Wegen Coronavirus: Fast 2000 Anträge für Kurzarbeit im Thurgau und es treffen täglich neue Gesuche ein – Amtschef appelliert an die Unternehmer

Die Anträge um Kurzarbeit sind im Kanton Thurgau explodiert. Bereits gegen 2000 Gesuche gingen beim zuständigen Amt für Wirtschaft und Arbeit ein. Amtschef Daniel Wessner appelliert an die Unternehmer, auf die Unterstützung durch Bund und Kanton zu vertrauen und keine Kündigungen auszusprechen. 

Sebastian Keller
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Daniel Wessner, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit.

Daniel Wessner, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit.

(Bild: PD)

Die Massnahmen des Bundes zur Eindämmung des Coronavirus treffen die Thurgauer Wirtschaft hart. Das lässt sich an der Anzahl Gesuche um Kurzarbeit ablesen. Gegen 2000 Anträge gingen bislang beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit ein. Das sagt Amtschef Daniel Wessner auf Anfrage am Mittwochmorgen.

«Alle Gesuche wurden bewilligt»

Und täglich treffen neue Gesuche ein. Damit ist die Anzahl Gesuche explodiert. Am 13. März lagen beim AWA erst 51 Anträge vor, welche Kurzarbeit wegen der Coronakrise beantragt hatten. Die Idee von Kurzarbeit: Der Staat zahlt für eine gewisse Zeit den Lohn der Angestellten. Damit sollen sie ihre Stelle behalten können und Unternehmen eine Krise überleben. Aus welchen Branchen stammen die Gesuche? Wessner: «Alle Branchen, die von den Massnahmen des Bundes betroffen sind.» 

Selbständigerwerbende haben zwar keinen Anspruch auf Kurzarbeit. Doch nun greift auch ihnen der Staat unter die Arme. Auf einem Merkblatt, welches das Sozialversicherungszentrum Thurgau veröffentlicht hat, ist zu lesen:

«Im Rahmen der Corona Erwerbsersatzentschädigung hat der Bundesrat Sofortmassnahmen auch für Selbständigerwerbende beschlos­sen.»

Das bedeutet: Auch Fitnessberater, Coiffeure und Beizer – also die Selbständigen - können einen gewissen Teil ihres Erwerbsausfalls geltend machen. Ausbezahlt wird maximal 196 Franken pro Tag.

Arbeitsmarktfonds aufgefüllt

Vergangenen Freitag hat der Thurgauer Regierungsrat beschlossen, den Überschuss der Kantonsrechnung für die Folgen der Corona-Krise bereitzustellen. Unter dem Strich resultierte eine Gewinn von 70 Millionen Franken.

24 Millionen Franken fliessen direkt in den Arbeitsmarktfonds. Damit ist dieser mit 28,9 Millionen Franken gefüllt - per Ende 2019. Daniel Wessner vom AWA erklärt: «Aus dem Arbeitsmarktfonds können beschäftigungspolitische Massnahmen finanziert werden.» Gegenwärtig prüfe eine vom Regierungsrat einberufene Arbeitsgruppe verschiedene mögliche Optionen.

Amtschef Daniel Wessner appelliert an die Unternehmen: «Wichtig ist, dass die Arbeitgeber auf die Unterstützung des Bundes und des Kantons zur Überbrückung der anspruchsvollen Zeit vertrauen, diese in Anspruch nehmen und keine Kündigungen aussprechen.» Einen Appell mit dem gleichen Inhalt veröffentlichten am Dienstag auch die Thurgauer Wirtschaftsverbände. 

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