WASSERBAU
Die nächste Revitalisierungsetappe steht an: So wird der Geisslibach bis zur Rheinmündung in Diessenhofen fischgängig

Die Stadt Diessenhofen bringt einen rund hundert Meter langen Bachabschnitt wieder in seine ursprüngliche Form. Unter anderem steht ein Stauwehr vor dem Rückbau. Für die Arbeiten sind 670'000 Franken budgetiert.

Dieter Ritter
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Dieses Stauwehr wird spätestens im Frühling 2022 Geschichte sein.

Dieses Stauwehr wird spätestens im Frühling 2022 Geschichte sein.

Bild: Dieter Ritter

Kurz, aber spektakulär: Das ist der Abschnitt, der im Rahmen der Geisslibach-Revitalisierung als Nächstes in Angriff genommen wird. Ein Stauwehr und Verbauungen aus Beton werden zurückgebaut, und ein Seitenkanal wird ausgetrocknet und zugedeckt. Das alles passiert in Willisdorf bei Diessenhofen.

Seit der Renaturierung des unteren Bachlaufs vor zehn Jahren können Fische ungehindert in den Geisslibach schwimmen, aber nur bis zum Stauwehr in Willisdorf. Dort ist für sie Endstation. Das Wehr gehört der Mühle Bachmann und versorgte die Turbine eines Kleinkraftwerkes. Vor einem Jahr stellte die Familie Bachmann das Kraftwerk ab. Die Konzession für die Stromerzeugung war abgelaufen, und eine Erneuerung hätte grosse Investitionen erfordert. Jetzt darf das Wehr abgerissen werden. Mit dem Rückbau wird der Weg in den oberen Bachabschnitt für die Fische frei. Profitieren werden vor allem Forellen.

«Wir setzen im Unterlauf des Geisslibachs junge Forellen aus.»

So erklärt es Roger Birk, Zunftmeister der Fischerzunft. Viele Forellen würden nach dem Abbruch des Wehrs weiter bachaufwärts ziehen, sagt er.

Niveauunterschied des Baches kommt wie Stauwehr weg

Markus Birk, Stadtpräsident Diessenhofen.

Markus Birk, Stadtpräsident Diessenhofen.

Bild: Dieter Ritter

Renaturiert werden rund hundert Meter ab der Brücke bei der Mühle Bachmann bachaufwärts. Das Uferschutzgebiet bleibt im heutigen Umfang erhalten. Die angrenzenden Felder und der Wanderweg sind von der Renaturierung nicht berührt. Der heutige Niveauunterschied des Bachs als Folge des Rückstaus wird ausgeglichen. Markus Birk, Stadtpräsident von Diessenhofen, rühmt das Vorhaben.

«Nach Abschluss der Arbeiten sind Flora und Fauna besser eingegliedert, und der Bach ist fischgängig bis zur Mündung in den Rhein.»

Bauherrin ist die Stadt Diessenhofen. Sie beauftragte die Fröhlich Wasserbau AG aus Frauenfeld mit der Planung. «Wir haben gute Erfahrungen mit diesem Ingenieurbüro gemacht», sagt Markus Birk. Fröhlich leitete mehrere Projekte für die Stadt Diessenhofen und die Gemeinde Basadingen-Schlattingen. Die Landeigentümer rund um das Projekt, unter anderen die Mühle Bachmann, seien in die Projektierung eingebunden worden, so Birk. Die Planung ist abgeschlossen. Jetzt bereitet Fröhlich die Ausschreibung der Arbeiten vor. Die Auftragsvergabe ist Sache der Stadt. Sie muss sich an detaillierte Richtlinien halten. Der Stadtpräsident erklärt:

«Unternehmer aus unserer Region haben dabei Vorteile.»

Ein Aspekt sei aus ökologischer Sicht der kurze Anfahrtsweg. Nebst vielen weiteren Kriterien spiele auch eine Rolle, ob das Unternehmen Lehrlinge ausbilde. Die Vergaberichtlinien erlauben, bei vergleichbaren Voraussetzungen dem heimischen Unternehmer den Vorzug zu geben, wenn er nicht mehr als vier Prozent teurer ist als der auswärtige.

Der Geisslibach am südlichen Dorfrand von Willisdorf, hinten das Stauwehr, links die Mühle Bachmann.

Der Geisslibach am südlichen Dorfrand von Willisdorf, hinten das Stauwehr, links die Mühle Bachmann.

Bild: Dieter Ritter

Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf 670'000 Franken. Davon trägt die Stadt rund sechs Prozent. Etwa die Hälfte zahlt Swissgrid, die nationale Gesellschaft für optimale Stromverteilung.

«Diesen Beitrag verdanken wir hauptsächlich dem Umstand, dass die Fischgängigkeit wieder hergestellt wird.»

So erklärt es Birk. Auch der Kanton und einige weitere Organisationen beteiligen sich an den Kosten. Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich im kommenden Winter oder spätestens im Frühjahr 2022.

Noch ist man nicht am Ziel

«Nach Abschluss der Arbeiten wollen wir bachaufwärts weiter machen», sagt Birk. Ihm schwebt ein gemeindeübergreifendes Projekt vor. Mit Peter Mathys, Gemeindepräsident Basadingen-Schlattingen, führte er erste Gespräche. Es geht darum, den Geisslibach auf seiner ganzen Länge in den Gemeindegebieten Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen zu renaturieren und die freie Fischwanderung herzustellen, so wie sie im Gewässerschutzgesetz verankert ist.