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Wasser ist die Quelle des Klosters

Wasser hat und hatte für das Leben in der Kartause Ittingen eine immense Bedeutung. Die Quelle auf der Anlage dürfte dafür verantwortlich sein, dass das Kloster dort gebaut wurde, wo es heute noch steht.
Sebastian Keller
Felix Ackermann, Kurator des Ittinger Museums, und Heinz Scheidegger, Procurator der Stiftung Kartause Ittingen, betrachten die Quelle des Klosters. (Bild: Reto Martin)

Felix Ackermann, Kurator des Ittinger Museums, und Heinz Scheidegger, Procurator der Stiftung Kartause Ittingen, betrachten die Quelle des Klosters. (Bild: Reto Martin)

Wasser ist das Thema der Stunde. Seit Freitag gilt im Thurgau ein Wasserentnahmeverbot aus Oberflächengewässer. Doch Wasser ist auch dann relevant, wenn es nicht knapp ist. Das zeigte sich am Freitag während eines Rundgangs durch die Kartause Ittingen, zu dem der Kanton Thurgau eingeladen hatte. «Der Hauptgrund, wieso das Kloster an dieser Stelle gebaut wurde, ist eine Quelle», sagt Heinz Schei-degger. Er ist Procurator der Stiftung Kartause Ittingen, welche die Anlage seit 1977 betreibt. Aus dieser Quelle wird heute noch Wasser für den vielfältigen Einsatz innerhalb und ausserhalb der Klostermauern bezogen. Normalerweise speist sie 280 bis 320 Liter pro Minute. «Aktuell sind es vielleicht 200 Liter», sagt Scheidegger. Die Trockenheit macht auch vor dem ehemaligen Kloster nicht Halt. Noch reiche die Menge aber aus.

Vielfache Verwendung des Wassers

So fliesst das Wasser in die vielen Brunnen innerhalb der Klostermauern, als Frischwasser in die Fischzucht (Regenbogenforellen) und zur Bewässerung der Reben (hauptsächlich Blauburgunder und Müller Thurgau) und des Gartens. Dieser blüht derzeit in allen Farben des Regenbogens, Schmetterlinge fliegen den Besuchern vor der Nase durch. Auch die Klosterkühe werden mit dem Wasser aus der Quelle getränkt. Und dafür sei der Wasserbedarf nicht gerade klein. Eine Kuh trinke gegen 100 Liter Wasser pro Tag, 55 Kühe zählt der Landwirtschaftsbetrieb der Kartause.

Felix Ackermann, Kurator des Ittinger Museums, erläutert die historische Bedeutung des Wassers. «Auch auf früheren Ansichten ist schon die klostereigene Quelle abgebildet.» Das zeuge von der Bedeutung des Wassers für das Klosterleben. Die Quelle befindet sich leicht erhöht, weshalb das Wasser ohne Pumpsystem in die unteren Anlageteile des Klosters fliessen konnte. Ein Druckleitungssystem war aber sehr wohl notwendig für das Kanalsystem.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde dafür Deuchel eingesetzt. Dabei handelt es sich um Nadelholzstämme, die in grünem Zustand der Länge nach durchbohrt wurden. Diese wurden in Lehm eingebettet und konstant nass gehalten, weshalb sie nicht faulten. Das Ittinger Museum verfügt noch heute über einen Deuchelbohrer aus dem 18. Jahrhundert – hergestellt in der klostereigenen Schmitte. Er sieht aus wie eine Mischung aus einem überdimensionierten Korkenzieher und einem Spaten und hat die Länge eines Basketballspielers.

Kartäusermönche assen kein Fleisch, aber Fisch
Das Quellwasser zu klösterlicher Zeit erfüllte auch weitere Aufgaben. So etwa zum Zwischenlagern von lebendigen Fischen in einem Fischgehalter. Diese Speisefische liess sich das Kloster etwa vom Rhein oder Untersee anliefern. «Kartäusermönche haben kein Fleisch gegessen, aber Fisch», sagt Scheidegger. Auch deshalb würde in der Tradition der Kartäusermönche heute auf dem Areal eine Fischzucht betrieben. Die Fische kommen im Restaurant Mühle auf den Teller. Im öffentlichen Lokal befindet sich ein Mühlerad aus dem Jahr 1870. «Das Gefälle machte es möglich das Mühlerad zu betreiben», sagt Kurator Ackermann. Heute dient es freilich der Dekoration.

Das Wasser aus den Brunnen und von den Dächern wurde früher in der sogenannten Pferdeschwemme zusammengefasst. Diese Art Weiher liegt heute noch neben der Gartenwirtschaft des Restaurant Mühle. Sie diente dem Tränken und Säubern der Pferde.

Aktuelle Ausstellung

Das Ittinger Museum zeigt bis zum 16. Dezember die Ausstellung «Wasser - Lebensader des Klosters». Die Ausstellung stellt die enorme Wichtigkeit des Wassers für das ehemalige Kartäuserkloster in Ittingen dar. Parallel läuft die Ausstellung «Wein und Wohlstand». Bis Ende September sind die Museen in der Kartause täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene bezahlen Eintritt. (seb.)

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