WAHLSONNTAG
Ein ehemaliger Spitzensportler und Banker, der sich Gegenwind gewohnt ist: Der auswärtige Roland Schnider kandidiert als Hüttwiler Gemeindepräsident

Er stammt aus dem Zürcher Oberland, ging 2019 als Banker bei der UBS AG in Frühpension und sucht nun eine neue Herausforderung. Der 62-jährige Roland Schnider will den Leuten zuhören, kann aber auch harte Entscheide treffen.

Mathias Frei
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Roland Schnider kandidiert für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Roland Schnider kandidiert für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Bild: Andrea Stalder

Wie die Jungfrau zum Kind: So ist Roland Schnider zur Kandidatur gekommen für das Hüttwiler Gemeindepräsidium – und damit Mitbewerber geworden von Bruno Kaufmann bei der Ersatzwahl. Am 7.März findet der erste Wahlgang statt für die Nachfolge von Hanspeter Zehnder, der sein Amt diesen Sommer abgibt.

«Per Zufall habe ich das Stelleninserat auf ostjob.ch gesehen, und es hat mein Interesse geweckt.»

Das erzählt der 62-jährige Schnider. Dann erfolgte die erste Kontaktaufnahme mit Findungskommissionspräsident Patrick Siegenthaler. Der Rest ist Geschichte. 2019 war Schnider in Frühpension gegangen. «Das kann es noch nicht gewesen sein», sagte er sich. Er wollte noch etwas machen, eine neue Herausforderung annehmen.

Schnider ist der Auswärtige, der zwar einige Zeit in Volketswil einen Schul-Elternrat präsidierte, aber keine Erfahrung hat mit politischen Exekutivämtern. Das wiederum könne ihm auch zum Vorteil werden, sagt er. Denn er hat die wertvolle Aussensicht, kann im Fall einer Wahl die Situation unvoreingenommen analysieren.

«Ich werde die Gemeindepolitik gewiss nicht auf den Kopf stellen.»
Hüttwiler Gemeindepräsident bis Sommer 2021: Hanspeter Zehnder.

Hüttwiler Gemeindepräsident bis Sommer 2021: Hanspeter Zehnder.

Bild: Reto Martin

Aber wo er Optimierungspotenzial sehe, da werde er auch aktiv. Dass er anpacken kann und will, hat der politische Quereinsteiger beruflich während langer Jahre bewiesen. Schnider (Jahrgang 1959) ist im sanktgallischen Walenstadt aufgewachsen. Im Zürcher Oberland machte er eine Lehre zum Maurer, bildete sich zum Bauführer weiter. In der Region blieb er auch lange, beruflich jedoch schlug er einen neuen Weg ein. Schnider absolvierte die Handelsschule, landete 1982 bei der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG). Er war zehn Jahre lang Vizedirektor, danach ebenso lange stellvertretender Direktor. Schnider war am Zusammenschluss von SBG und Bankverein beteiligt, gehörte dem UBS-Direktionskader an. Ein Mann mit langjähriger Führungserfahrung.

Schnider weiss, was er kann. Aber durch seine reflektierte Art muss er seine Qualitäten nicht an die grosse Glocke hängen.

«Ich habe immer hart gearbeitet. Und als Banker spürte ich schon mal Gegenwind.»

In seiner Funktion hörte Schnider den Leuten zu. Für die UBS arbeitete Schnider auch ein Jahr lang in New York, er flog regelmässig nach Singapur, Hongkong und Tokio. «Die Zeit im Ausland hat mich offen gemacht für Neues.»

Finanzen sind Teil von nachhaltigem Wachstum

Seit Schniders Entscheid für die Kandidatur hat er Hüttwilen schon mehrere Male besucht, sich umgeschaut, auch ab und an mit Leuten auf der Strasse gesprochen.

«Ein wunderschöner Flecken Erde.»

Die Landschaft beeindruckt ihn. Diese Qualitäten müsse man erhalten. Unbedingtes Wachstum ist für ihn kein probates Mittel. Vielmehr setzt er auf Nachhaltigkeit. «Und dazu gehört natürlich auch die finanzielle Situation der Gemeinde inklusive Steuerfuss.» Aktuell lebt Schnider gar nicht so weit vom Seebachtal entfernt, nämlich in Andelfingen, mit seiner Partnerin. Aus erster Ehe, die mittlerweile geschieden ist, hat er zwei erwachsene Söhne. Eine Zeit lang wohnte Schnider in Winterthur-Iberg.

Er habe privat und beruflich schöne Zeiten erlebt. Was ihn auch schon immer geprägt hat, ist der Sport. Heute wandert er gerne, spielt Curling, bis Mitte seiner Zwanzigerjahre war Schnider Mitglied der Schweizer Leichtathletik-Nationalmannschaft. In Uster kam er zum Speerwerfen. Für den Leichtathletikclub Uster und die Leichtathletikvereinigung Winterthur holte er mehrere Titel, war unter anderem Vorarlberg-Meister, und gehörte zu den besten nationalen Elite-Speerwerfern. Schnider sagt:

«Aus dem Sport habe ich den Durchhaltewillen.»

Doch dann stand er vor dem Entscheid: Beruf oder Sport? Er entschied sich für Ersteres. «Wenn ich etwas mache, dann richtig.» Sein Alter von 62 Jahren sieht er im Übrigen keineswegs als Nachteil. Er sei vital, achte auf seine Gesundheit. Im Fall einer Wahl sieht er keine Probleme, das Gemeindepräsidium auch länger auszuüben. «In einem Gremium wie einem Gemeinderat braucht es unbedingt auch die erfahrenen ‹Seniors› wie Bruno Kaufmann oder mich.»