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Warth-Weininger schreibt von Narren, Hexen und Dämonen

Am 11. November pünktlich um 11.11 Uhr beginnt mancherorts die Fasnacht. Was alles dazu gehört und wie man schweizweit die närrische Zeit feiert, beschreibt Albert Bärtsch aus Warth-Weiningen in seinem reich bebilderten Buch.
Evi Biedermann
Albert Bärtsch liest in seinem 350 Seiten umfassenden Buch «Schweizer Fasnacht». (Bild: Evi Biedermann)

Albert Bärtsch liest in seinem 350 Seiten umfassenden Buch «Schweizer Fasnacht». (Bild: Evi Biedermann)

Nicht-Fasnächtler staunen: Fasnacht wird in allen 26 Kantonen der Schweiz gefeiert. Nicht überall gleich, aber überall bunt, wild und traditionsbewusst. Infiziert vom bazillus carnevalis treiben in den Wintermonaten unzählige Narren, Hexen, Teufel, Dämonen und Tiermasken ihr Unwesen und versetzen damit Städte und Dörfer in den Ausnahmezustand.

Farbenfrohe Umzüge mit internationaler Beteiligung sind Publikumsmagnete. Fasnacht ist aber noch viel mehr: Guggenmusik, Trommler, Pfeifer, Geiselschlepfer, Schellner, Maskenbälle, Schnitzelbänkler, Schlüferli, Zigerkrapfen und Fasnachtschüechli. Albert Bärtsch hat über die Schweizer Fasnacht ein Buch verfasst und dieses auf 350 Seiten mit prächtigen Bildern illustriert. Die meisten hat der pensionierte Reallehrer, Maskenschnitzer und Maler aus Warth selber geknipst. Über Jahrzehnte hinweg besuchte er zusammen mit seiner Frau in der ganzen Schweiz Umzüge und Anlässe.

Querschnitt durch die Schweizer Fasnachtsbräuche

Von Genf bis nach Romanshorn und von Schaffhausen bis ins Tessin: Das Buch ist ein Querschnitt durch die Schweizer Fasnachtsbräuche. Es ist nicht nur reich bebildert, sondern beschreibt mit informativen Kurztexten, wie die 300 vom Autor porträtierten Städte oder Dörfer ihre eigene Tradition pflegen. Man staunt ob der Vielfalt, wo doch überall das Gleiche gefeiert wird. Die Fasnacht habe sich stark gewandelt, sagt Albert Bärtsch.

«Die Fasnacht ist von den ländlichen Regionen in die Städte vorgedrungen.»

Dort hätten sich Guggenmusiken und Fasnachtsvereine gebildet. Ebenso neue Fasnachtzünfte und -räte. Essen und Trinken hingegen ist nach wie vor ein wichtiger Pfeiler der Fasnacht. So wird etwa Lugano zum Mekka des Risotto, andernorts werden Schlüferli oder die Basler Fastenwähe gebacken. Der Autor lässt nichts aus, charakterisiert auch die verschiedenen Maskentypen, zeigt wie sie gemacht werden und nähert sich dem Thema Mensch und Masken von der psychologischen Seite. «Masken sind letztlich Hüllen ihrer verborgenen Seele», sagt er dazu.

Mit allen Freuden und Sinnen geniessen

Albert Bärtsch hat schon etliche Bücher über Schweizer Volksbräuche geschrieben. Geplant war es nach dreizehn veröffentlichten Werken nicht mehr. Aber ohne ein Buchprojekt ging es eben auch nicht. Zu gross war die Faszination für das Rätselhafte und Unergründliche der Fasnacht. Dazu hat er sich schon früh selber darin erkannt.

«Das Lustige und das Dämonische der Fasnacht ist ein Teil meines Lebens»

sagt der 75-Jährige mit verschmitztem Lächeln. Dazu verbinden ihn eine ganze Reihe von Zufällen dauerhaft mit der Fasnacht: Er wurde in Mels im Sarganserland geboren, wo die fasnächtliche Tradition intensiv gepflegt wird, und war während der Schulzeit ein aktiver Fasnächtler. An der Fasnacht hat Albert Bärtsch auch seine Frau Elisabeth kennen gelernt, die am 11. November Geburtstag hat.

Und letztlich wurden seine beiden Kinder beide in der Fasnachtszeit geboren. Als wäre das noch nicht genug, lernte Bärtsch später das Maskenschnitzen, schuf selber Dutzende Exemplare davon und gab Kurse in diesem Handwerk. Mit diesem Erfahrungsschatz ist es nicht verwunderlich, wenn er in seinem Buch schreibt: «Man kann die Fasnacht mit allen Freuden und Sinnen geniessen.»

Viel Essen und Trinken vor Zeit der Enthaltsamkeit und Besinnung

Die Fasnachtszeit beginnt mancherorts am 11. November um Punkt 11.11 Uhr. Der Ursprung liegt im 19. Jahrhundert, als es in der katholischen Kirche noch zwei Fastenzeiten gab: eine vor Ostern und eine vor Weihnachten. Die Zeit vor der Enthaltsamkeit und Besinnung wurde jeweils nochmals mit viel Essen und Trinken gefeiert. Zugleich war an Martini, also am 11. November, das Erntefest. Heute sind die Fasnachtsdaten flexibel und Fasten – im Sinne von Verzichten – ist wohl den meisten Menschen fremd. Oft beginnt die fünfte Jahreszeit erst im Januar oder am schmutzigen Donnerstag, zu Ende geht sie am häufigsten am Aschermittwoch, dem 46. Tag vor Ostersonntag. Die letzte Fasnacht im deutschsprachigen Raum wird in Ermatingen gefeiert: drei Wochen vor Ostern und damit mitten in der Fastenzeit. (bie)

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