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«Was machen wir als nächstes?»: Diessenhofen bietet Arbeit für Asylsuchende und Sozialhilfeempfänger

Die Stadt Diessenhofen betreibt neu ein Beschäftigungsprogramm für Asylsuchende und Sozialhilfeempfänger. Sofern sich es bewährt, könnte sich Stadtpräsident Markus Birk vorstellen, es auszuweiten.
Rahel Haag
Arbeitsagoge Heinz Fischer instruiert den GiB-Teilnehmer Daniel Diaz. (Bild: Andrea Stalder)

Arbeitsagoge Heinz Fischer instruiert den GiB-Teilnehmer Daniel Diaz. (Bild: Andrea Stalder)

Was wäre wenn? Diese Frage stellte sich die Stadt vergangenen Herbst. Bis anhin hatten Asylsuchende und Sozialhilfeempfänger extern, beispielsweise in Frauenfeld oder Schaffhausen, an einem Beschäftigungsprogramm teilgenommen.

Was wäre aber, könnte man diese Männer und Frauen in Diessenhofen beschäftigen? Die dafür gebildete Kommission kam zum Schluss: Ja, ein eigenes Beschäftigungsprogramm lohnt sich. Anfang März ist das Programm Gemeinde interne Beschäftigung, kurz GiB, nun angelaufen.

«Die Teilnehmer sind top motiviert»

sagt Heinz Fischer. Nachdem eine Arbeit erledigt sei, fragten sie: «Was machen wir als nächstes?» Der Arbeitsagoge leitet das Projekt. Aktuell betreut er sechs Sozialhilfeempfänger. Mit ihnen hat er auch eine Zentrale mit Büro und Pausenraum an der Basadingerstrasse eingerichtet. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich eine kleine Werkstatt.

Ab April sollen auch Asylsuchende am Programm teilnehmen können. «Am Ende können wir zwischen acht und zwölf Leute beschäftigen.» Genauso viele potenzielle Teilnehmer leben in der Gemeinde.

Stadtpräsident sieht grosses Potenzial

Vorerst läuft die Projektphase. Sie ist auf drei Jahre beschränkt. Doch Stadtpräsident Markus Birk denkt schon weiter: «Wenn das Projekt gut läuft, könnten wir uns auch vorstellen, es auszuweiten.» Umliegende Gemeinden wie Schlatt oder Basadingen-Schlattingen könnten die GiB übernehmen und ihre Asylsuchenden sowie Sozialhilfeempfänger selber beschäftigen.

Er sehe grosses Potenzial für die GiB. «Könntet ihr auch Briefe verpacken?», fragt er Heinz Fischer. Der nickt. Die Gemeinde wolle rund 2000 Briefe verschicken. «Für unsere Angestellten wäre das eine Entlastung», sagt Birk.

Der Vorteil eines eigenen Beschäftigungsprogramms liege unter anderem darin, dass mehr Personen beschäftigt werden können. «Vorher mussten sie zu 50 Prozent arbeitsfähig sein», sagt Birk, «heute reichen bereits 10 Prozent.»

Auch finanziell gebe es keine negativen Auswirkungen für die Gemeinde. Die externe Beschäftigung habe mehrere Zehntausend Franken gekostet, sagt Birk. «Die GiB ist gleich teuer.» Geändert hat sich nun allerdings, dass die Arbeiten der eigenen Gemeinde zugutekommen.

«Es geht aber nicht primär um den Nutzen für uns.»

Das erklärte Ziel ist, die Teilnehmer möglichst früh und niederschwellig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Hierfür arbeitet die GiB mit der privaten Institution Open Office zusammen. Dort werden die Asylsuchenden und Sozialhilfeempfänger beispielsweise, beim Schreiben von Bewerbungen unterstützt.

«Diese Unterstützung zählt als Arbeitszeit und ist ein fixer Bestandteil der GiB»

sagt Fischer. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer auf Wunsch Arbeitszeugnisse, und Heinz Fischer kann im Fall einer Bewerbung als Referenz angegeben werden.

Kürzungen der finanziellen Unterstützung möglich

Die Einsätze sind für die Teilnehmer obligatorisch. Sollten einzelne nicht kooperieren, seien auch Konsequenzen, wie Kürzungen der finanziellen Unterstützung denkbar. «Das wäre die letzte Massnahme», sagt Fischer. Gleichzeitig gibt es für die Teilnehmer einen finanziellen Anreiz. «Wenn jemand 100 Prozent arbeitet, erhält er monatlich 300 Franken Integrationszulagen», sagt Birk.

Der 39-jährige Daniel Diaz nimmt bereits am Programm teil.

«Mir gefällt vor allem die Abwechslung»

sagt er. Es gebe immer etwas Neues zu tun. Eingesetzt werden die Asylsuchenden und Sozialhilfeempfänger in verschiedenen öffentlichen Bereichen, wie im Werkhof, dem Museum für Kunst und Wissen oder Schulen.

Als Beispiel nennt Birk die Pflege von Kieswegen. Früher hätten sich die Mitarbeiter des Werkhofs um diese Arbeit gekümmert. «Seit keine Pestizide mehr eingesetzt werden, ist der zeitliche Aufwand für das Jäten stark gestiegen.» Künftig soll diese Aufgabe von der GiB übernommen werden.

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