«WC 4 all in» Frauenfeld:
Hereinspaziert zum Pipi!

Ein Besuch auf dem stillen Örtchen ohne Konsumationszwang: Das ist neu in sieben Frauenfelder Lokalen möglich. Das Pilotprojekt nennt sich

Mathias Frei
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Die Beteiligten bei «WC 4 all»: Markus Wenger vom Werkhof, Sandra Kübler («redOX»), Nancy Walther («Cittadella»), Sabina Ruff vom Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung, Dirk Varga («Falken») und Brigitte Bianchi («La Trouvaille»). (Bild: Andrea Stalder)

Die Beteiligten bei «WC 4 all»: Markus Wenger vom Werkhof, Sandra Kübler («redOX»), Nancy Walther («Cittadella»), Sabina Ruff vom Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung, Dirk Varga («Falken») und Brigitte Bianchi («La Trouvaille»). (Bild: Andrea Stalder)

Die Blase drückt oder es kündigt sich sogar ein grosses Geschäft an: Neuerdings ist das kein Problem mehr, wenn man in die Frauenfelder Innenstadt unterwegs. Denn sieben Gastrobetriebe zwischen Vorstadt, Rheinstrasse und Holdertorkreisel beteiligen sich am Pilotprojekt «WC 4 all», welches das Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung sowie der Werkhof angestossen haben. Wo das blauweisse Signet mit der WC-Papierrolle beim Eingang klebt, kann man ohne Konsumationszwang die Restauranttoilette benutzen. Beim einjährigen Pilot nehmen der Gasthof zum Falken teil, Café-Confiserie Hirt im Rhyhof, das «redOX», das Bistro zur Alten Kaplanei, das Restaurant La Trouvaille, das Ristorante Cittadella und das Brauhaus Sternen. Die WC-Öffnungszeiten entsprechen den Lokalöffnungszeiten.

«Unser Ziel war es, fünf Betriebe für die Idee zu begeistern. Nun machen sieben Lokale mit.»

Das sagt Sabina Ruff vom Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung. «Das ist sehr erfreulich.» Seit vergangenem Herbst hat sie mit dem Werkhof an dieser Idee gearbeitet. Und im Sommer 2020 folgt dann eine Auswertung des Pilots.

Nur vier öffentliche WCs rund um die Uhr offen

Hintergrund von «WC 4 all» ist das eher knappe Angebot an öffentlichen Toilettenanlagen in der Frauenfelder Innenstadt. Auf Stadtgebiet gibt es zwar zehn Standorte, aber nur die WCs am Bahnhof, bei der Hauptpost, auf dem Oberen Mätteli und am Schaffhauserplatz sind rund um die Uhr offen. Eine weitere öffentliche Anlage ist bei der Stadtbushaltestelle «Altstadt» vis-à-vis der katholischen Stadtkirche geplant. Aber wenn es wirklich pressiert, blieb einem bisher nur eines: Wildpinkeln. Die Stadt kostet eine neue WC-Anlage in einem Metallcontainer, ein sogenanntes Züri-WC, schnell mal 100'000 Franken, der Unterhalt kommt noch dazu.

Das Prinzip des öffentlichen WCs in einem Gastrobetrieb ist nicht neu. In Deutschland, kennt man das Angebot zum Beispiel als «Nette Toilette» oder auch «Freundliche Toilette». In der Schweiz gibt es die Webseite wc-guide.ch. Die Nutzung des bekanntesten Labels «Nette Toilette» ist aber kostenpflichtig. Deshalb hat man sich in Frauenfeld für ein eigenes Konzept entschieden.

Sabina Ruff spricht bei «WC 4 all» von einer Win-Win-Situation. Die Stadt gebe es eine Aufwertung der Infrastruktur. Und die teilnehmenden Betriebe würden durch das Projekt positiv wahrgenommen, was indirekt Werbung bedeute.

«Zudem entschädigen wir jedes der sieben Lokale mit 500 Franken für die Reinigungsaufwände im Pilotjahr.»

Dieser Betrag ist nichts im Vergleich zur Neuanschaffung eines Züri-WCs.

Eine Katze trinkt aus einem WC. (Bild: KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Eine Katze trinkt aus einem WC. (Bild: KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Ruff ist mit der Verteilung der beteiligten Lokale zufrieden. Die Gastronomen ihrerseits mussten aber auch Anforderungen erfüllen. Zwingend waren regelmässige Öffnungszeiten, geschlechtergetrennte Anlagen, Rollstuhlgängigkeit, erwünscht war zudem ein Wickeltisch.

Hoffnung, dass aus 
dem Passant ein Gast wird

Was sagen die beteiligten Gastronomen zum Prinzip? «Wie oft waren wir selber schon froh, wenn man unkompliziert irgendwo aufs WC gehen konnte», meint Sandra Kübler vom «redOX». Dirk Varga vom «Falken» sagt, er trage auf diese Weise gerne zur Aufwertung der Innenstadt bei. Und seine Hoffnung ist, dass der Passant irgendwann als Gast zurückkommt. Das Bedürfnis nach einem solchen Angebot sei auf jeden Fall vorhanden, meinen Nancy Walther («Cittadella») und Brigitte Bianchi vom «La Trouvaille». In ihren Lokalen würden öfters Passanten nach der Toilette fragen.