Interview

«Warmlaufen für die Grossratswahlen»

Thurgauer Parteien vor der Wahl (6/9): EVP-Präsident Wolfgang Ackerknecht sagt, wieso Nationalratswahlen auch für eine Kleinpartei wichtig sind.

Sebastian Keller
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Wolfgang Ackerknecht präsidiert die EVP Thurgau. Er wohnt in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Wolfgang Ackerknecht präsidiert die EVP Thurgau. Er wohnt in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Die EVP Schweiz feiert ihr 100-Jahr-Jubiläum. Welchen Geburtstagswunsch haben Sie für die EVP Thurgau?

Wolfgang Ackerknecht: Dass wir uns als Partei mit unseren Werten und Schwerpunkten im Thurgau präsentieren können.

Die EVP verlor in den Thurgauer Stadtparlamentswahlen drei von zehn Sitzen. Das ist nicht ermutigend.

Das tut uns natürlich weh. Als Partei mit wenigen Sitzen schmerzt ein Verlust umso mehr. Wir als Mittepartei leiden darunter, dass der Klimawandel Linksgrün Aufwind gibt.

Der Wähleranteil der EVP lag 2015 bei 2,3 Prozent. Nun ist das Ziel 3 Prozent.

Man muss das Ziel hochstecken, um Ehrgeiz zu entwickeln und die Mannschaft zu motivieren. Das ist nicht ganz einfach, wir kämpfen mit wenigen Mitteln – personell wie finanziell. Aber mit Zuversicht.

Drei Prozent reichen trotz Listenverbindung mit der BDP und der CVP nicht für einen Sitz.

Der Nationalratswahlen sind für uns ein Warmlaufen für die Grossratswahlen.

Sie selber kandidieren nicht mehr für den Nationalrat.

Mit meinem Rücktritt aus dem Grossen Rat ist Roland Wyss nachgerückt. Deshalb wollten wir ihn im Hinblick auf die Grossratswahlen bereits bei den eidgenössischen Wahlen ins Bild setzen.

Wie lautet die Zielvorgabe für den Frühling: Die fünf Sitze im Grossen Rat halten?

Das ist ganz klar, die fünf Sitze sind unser Minimumziel. Es gibt auch Bezirke, in denen wir allenfalls zulegen können.

Sie haben bei den eidgenössischen Wahlen eine Listenverbindung mit der BDP und der CVP. Ist die EVP der Juniorpartner, welcher hilft, den CVP-Sitz zu sichern?

Das ist so. Wir sind mit der CVP in einer Fraktionsgemeinschaft im Grossen Rat, die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.

Ist die Unterstützung nur einseitig?

Ich denke, auch wir profitieren von CVP-Wählern und anderen Kreisen, welche die Mitte stärken wollen.

Wir wollen helfen, den CVP-Sitz zu verteidigen.

Im Grossen Rat haben wir kein unbedeutendes Gewicht. Man spricht gerne vom Zünglein an der Waage. Das tönt schön, aber bei gewissen Themen kann dies entscheidend sein.

Klima- und Umweltschutz haben Konjunktur. Steht die EVP abseits?

Nein. Bei der kantonalen Biodiversitätsinitiative sind wir dabei. Uns geht es um die Menschen und die Umwelt. Ethisches Wirtschaften, sorgsamer Umgang mit der Umwelt, gesunde Entfaltung des Menschen – das spielt alles zusammen. «Mit Leidenschaft für Mensch und Umwelt» lautet unser Motto.

Ist das der Gedanke, der im Begriff Enkeltauglichkeit, den die EVP prägt, steckt?

Das ist richtig. Wir sind der Meinung, man muss an die nächste Generation denken und überlegen, was unser Handeln für sie bedeutet.

Wir sagen: Eine Verlangsamung tut allen gut, weshalb wir für qualitatives statt quantitatives Wachstum sind.

Der Wohlstand muss sich auch am Wohl der Schwächeren messen lassen können.

Der Begriff Nachhaltigkeit ist in der Bibel nicht zu finden. Lesen Sie ihn trotzdem?

Nachhaltigkeit meint auch einen sorgsamen Umgang mit der Natur. Es geht darum, dass die Menschen wieder ein stärkeres Bewusstsein zur Schöpfung haben.

In diese Richtung geht es bei der eidgenössischen Konzernverantwortungs-Initiative, die wir mittragen.

Die Grosskonzerne machen mit Rohstoffen das grosse Geld. Daher darf man sie bei den Menschenrechten und dem Umweltschutz in die Pflicht nehmen.

Finden Sie das ein attraktives Wahlkampfthema?

Attraktiv? Es ist ein Thema, das uns wichtig ist. Unsere treue Wählerschaft erwartet in solchen Fragen von uns, dass wir zu unseren Werten stehen. Das ist unsere DNA, Teil unseres Job.

Wie steht es um den politischen Nachwuchs der EVP?

Im Oktober 2018 Jahre haben wir die junge EVP Thurgau gegründet. Das Team um Pascale Leuch ist motiviert unterwegs. Bei den Grossratswahlen wollen sie in jedem Bezirk mit einer Liste antreten. Das ist ehrgeizig.

Die EVP ist eine ältere Kleinpartei. Machen Ihnen die alten Grossen oder die neuen Kleinen das Leben schwer?

Wahrscheinlich beide. Ich glaube nicht, dass uns die kleinen mehr Stimmen wegnehmen als die grossen. Wir müssen unseren Weg gehen, manchmal mit anderen zusammen.

Im Frühling sind Regierungsratswahlen. Ist eine EVP-Kandidatur ein Thema?

Das wäre natürlich spannend. Im Ernst: Wir müssen akzeptieren, dass unsere Chancen und Möglichkeiten begrenzt sind.

Finden sie es gut, dass Kleinparteien bei allen Wahlen mitmischen?

Wahlkämpfe beflügeln das Geschäft. Die Etablierten müssen sich dadurch rechtfertigen und anstrengen. Das ist sicher gut.

Zurück zum EVP-Geburtstag. Wofür soll die Thurgauer Sektion die nächsten 100 Jahre stehen?

Sie wird als faire Brückenbauerin und Partnerin wahrgenommen. Sie soll der Familie einen hohen Stellenwert einräumen, zu einem guten politischen Klima beitragen und hoffentlich eine ermutigende Stimme sein und bleiben.