Wanderung
Rundweg zum Napoleonturm – Soft-Tourismus für den Thurgau und keine verlorenen Hotelgäste mehr

In rund einem halben Jahr wurde er Realität: Der neue Rundweg vom Wellnesshotel Golf Panorama in Wäldi zum Napoleonturm.

Francesca Stemer
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(Von links) Adrian König, Gaby Müller, Mona Vetsch, Stefan Birchler und Caroline Spatz.

(Von links) Adrian König, Gaby Müller, Mona Vetsch, Stefan Birchler und Caroline Spatz.

Bild: Tobias Garcia

In vier Teilen und unter Applaus fällt es zu Boden. Das rote Band, das vor wenigen Augenblicken noch mitten über den Weg führte. Das Licht bricht sich in der metallenen Schere, die Adrian König, Gemeindepräsident von Lipperswil-Wäldi, noch in der Hand hält. «Können wir nochmals?», fragt dieser und seine Lippen heben sich unter dem zustimmenden Gelächter der rund 25 Anwesenden. König wendet sich einer DIN A3 grossen Hinweistafel zu. Schwarze Lettern auf weissem Grund: Rundweg Napoleonturm. Und diese Route werden die Anwesenden teils zum ersten Mal in rund zwei Stunden ablaufen.

Der Rundweg kann durch Route A oder B abgelaufen werden. Der Start und das Ziel befindet sich jedoch beim Parkplatz westlich des Wellnesshotels Golf Panorama in Wäldi. Nach einer kleinen Anhebung, einem verträumten Teich, erstreckt sich in der Ferne das Wellnesshotel. Dabei erklärt eine Mitarbeiterin:

«Wir sind wirklich sehr froh, dass dieser Rundweg Realität wurde.»

Im vergangenen Jahr verzeichnete das Hotel rund 30'000 Übernachtungen. Dabei waren Wanderungen bei den Gästen ein beliebter Zeitvertreib. Das Problem: Ab und zu verirrten sich einige wanderfreudige-Hotelgäste und «stolperten» teils mehr durch Zufall an den Fuss des Napoleonturms. Doch durch die neue Beschilderung wird das der Vergangenheit angehören.

Das Schild weist die Route aus, ebenfalls wurden neue Hinweisschilder errichtet.

Das Schild weist die Route aus, ebenfalls wurden neue Hinweisschilder errichtet.

Bild: Tobias Garcia

Mit der Wanderung den Kopf lüften

Ein weisser Wanderweghinweis, auf dem das grüne Logo des «Rundweg Napoleonturm» prangt, hebt sich von den altbekannten gelben Hinweisen ab und weist ins Wolfstobel. Treppenstufen führen hinab bis hin zu einer Holzbrücke, und nach dem Aufstieg erstrecken sich Mais- und Brokkolifelder.

Doch nicht nur der Aufstieg treibt Schweissperlen auf die Stirn. «Wir sollten die letzten Sonnenstrahlen noch geniessen», erklärt eine Teilnehmerin und zieht sich die Wanderjacke aus. «Im November vermissen wir dann die Sonne.»

Dieses Problem hat König momentan nicht. Er hat sein weisses Bürohemd durch ein grün-kariertes Hemd getauscht. Er wandert selbst gerne, es hilft ihm, den Kopf freizubekommen und für einen Moment die noch anstehenden Arbeiten auf seinem Bürotisch zu vergessen. Er freut sich dementsprechend über den neuen Rundweg, der zusammen mit Caroline Spatz, Hoteldirektorin des Wellnesshotels Golf Panorama, ins Leben gerufen wurde. Doch König ist auch erleichtert, dass das Projekt hiermit seinen Abschluss gefunden hat.

Eröffnung des Rundwegs Napoleonturm mit Start im Wellnesshotel Golf Panorama.
7 Bilder
Eröffnung des Rundwegs Napoleonturm mit Start im Wellnesshotel Golf Panorama.
Eröffnung des Rundwegs Napoleonturm mit Start im Wellnesshotel Golf Panorama.
Eröffnung des Rundwegs Napoleonturm mit Start im Wellnesshotel Golf Panorama.
Eröffnung des Rundwegs Napoleonturm mit Start im Wellnesshotel Golf Panorama.
Eröffnung des Rundwegs Napoleonturm mit Start im Wellnesshotel Golf Panorama.
Eröffnung des Rundwegs Napoleonturm mit Start im Wellnesshotel Golf Panorama.

Eröffnung des Rundwegs Napoleonturm mit Start im Wellnesshotel Golf Panorama.

Bild: Tobias Garcia

Hauptsache kein Schilderurwald

Vor rund einem halben Jahr kam die Idee zum Rundweg auf. Die Umsetzung erfolgte schnell, weil die Verantwortlichen auf bereits bestehende Wanderwege aus den Gemeinden Wäldi und Raperswilen zurückgreifen konnten. Es folgten Abklärungen mit den Landbesitzern, und danach wurden die weissen Rundwegschilder durch den Verein Thurgauer Wanderwege errichtet. Der Gemeindepräsident sagt:

«Dabei war es wichtig, dass wir keinen Schilderurwald erschaffen.»

Doch das eine oder andere Hinweisschild könnte in naher Zukunft noch errichtet werden. «Vielleicht bei Hofläden oder direkt beim Napoleonturm», überlegt König und fährt fort:

«Wir möchten unsere Gäste aus dem In- und Ausland von der Schönheit des Kantons Thurgau überzeugen. Wir betreiben hiermit ein bisschen Soft-Tourismus.» Er weicht einem Schlammloch aus. «Die Kosten?», er winkt ab. «Die einige tausend Franken sind nicht der Rede wert.» Womit sie bezahlten, sei vor allem Zeit gewesen. Denn nebst den täglichen Arbeiten führte das bei einigen Verantwortlichen zu einem gewissen Mehraufwand. Den Rundweg begeht König heute zum ersten Mal, doch er ist ihn bereits in rund eineinhalb Stunden gejoggt. «Das hält fit», erklärt der Gemeindepräsident und seine Mundwinkel heben sich.

Nach rund zwei Stunden führen 208 hölzerne Treppenstufen zu einer Aussicht über den Bodensee und die Schweizer Alpen. Nach einigen Erinnerungsfotos auf dem Napoleonturm fährt ein Shuttle die Teilnehmenden zurück ins Hotel. Dabei sind sich die Gäste einig, den rund zehn Kilometer langen Rundweg in naher Zukunft selbst noch komplett abzulaufen. Oder zu rennen. Je nach dem.

Der Napoleonturm.

Der Napoleonturm.

Bild: Tobias Garcia

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