Wegen Hamsterkäufen in der Coronakrise: In der Hefefabrik Stettfurt schiebt sogar der Chef Schicht

Hefe Schweiz in Stettfurt produziert rund um die Uhr – als Folge von Hamsterkäufen. Dabei lässt sich Hefe nur beschränkt lagern.

Stefan Hilzinger
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Thomas Gamper posiert in ruhigeren Zeiten für einen Firmenprospekt in der Hefefabrik in Stettfurt.

Thomas Gamper posiert in ruhigeren Zeiten für einen Firmenprospekt in der Hefefabrik in Stettfurt.

Bild: Chris Mansfield

Thomas Gamper nimmt kein Blatt vor den Mund: «Dahergelaufene Kommentatoren auf Social Media wollen nicht glauben, dass in der Schweiz die Versorgung mit Lebensmitteln gesichert ist.» Kaum hatte der Bundesrat vor nicht mal drei Wochen die ausserordentlichen Lage mit den Massnahmen ausgerufen, sei es losgegangen, sagt der Chef der Hefe Schweiz AG in Stettfurt. «Es», das sind die Hamsterkäufe von Backhefewürfeln in den Läden. Seither läuft die Produktion von Backhefe auf Hochtouren.

Die Firma unterhalb des Schlosses Sonnenberg ist die grösste Produzentin von Backhefe in der Schweiz. 37 Personen beschäftigt der Familienbetrieb. Derzeit arbeiten auch die Aussendienstler in der Produktion und sogar Geschäftsführer Gamper schiebt Schicht. «Ich übernehme hin und wieder eine Nachtschicht. Ich wohne ja grad neben der Fabrik», sagt er.

Am nächsten Sonntag hat die Belegschaft wieder einmal frei

Nachdem die Firma in den vergangenen gut zweieinhalb Wochen 7 mal 24 Stunden produzierte, abpackte und auslieferte, konnte Gamper am Donnerstagnachmittag etwas Tempo rausnehmen. «Ich durfte der Belegschaft verkünden, dass wir am Sonntag alle frei haben», sagt er. Denn der Rund-um-die-Uhr-Betrieb bringt den mittelständischen Betrieb an den Anschlag.  Gamper:

«Wir gehen auf dem Zahnfleisch. All dies ist nur möglich, weil die Maschinen ohne Panne laufen und weil unsere Mitarbeiter mitziehen.»

Wie stark Gampers Firma seit Anfang März hochgefahren ist, belegt der Geschäftsführer mit einigen Zahlen: Allein in der dritten Märzwoche stellte die Hefe Schweiz 54 Tonnen Presshefewürfel her. Das ist sechsmal mehr als in der gleichen Woche im Jahr 2019. «Und in den ersten drei Märzwoche produzierten wir mit 85 Tonnen gleichviel wie im Januar und Februar zusammen.»

Dabei würden sich die Bäcker über mehr Kundschaft freuen

Die starken Zuwachse gelten für die Würfel zu 42 Gramm, die Gamper für den Detailhandel liefert. Daneben produziert die Firma auch 500-Gramm-Blöcke für das Bäckereigewerbe. Hier habe sich nicht viel verändert. «Es ist doch widersinnig: Die Bäcker können wegen der Coronakrise weniger an Restaurants liefern und wären eigentlich froh um mehr Kundschaft.»

Ausserdem sei Hefe ein Frischprodukt, das nach drei, vier Wochen seine Wirkung allmählich verliere. Die Nachfrage nach inländischer Hefe sei auch deshalb angestiegen, weil teilweise Importe nicht mehr möglich seien. Gamper sagt:

«Hier zeigt sich nun, wie wertvoll die Produktion in der Schweiz ist.»