Wagenhausen
Kritik am Hochwasserschutz: «Die schwächste Stelle im Erddamm bleibt beinahe unverändert.»

Vor der Urnenabstimmung vom 20. Dezember kritisiert ein Wagenhauser die weiteren Ausgaben für den Hochwasserschutz. Gemeindepräsident Roland Tuchschmid nimmt Stellung.

Margrith Pfister-Kübler
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Stimmbürger befürchten, dass bei Hochwasser oder Dammbruch diese Unterführung gefährlich werden könnte.

Stimmbürger befürchten, dass bei Hochwasser oder Dammbruch diese Unterführung gefährlich werden könnte.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

«Die Planung ist aufwendig und exakt. Da wird die Arbeit der Ingenieure nochmals durch andere Ingenieure kontrolliert. Ich habe Vertrauen in diese Fachleute», sagt Wagenhausens Gemeindepräsident Roland Tuchschmid und legt das Flugblatt von Fritz Zogg zur Urnenabstimmung vom 20. Dezember vor. Dann entscheiden die Stimmberechtigten über die Rechnung 2019 und das Budget 2021.

Zogg kritisiert die weiteren Ausgaben für den Hochwasserschutz und hält den Finger auf das Einlaufbauwerk Wisetal, welches «die schwächste Stelle im Erddamm beinahe unverändert lässt, womit der einzige Schulweg von Wagenhausen nach Kaltenbach sehr gefährlich bleiben würde.» Höher als ein Meter käme einem in der Bahnunterquerung das Wasser entgegen.

«Für alle Einwohner an der Dorfstrasse, im Schwarzloch und an der Schmittenbachstrasse ergäbe es sehr gefährliche Situationen», ist Fritz Zoggs Flugblatt zu entnehmen. Zudem weist er auf weitere Positionen bei den Investitionen, die auch den Bachdurchlass beim Camping betreffen, hin. Zogg schreibt: «Sicherheit hat oberste Priorität.»

Gemeindepräsident schätzt das Engagement

Pandemiebedingt wurde die Gemeindeversammlung vom 27. November abgesagt. Deshalb zeigt Gemeindepräsident Tuchschmid Verständnis für das System Flugblatt. Die Stimmberechtigten von Wagenhausen seien engagiert und hielten mit Meinungen nicht hinterm Berg. Tuchschmid sagt:

«Wir schätzen dieses Engagement, so zeigt sich, dass wir eine grosse Gemeinschaft sind.»
Roland Tuchschmid, Gemeindepräsident von Wagenhausen.

Roland Tuchschmid, Gemeindepräsident von Wagenhausen.

Bild: PD

Er blendet zurück ins Jahr 2014, denn der Hochwasserschutz ist ein laufendes Projekt. Der Bruttokredit von gut 2,58 Millionen Franken für das gesamte Massnahmenpaket zur Verbesserung des Hochwasserschutzes von Kaltenbach, Wagenhausen und Stein am Rhein ist mit dem Budget 2015 am 28. November 2014 knapp angenommen worden. 69 Ja- zu 53 Nein-Stimmen plus neun Enthaltungen.

Als grosse Geldgeber beteiligen sich der Bund mit 45 Prozent an den Kosten, der Kanton Thurgau mit 35 Prozent und die Stadt Stein am Rhein mit 250'000 Franken. Für die Gemeinde Wagenhausen verblieben Kosten von rund 800'000 Franken.

Inzwischen wurde einiges realisiert. Die Gefahrenkartierung über Hochwasserrisiken wurde vom Kanton Thurgau in Auftrag gegeben. Dabei wird von einem Hochwasser ausgegangen, wie es nur alle 100 Jahre zu erwarten ist.

Zwei Dämme und ein neuer Durchlass

In Wagenhausen würde sich so ein Hochwasser den Weg über den Steilhang ins Industriegebiet Stein am Rhein suchen sowie ins Wohngebiet Degerfeld. Ein Teil der Hochwasserwelle käme in und neben dem Steibach via Sägi zur Kreuzung von Haupt- und Käsereistrasse.

«Starkregen dringt nicht so gut in den Boden ein wie Nieselregen», sagt Tuchschmid und weist auf die topografischen Gegebenheiten südlich der Bahnlinie und im Gebiet Eichenbühl hin, wo zwei Dämme gebaut wurden und ein neuer Durchlass unter der Bahnlinie so angelegt wird, dass eine Überflutung verhindert wird. Er fügt hinzu:

«Unwetter lassen sich kaum präzise vorhersagen. Immer öfter laden örtlich begrenzte Regen- und Gewitterwolken ihre Last schnell und in grossen Mengen ab.»

Deshalb hätten sie mit Fachleuten alles bis ins Detail angeschaut, betont Tuchschmid und hofft, dass Rechnung 2019 und das Budget an der Urne 2021 Zustimmung finden.