftlich eröffnet. Während der Zeugenaussage der Kosovarin müssen der Berufungskläger und der Gerichtsberichterstatter den Saal verlassen.

Den Iraker angeschrien und weggestossen

Zwischen seinem Mandanten und der Kosovarin sei alles einvernehmlich geschehen, sagt der Verteidiger. Die Kosovarin habe den Abend mit dem Schweizer verbracht, und sie hätten sich geküsst. Im Zelt habe der Iraker gestört. Die Kosovarin habe den Iraker weggestossen und sich dem Schweizer zugewendet. Sie habe ihn gewähren lassen.

Was sein Mandant getan habe, sei ein normales Verhalten: «Man versucht, wie weit man gehen kann und hört dann auf.» Dass sie nichts davon mitbekommen habe, ist gemäss der Darstellung des Verteidigers fraglich. Schliesslich habe sie den Iraker zuvor angeschrien und weggestossen.

Im Lauf der Untersuchung habe die Kosovarin ihre Vorwürfe immer mehr verschärft. «Heute habe ich zum ersten Mal gehört, dass sie sich gegen beide Männer gewehrt habe.»

«Heute haben wir die vierte Version
gehört.»

Laut Verteidiger hat die Kosovarin nur von ihrer Schändung erfahren, weil der Schweizer mit seiner Tat geprahlt hatte. Die Türkin, die sich mit der Kosovarin verkracht hatte, stellte daraufhin die Kosovarin auf Facebook als Hure hin, was sich keine Frau gefallen lassen wolle. Die Kosovarin habe daraufhin Anzeige erstattet.

Mehr zum Thema