Walter Koch baut Erinnerungen nach und zeigt sie im Diessenhofer Museum Kunst + Wissen

Am Samstag feiert die Ausstellung mit Architekturmodellen von Walter Koch Vernissage. Holz ist das Element des Diessenhofers.

Drucken
Teilen
Walter Koch zeigt eines seiner Architekturmodelle.

Walter Koch zeigt eines seiner Architekturmodelle.

Bild: PD

(red) Walter Koch ist in Diessenhofen weitherum bekannt. Sein Modell der Diessenhofer Rheinbrücke ist berühmt und wurde bereits mehrmals ausgestellt. Weniger bekannt ist, dass Walter Koch zahlreiche weitere Architekturmodelle von bestehenden und abgerissenen Altstadthäusern in seiner Werkstatt geschaffen hat, auch ein Modell der Andelfingerbrücke und einiger Sakralbauten.

Walter Kochs neue Ausstellung im Museum Kunst + Wissen in Diessenhofen, die am kommenden Samstag Vernissage feiert, beleuchtet nicht nur sein bauhistorisches Interesse, sondern ebenso seine Biografie.

Pflegeeltern geben festen Boden unter den Füssen

Walter Koch wird in Luzern am 21. Januar 1939 geboren. Die leibliche Mutter bringt das Kind ins Waisenhaus Antoniushaus in Solothurn. Aber Gott hat für das Kind bessere Pläne, denn Walter Koch wird von Pflegeeltern aus Diessenhofen aufgenommen. Es geht ihm da sehr gut. Die Erziehung ist zwar hart und streng. Vermittelt werden ihm Grundwerte wie Gewissenhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Fleiss. Zu Grunde steht der Katholizismus, der in der Familie stark verankert ist. Die Adoption durch die Pflegeeltern gibt ihm festen Boden unter den Füssen.

Der Glaube spielt im Leben von Walter Koch bis in die Gegenwart eine sehr grosse Rolle. Bis heute unternimmt er immer wieder Wallfahrten zu besonderen Orten wie Lourdes, Fatima oder Medjugorje. In der Musikwelt schlägt sein Herz für die Handorgel. Er ist im Volksmusikverband und spielt bis heute immer wieder in «Stubeten» in der nahen Umgebung. Er spielt ab Noten, aber auch aus dem Stegreif. Vor allem im Sommer ist sein fröhliches Spiel oft in den verwinkelten schönen Gassen von Diessenhofen zu hören. Er singt zudem 52 Jahre lang im Kirchenchor in Diessenhofen.

Fundierte Kenntnisse der traditionellen Baukultur

Sein Haus in Diessenhofen an der Hintergasse 21 kauft er 1965 mit eigenen Mitteln, um seinen Eltern und sich selber ein eigenes Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Und beruflich hat er Erfolg. Nach acht Jahren Primarschule folgt die Lehre als Zimmermann in Niederneunforn und an der Gewerbeschule in Weinfelden. Es gibt fast kein Haus in der Altstadt von Diessenhofen, welches keine grössere oder kleinere Reparatur von Koch erfahren hat. Auch wirkte er bei der Sanierung der Rheinbrücke in Diessenhofen im Jahr 1973 mit. Die Bombardierung der Brücke während des Zweiten Weltkriegs hatte er als Kind selbst miterlebt. Die Modelle von Altstadthäusern oder Brücken entstehen in seiner sauber gehaltenen Werkstatt.

Als gelernter Zimmermann besitzt er fundierte Kenntnisse der traditionellen Baukultur. Er schafft vor allem von jenen Gebäuden ein Architekturmodell, zu denen er einen lebensgeschichtlichen Bezug hat. Die Ausstellung zeigt sowohl sanierte, somit gerettete, wie auch verschwundene Bauten – vor allem aus Diessenhofen und Umgebung, aber auch von anderen Orten, die im Leben von Walter Koch eine wichtige Rolle spielen.

Vernissage mit Apéro und Handorgelspiel von Walter Koch: Samstag, 20. Juni, 16Uhr, Museum Kunst + Wissen, Museumsgasse 11, Diessenhofen

Mehr zum Thema