Glosse

Warten auf den Sport. Oder: Die existenzialistische Suche nach einem gesunden Geist in einem gesunden Körper im Hallenbad Frauenfeld

Murgspritzer: Im Leben geht es eigentlich nur ums richtige Timing. Was das mit dem süssen Rausch einer Glühwein-Glace zu tun hat, erklärt TZ-Redaktor Mathias Frei.

Mathias Frei
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Ein Bild von Februar 2008: Der damalige Amtsleiter und heutige Stadtrat Fabrizio Hugentobler zeigt im Hallenbad Frauenfeld, wie Schwimmen im Kreisverkehr funktioniert.

Ein Bild von Februar 2008: Der damalige Amtsleiter und heutige Stadtrat Fabrizio Hugentobler zeigt im Hallenbad Frauenfeld, wie Schwimmen im Kreisverkehr funktioniert.

(Bild: Susann Basler)
Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Eine Glühwein-Glace mehr oder weniger am Schlossberg macht den Braten nicht feiss – und vor allem noch kein Rüschli. Man leert ja keine 14 Chübeli hintereinander runter. Genauer nimmt man es in der Frauenfelder Badi. Für genau 1350 Besucherinnen und Besucher hat es derzeit pandemiebedingt Platz: 1294 im Freibad, 56 im Hallenbad. Das Sprudelbad bleibt zu. Damit das Social Distancing nicht unterlaufen wird. Wennt weisch, wani mein.

Der Online-Besucherzähler.

Der Online-Besucherzähler.

(Bild: Screenshot www.frauenfeld.ch)

Jedenfalls: Der neue Online-Besucherzähler der Badi könnte eine praktische Sache sein, lässt einen aber an sich selber zweifeln. Man sieht, wie viele Personen in der Badi verweilen und wie viele davor auf Einlass warten. Da sind dann zum Beispiel zum Zeitpunkt x 52 Personen im Hallenbad und 13 im Freibad. Warteliste: Null. Man sieht: Es hat noch Platz, um im Hallenbad noch schnell (!) seine 47 Längen (à 25 Meter, also 1175 Meter) zu ziehen. Super. Sport und so. Bis man sich dann aber endlich mal aufgerafft hat, sind es dann plötzlich (!) 56 Besucher im Hallenbad. Gopferteckel. Und nun? Was machen? Es wartet noch niemand, zumindest gemäss Warteliste. Wobei sich die Frage stellt, wo die Warteliste beginnt. Wenn man vor der Badi steht oder wenn man im Büro vor dem Computer sitzt und auf den Online-Besucherzähler starrt. Irgendwann wird es existenzialistisch. Dann wartet der Besucherzähler auf einen. Und irgendwann zeigt der Besucherzähler eine Null an. Dann ist die Badi zu, der Glacestand aber noch offen.

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