Wegen «sehr willkürlichem» Umgang mit sozialen Medien in Frauenfeld reicht Gemeinderat einen Vorstoss ein

Ralf Frei, SP-Gemeinderat in Frauenfeld fragt sich, auf welchen Grundlagen der städtische Auftritt auf Internetplattformen basiert.

Samuel Koch
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Heutzutage tummeln sich fast alle auf Social-Media-Plattformen wie Twitter oder Facebook.

Heutzutage tummeln sich fast alle auf Social-Media-Plattformen wie Twitter oder Facebook.

Bild: PD/Carmen Epp

Soziale Medien gehören längst in die Werkzeugkiste jedes Politikers. Auch deshalb hat SP-Gemeinderat Ralf Frei an der vergangenen Gemeinderatssitzung eine Einfache Anfrage mit dem Titel «Reputationsmanagement auf Social Media» eingereicht. Wie Frei ausführt, nutzt die Stadt Frauenfeld die Plattformen in den sozialen Medien «gegenwärtig in vergleichsweise geringem Aufwand». Primär publiziert sie die ohnehin produzierten Mitteilungen in Form einer Einwegkommunikation, jeweils zugeschnitten auf die Plattform.

Reaktionen kommen von persönlichen Profilen

Ralf Frei, Vorstösser, Gemeinderat SP

Ralf Frei, Vorstösser, Gemeinderat SP

Bild: PD

Interaktiv in der Kommentarspalte agieren die zuständigen Mitarbeiter vom Stadtprofil aus nur wenig, auch wenn Kommentare laut Frei fragender oder kritisierender Natur sind.

«Reaktionen kommen aber immer wieder von einzelnen Stadtratsmitgliedern und zwar von ihrem persönlichen Account.»

Für Frei als Paradebeispiel dient der Beitrag vom diesjährigen Neujahrsempfang, versehen mit einem falschen Datum. Reagiert auf die Fragen der User hat schliesslich Stadtpräsident Anders Stokholm mit seinem persönlichen Profil.

In anderen Fällen wiederum würden andere Stadtratsmitglieder oder Verwaltungsmitarbeitende von ihrem persönlichen Profil aus reagieren. «Ein weiterer Teil der Fragen bleibt häufig unbeantwortet», schreibt Frei. Dementsprechend laufen User mit ihren gestellten und unbeantworteten Fragen ins Leere. Für Frei wirkt der städtische Umgang mit Social Media «sehr willkürlich». Zudem erinnert er an mögliche Shitstorms, «welche die öffentliche Meinung gegenüber der Stadt dominieren».

Aufregung gab es kürzlich bei der Diskussion um die Absperrgitter, die wegen des pandemiebedingt ausgedehnten Wochenmarktes während Wochen dauerhaft 39Parkplätze bei der Promenade versperrten. Zunächst kommentierte Stadtpräsident Stokholm fleissig mit. Danach stiess er mit einem neuen Post eine weitere Diskussion an.

Screenshot vom Facebook-Post von Stadtpräsident Anders Stokholm zum Thema Absperrgitter.

Screenshot vom Facebook-Post von Stadtpräsident Anders Stokholm zum Thema Absperrgitter.

Bild: PD

Richtlinien, Monitoring, Notfallplan für Shitstorm?

Unter anderem deshalb richtet Ralf Frei jetzt einen Strauss Fragen an den Stadtrat, um die Ziele der städtischen Social-Media-Aktivitäten zu ergründen. «Bestehen zurzeit Richtlinien bezüglich der Bewirtschaftung des Stadtprofils durch private Profile von Mitgliedern des Stadtrates oder von Verwaltungsangestellten?», fragt Frei.

Weiter möchte er erfahren, wie die Zuständigkeiten der stadteigenen Profile aussehen und ob ein entsprechendes Monitoring betrieben werde. Frei will wissen, ob es für den Fall eines nächsten Shitstorms einen Notfallplan gibt und wie dieser aussieht. Ausserdem ersucht er den Stadtrat um eine Antwort nach Möglichkeiten, wie eine mögliche Strategie zur Nutzung für eine «effektive Interaktion mit der Bevölkerung» aussieht.