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Zu wenige Hausärzte? Münchwilerin sorgt sich um die Versorgung in ihrer Gemeinde

Für Heidi Meichtry ist die ärztliche Versorgung im Hinterthurgauer Bezirkshauptort ungenügend. Der Gemeinderat hat ein Gesundheitszentrum geplant. Ein Baustart ist allerdings noch nicht absehbar.
Roman Scherrer
Heidi Meichtry sorgt sich um die medizinische Versorgung in Münchwilen. (Bild: Andrea Stalder)

Heidi Meichtry sorgt sich um die medizinische Versorgung in Münchwilen. (Bild: Andrea Stalder)

Kein Wunder, bereitet ihr das Thema Sorgen. Denn Heidi Meichtry hat bisher nur schlechte Erfahrungen mit der ärztlichen Versorgung in Münchwilen gemacht, wie sie sagt. Die 77-Jährige, die selber im Bezirkshauptort wohnt, schrieb unserer Zeitung einen Leserbrief, in dem sie von ihrem jüngsten Erlebnis mit den örtlichen Hausärzten berichtet.

«Der zweite Arzt war völlig überlastet. Beim Dritten hätte er am folgenden Tag einen Termin erhalten.»

Ende November 2018 habe sich ihr Mann Robert einen Kopfschwartenriss zugezogen – als Folge eines Sturzes. Er habe sich zunächst bei seiner Hausarztpraxis gemeldet, welche aber in jener Woche geschlossen gewesen sei, schreibt Heidi Meichtry. «Der zweite Arzt war völlig überlastet. Beim Dritten hätte er am folgenden Tag einen Termin erhalten.»

Am Tag darauf verschlechterte sich Robert Meichtrys chronische Lungenkrankheit. Wieder meldete er sich bei den drei Münchwiler Hausarztpraxen. «Vergeblich», schreibt Heidi Meichtry. Schliesslich fuhr er nach Wil und meldete sich dort beim Notfall des Spitals.

Geplatzter Blinddarm

Heidi Meichtry selber hat 1994 ihre erste schlechte Erfahrung mit der medizinischen Versorgung in Münchwilen gemacht. Wegen starker Bauchschmerzen rief sie einen Arzt im Dorf an. Dieser liess sie lange warten und diagnostizierte zunächst eine Blinddarmreizung, dann ein Nierensteinleiden. Tatsächlich handelte es sich aber um eine Blinddarmentzündung.

Als Heidi Meichtry bei der Notfallstation im Frauenfelder Kantonsspital ankam, war ihr Blinddarm bereits geplatzt. Es folgten fünf Operationen. «Ich wurde nie mehr ganz gesund», sagt sie. Seit dieser Geschichte geht die Münchwilerin nicht mehr zu einem Arzt in ihrem Wohnort, sondern in eine Gemeinschaftspraxis in Wil. Für Meichtry ist klar:

«Die medizinische Versorgung in Münchwilen liegt seit jeher im Argen.»

Das habe ihr 2015 ein Wiler Arzt bestätigt. Damals erlitt Meichtrys Mann eine Lungenentzündung. Wegen seines schlechten Zustandes rief sie bei der Notfallpraxis des Frauenfelder Kantonsspitals an. Der Notfallarzt habe sich geweigert, vorbeizukommen. «Er sagte, er fahre doch deswegen nicht durch den halben Kanton Thurgau.»

Mit der «ungenügenden medizinischen Versorgung», meint Heidi Meichtry vor allem auch die unsichere Nachfolge der Münchwiler Hausärzte. Die Gemeinde führt auf ihrer Website unter «Gesundheit» drei Hausärzte auf. Alle haben das Pensionsalter bereits erreicht oder erreichen es demnächst. Bisher hat nur einer dieser drei Ärzte seine Praxis einer Nachfolgerin übergeben können.

Der Gemeinderat sei sich des Problems bewusst, sagt Gemeindepräsident Guido Grütter. Die Behörde hat sich deshalb für die Legislatur 2015 bis 2019 zum Ziel gesetzt, ein Ärztezentrum zu planen. Für vergangenes Jahr budgetierte sie 15'000 Franken für die Erstellung eines Gestaltungsplans und die Planung der Erschliessung eines Ärztezentrums auf der freien Wiese neben dem Gemeindehaus.

Gestaltungsplan erstellt

Hat der Gemeinderat sein Legislaturziel erreicht? «Der Gestaltungsplan liegt vor und die Grundlage für die Verkehrsanschliessung ist vorhanden», erklärt Grütter. Das Konzept steht also. Der Gemeinderat hat auch gewisse Vorstellungen zur sogenannten Mantelnutzung des Gesundheitszentrums: Eine Bäckerei mit Café, eine Kindertagesstätte, ein Co-Working-Space und Alterswohnungen könnten den Bau ergänzen.

Das Projekt liege in der Hand eines privaten Investors. «Das ist ein Markt. Und als Gemeinde haben wir gar keine gesetzliche Grundlage, hier einzugreifen», sagt Grütter. Stellt sich nur die Frage, wann das Ärztezentrum realisiert wird. Derzeit ist ein Baubeginn nämlich noch nicht absehbar. Es fehlt an Ärzten, die gewillt sind, in der Gemeinschaftspraxis zu arbeiten. Guido Grütter sagt:

«Erfahrungen zeigen, dass es nicht gut kommt, wenn man ein Gesundheitszentrum baut, bevor eine Ärzte-Betreiberschaft vorhanden ist.»

«Mit der Thurgauer Ärztegesellschaft und dem Investoren suchen wir Ärzte, die den Mut haben, eine Gemeinschaftspraxis zu betreiben.» Das sei aber schwierig, sagt Grütter. Unter anderem würden es die Tarmed-Tarife für Ärzte nicht besonders attraktiv machen, im Thurgau zu praktizieren.

Der Münchwiler Gemeindepräsident ist aber überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Gesundheitszentrum gebaut werden kann. «Schliesslich steigt der medizinische Anspruch der Bevölkerung.» Grundsätzlich sei die medizinische Versorgung für Münchwilen aber gewährleistet, sagt Grütter und verweist auf Spitäler, Praxen und Gesundheitszentren in Wil und Frauenfeld.

Dem widerspricht Heidi Meichtry: «Ich kann aus Erfahrung sagen, dass sich die Wiler Ärzte nicht um die ärztlich schlecht versorgten Hinterthurgauer reissen.» Wegen ihres jüngsten Erlebnisses ist Meichtry auch mit der Arbeit des Gemeinderats hinsichtlich des Gesundheitszentrums nicht zufrieden. «Weil die drei Ärzte bereits im Pensionsalter sind und nichts Konkretes vorliegt.»

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