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Waldwirtschaft: «Die Lage ist prekär – wir prüfen Kurzarbeit»

Die Holzpreise liegen schon lange im Keller. Dann machte 2018 das Wetter und der Borkenkäfer den Waldbesitzern das Leben noch schwerer. Urs Fuchs, Geschäftsführer des Thurgauer Waldeigentümerverbands, spricht über die schwierige Situation der Waldwirtschaft.
Silvan Meile
Urs Fuchs, Geschäftsführer von Wald Thurgau und Revierförster in Güttingen. (Bild: Reto Martin)

Urs Fuchs, Geschäftsführer von Wald Thurgau und Revierförster in Güttingen. (Bild: Reto Martin)

Urs Fuchs, was bekommen Sie von den Thurgauer Waldeigentümern in der letzten Zeit zu hören?

Es herrscht eine grosse Unsicherheit. Niemand weiss, wie sich der Holzmarkt entwickelt. In diesem Jahr sind durch Stürme, die enorme Trockenheit und vor allem wegen des Borkenkäfers riesige Mengen an Fichtenholz angefallen. Die Zwangsnutzung brachte den Nadelholzmarkt teilweise zum Erliegen, auch weil praktisch in ganz Europa diese extremen Bedingungen herrschten.

Bereits im September forderte der Kanton aufgrund dieser schwierigen Situation dazu auf, kein zusätzliches Fichtenholz mehr zu schlagen, um den Markt zu entlasten. Blieb dieser Aufruf wirkungslos?

Nein, das nicht. Aber es liegen noch immer riesige Mengen unverarbeitetes Holz in Zwischenlagern ausserhalb der Wälder. Dieses zusätzliche Holz können die Sägereien voraussichtlich erst im Frühjahr 2019 verarbeiten. Deshalb rufen auch wir die Waldbesitzer auf, bis auf Weiteres kein frisches Nadelholz zu schlagen. Das soll den Markt entlasten und die Bestände senken, damit die Sägereien im Frühsommer 2019 wieder aufnahmefähig sind für Frisch- und Käferholz. Nur mit Solidarität unter den Waldbesitzern kann die angespannte Holzmarktsituation wieder verbessert werden.

Ein Stopp der Holznutzung trifft vor allem die Forstbetriebe, die sich für Winter auf den Holzschlag ausrichten.

Forstbetriebe können tatsächlich Probleme bekommen, ihre Mitarbeiter zu beschäftigen. Wir vom Verband der Waldbesitzer wollen die Forstarbeiter nicht im Stich lassen, suchen nach Möglichkeiten für andere Beschäftigungen. Für den Fall der Fälle kläre ich derzeit aber beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit auch ab, unter welchen Bedingungen Forstbetriebe allenfalls Kurzarbeit anmelden können. Die Lage ist prekär.

Welche Alternativen bieten sich sonst an für die Arbeiter?

Die Forstbetriebe können die Arbeitskräfte möglicherweise auch in die Waldpflege oder für den Unterhalt von Waldstrassen einsetzen. Vielleicht ergeben sich für das Forstpersonal auch Einsätze in waldwirtschaftsnahen Branchen.

Nach dem milden Herbst sind die Temperaturen nun deutlich gefallen. Der Borkenkäfer zog sich zurück. Wie schätzen Sie die Situation für nächsten Frühling ein?

Die Fichten sehen noch immer gestresst aus. Kommen nochmals zwei, drei derartige Sommer auf uns zu, dann sehe ich schwarz. Nachdem die Borkenkäfer anfangs vor allem im westlichen Thurgau wüteten, waren im Spätherbst auch alle anderen Kantonsteile stark betroffen. Die Käfer werden in grossen Zahlen überwintern. Wenn die Bedingungen im nächsten Jahr wieder ähnlich sind, wird weiter mit massiven Befällen zu rechnen sein.

Hat die Fichte, der wirtschaftlich lukrativste Baum, bei uns überhaupt eine Zukunft?

Reine Fichtenwälder werden heute nicht mehr gepflanzt. Die Zukunft gehört anderen Baumarten. Dazu gehören etwa Ahorn, Buche oder Esche. Einzelne Fichten sollen aber auch in Zukunft ihren Platz im Wald haben. In Mischwäldern sind sie deutlich weniger anfällig.

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