Wegen Umstrukturierung von Agroscope: Der Thurgauer Standort Tänikon verliert 34 Arbeitsplätze an die Westschweiz

Der Bundesrat hat das Konzept zur Zukunft von Agroscope veröffentlicht. Regierungsrat Schönholzer sagt: «Nur in Jubel ausbrechen können wir nicht.» Erfreulich ist jedoch: Es gibt eine neue Versuchsregion Thurgau/Schaffhausen.

Larissa Flammer
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Der Vorteil von Tänikon: Hier wird zum wichtigen Thema «Digitalisierung» geforscht.

Der Vorteil von Tänikon: Hier wird zum wichtigen Thema «Digitalisierung» geforscht.

Bild: Gaetan Bally/Keystone

Der Widerstand des Kantons Thurgau hat sich gelohnt. «Im Vergleich zu dem, was der Bundesrat ursprünglich vorhatte, ist das ein schöner Erfolg», sagt der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer. Er hat sich zusammen mit anderen Ostschweizer Vertretern an vorderster Front gegen die Zentralisierung von Agroscope gewehrt.

Standorte des Kompetenzzentrums der Schweiz für landwirtschaftliche Forschung sind bisher im ganzen Land verteilt. Ursprünglich wollte der Bundesrat diese alle im freiburgischen Posieux konzentrieren. Am Freitag hat er das Detailkonzept und den Umsetzungsplan zur Standortstrategie Agroscope verabschiedet. Darin verankert ist die Versuchsstation in Tänikon, von der schon länger bekannt ist, dass sie in einer Form bestehen bleibt.

Regierungsrat Walter Schönholzer.

Regierungsrat Walter Schönholzer.

Bild: Reto Martin

Tänikon widmet sich zusammen mit der dort angesiedelten Swiss Future Farm dem Thema Digitalisierung. Allerdings zügelt der Bund in einem Zeithorizont von zehn Jahren 34 Arbeitsplätze von Tänikon nach Poiseux ab. Das bedauert Schönholzer:

«Ich bin sehr kritisch, dass 34 Mitarbeiter den Umzug über die Sprachgrenze mitmachen. Dies führt zu einem Know-how-Verlust.»

Zu den 25 bis 35 Arbeitsplätzen, die der Bund längerfristig in Tänikon halten will, kommen die Angestellten des Kantons und der Partner, die an der Swiss Future Farm beteiligt sind. Hätte der Kanton Thurgau vor einigen Jahren nicht den Betrieb in Tänikon übernommen und die Swiss Future Farm aufgebaut, gäbe es dort wohl künftig keinen Agroscope-Standort, ist Schönholzer überzeugt. «Wir waren der Zeit voraus», sagt er auch mit Blick auf das in Tänikon zentrale und zukunftsträchtige Thema: die Digitalisierung.

Auch der Betrieb in Güttingen bleibt erhalten

Überraschend hat der Bundesrat am Freitag zudem bekannt gegeben, dass es im Thurgau eine zweite Versuchsstation geben wird: die «Anwendungsregion smarte Technologien», die sich über den Thurgau und Schaffhausen erstreckt. Diese Versuchsstation fokussiert sich auf den Test von neuen Technologien unter Praxisbedingungen. Die beiden Standortkantone stellen das Betriebsnetz bereit und betreuen die Betriebe. Agroscope übernimmt die wissenschaftliche Begleitung und die Optimierung der Anwendungen und Technologien.

Regierungsrat Schönholzer betont: «Auch der Versuchsbetrieb in Güttingen bleibt bestehen.» Dieser ist wie der Standort Tänikon in das neue Kompetenzzentrum Obst- und Beerenbau eingebunden.

Eine Obstplantagen beim Schul- und Versuchsbetrieb Obst- und Beerrenbau in Güttingen.

Eine Obstplantagen beim Schul- und Versuchsbetrieb Obst- und Beerrenbau in Güttingen.

Bild: Ralph Ribi

Neben dem zentralen Hauptstandort Poiseux gibt es neu zwei Forschungszentren: in Reckenholz und Changins. Durch das Zentrum im zürcherischen Reckenholz und die Versuchsbetriebe Tänikon und Wädenswil (ZH) sei die Region Nordostschweiz doch immer noch relativ stark vertreten, freut sich Schönholzer.

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