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Waldbrand und Wassermangel: Regionaler Führungsstabs probt in Frauenfeld den Notstand

Mehr als nur «Räuber und Poli». An seiner Alarmübung vom Freitag übte der Regionale Führungsstab der Zivilschutzregio (ZSR) Frauenfeld den Ernstfall. Letztmals im Einsatz kam ein Stabschef des Regionalen Führungsstab bei den Überschwemmungen in Kradolf-Schönenberg im 2015.
Samuel Koch
Stabschef Peter Holliger koordiniert alle Infos und nimmt die Massnahmen der Mitarbeitenden der Teilstäbe auf. (Bilder: Samuel Koch)

Stabschef Peter Holliger koordiniert alle Infos und nimmt die Massnahmen der Mitarbeitenden der Teilstäbe auf. (Bilder: Samuel Koch)

Die Region schwitzt, meteorologisch grassiert das Fieber. Wochenlang herrschen Temperaturen von weit über 30 Grad. Flüsse und Bäche verkommen zu Rinnsalen. Die Hitze hat die ganze Region fest im Griff – mit Folgen: Südlich von Frauenfeld zwischen Gerlikon und Thundorf, auf dem Seerücken oberhalb von Mammern und am Stammerberg unweit der Kantonsgrenze kommt es zu flächendeckenden Waldbränden.

Wegen der Dürre schwinden auch die Vorkommen in den Wasserreservoirs der Gemeinden in der Thurebene, Bakterien verseuchen das Trinkwasser und bringen die Versorgung in Gefahr. Im Rhein bei Diessenhofen verenden wegen der hohen Wassertemperaturen Tonnen von Fischen. Die Bevölkerung leidet, die Behörden des Bezirks schlagen Alarm und rufen den Notstand aus.

In Anlehnung an den Hitzesommer 2018

Michel Sennhauser Abteilungsleiter Kantonaler Führungsstab.

Michel Sennhauser Abteilungsleiter Kantonaler Führungsstab.

Was wie ein völlig realitätsfremdes Szenario klingt, hat am Freitag der Regionale Führungsstab der Zivilschutzregio (ZSR) Frauenfeld im Ausbildungszentrum Galgenholz geprobt. Nicht so fernab der Wirklichkeit hört sich die Übung jedoch für jene an, die an diesen Sommer zurückdenken. Das fiktive Szenario ausgedacht haben sich Michel Sennhauser und Adrian Stieger vom kantonalen Amt für Bevölkerungsschutz und Armee (Aba).

«Wir haben unseren Leistungsauftrag zum Schutz der Bevölkerung»

sagt Sennhauser, der in der Übung als Leiter des Kantonalen Führungsstabs fungiert, hie und da Inputs gibt sowie Verbesserungsvorschläge anbringt.

Stabsmässig die Führung im Bezirk obliegt als Unterstützung der örtlichen Exekutivbehörden aber Peter Holliger, der seit mehr als zwei Jahren die seit anfangs Jahr reorganisierte ZSR Frauenfeld führt. Im ganzen Kanton gibt es lediglich fünf weitere Stabschefs, im Bezirk ist Holliger der einzige. Letztmals im Ernstfall zum Einsatz gekommen ist ein Stabschef des Regionalen Führungsstabs im Thurgau bei den heftigen Regenfällen und darauffolgend schweren Überschwemmungen in Kradolf-Schönenberg 2015.

Beim Stabschef laufen die Fäden zusammen

Am Freitag seit 7 Uhr morgens nun laufen bei Peter Holliger alle Fäden rund um die Folgen der fiktiven Hitzeperiode zusammen, den Sennhauser und Stieger davor nur spärlich mit Infos fütterten. Bereits Anfang der Woche bot Holliger das notwendige Personal auf.

«Heute geht es darum, alles zur Verfügung stehende Wissen und Können zu kanalisieren»

sagt Holliger, der sich im Minutentakt neuen Herausforderungen stellen muss. Plötzlich verschärft sich die Situation südlich von Frauenfeld, ein Grossteil der Bevölkerung muss evakuiert werden. Zudem hat das Fischsterben im Rhein unerwartete Ausmasse angenommen. Holliger eilt von Tisch zu Tisch, an welchen die Mitarbeitenden der Teilstäbe Brand, Wasserversorgung, Sicherheit und Medien eine Lagebeurteilung machen und mögliche Massnahmen besprechen.

«Das ist klassisches Krisenmanagement»

sagt Holliger, der in dieser Materie geübt ist. Zuletzt arbeitete er als Berufsoffizier der Luftwaffe im Führungsstab bei den Abstürzen des Helikopters am Gotthard im Oktober 2016 oder der F/A-18 in Frankreich im Oktober 2015.

Mitarbeitende der Teilstäbe besprechen mögliche Massnahmen.

Mitarbeitende der Teilstäbe besprechen mögliche Massnahmen.

«Wie sieht die Lage aus», fragt Holliger bei einem der gemeinsamen Rapporte in die Runde. Die Besprechung von Sofortmassnahmen und deren Priorisierung folgt. Mögliche Entscheide werden festgehalten und diskutiert, aber nicht beschlossen. Denn trotz aller Vorarbeit von Holliger und seinen Mannen liegt die finale Kompetenz bei den Exekutivbehörden der betroffenen Gemeinden. So haben etwa Frauenfelds oder Matzingens Behörden zu entscheiden, ob die St. Gallerstrasse während eines Grossbrandes für den Verkehr gesperrt wird. Aus allen Gemeinden sitzen zudem Vertreter in der Kommission der ZSR Frauenfeld, der Müllheims Gemeindepräsident Urs Forster vorsteht.

«In den jährlich rund drei Kommissionssitzungen behandeln wir primär personelle Traktanden»

Urs Forster, Kommissionspräsident ZSR Frauenfeld. (Bild: PD)

Urs Forster, Kommissionspräsident ZSR Frauenfeld. (Bild: PD)

sagt Forster. Peter Holliger trommelt derweil sein Team zusammen, um für jede Massnahme ein Konzept mit Vor- und Nachteilen zu erstellen. «So erleichtern wir den politischen Vertretern danach die Entscheidungen», sagt er. Trotz Einladung aller 23 Gemeindepräsidenten des Bezirks haben am Freitag nur deren drei den Weg ins Galgenholz gefunden. Dem Enthusiasmus der an der Übung Beteiligten des ZSR Frauenfeld tat dies jedoch keinen Abbruch.

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