Wagenhausen
100 Tage für saubere Mode: Chiara Marty hat die Challenge im «Silver Ox» angenommen

Die 27-jährige Chiara Marty aus dem Kanton Graubünden arbeitet derzeit im «Silver Ox» in Wagenhausen an ihrer Idee einer Plattform für mehr Transparenz in der Textilbranche. In der vorgegebenen Zeit muss sie einen Prototyp der Website entwerfen. Ansonsten muss sie einen Wetteinsatz leisten. Unterstützung hat sie bei ihrer Arbeit von den Mieterinnen und Mietern im Riegelhaus am Rhein.

Janine Bollhalder
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Chiara Marty vor dem Haus «Silver Ox» in Wagenhausen.

Chiara Marty vor dem Haus «Silver Ox» in Wagenhausen.

Bild: Benjamin Manser

100 Tage hat Chiara Marty Zeit, ihre Idee umzusetzen. Die 27-Jährige will eine Plattform aufbauen, wo sie Informationen zur Textilbranche vermitteln will. Etwa woher die Materialien für Kleidungsstücke kommen und wie sie verarbeitet werden. Die gelernte Bekleidungsgestalterin verbringt diese Zeit im «Silver Ox», einem Riegelhaus mit sieben Mietwohnungen in Wagenhausen. Sie kann sowohl die Räumlichkeiten nutzen, als sich auch mit den Mieterinnen und Mietern, den sogenannten Silvers, austauschen.

Das Vorhaben ist vom Verein «Silver Ox» ins Leben gerufen worden und entstanden, als für das Haus – ehemals unter dem Namen «Ochsen» bekannt – eine Totalsanierung fällig war. Besitzerin Eveline Herzer wollte dafür sorgen, dass sich die Bewohner, Personen im Alter über 50 Jahre, nicht einsam fühlen, aktiv bleiben und ihre Erfahrungen an die nächste Generation weitergeben können.

In Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Gemeindepräsidenten Wagenhausens, Harry Müller, «Silver Ox»-Geschäftsstellenleiter Andreas Schmid und Generation-Z-Experte Yannick Blättler ist das Mehrgenerationenprojekt entstanden. Finanzielle Unterstützung kommt vom Projektpatronat, das den Verein mit privaten Mitteln unterstützt. Ausserdem wird die diesjährige Challenge von Isa Bodywear gefördert.

100 Stunden soziale Arbeit

Die Vorgängerin von Marty, Laura Matter, hat sich als erste Person überhaupt der 100-Tage-Challenge angenommen. Sie hat eine Dating-App namens «noii» entwickelt, welche zum erfolgreichen Start-up avancierte. Wie auch Matter hat Marty einen Wetteinsatz aussuchen müssen.

Das für den Fall, wenn sie es innert der vorgegebenen Zeit nicht schafft, einen Prototyp ihrer Plattform aufzubauen. Sie würde 100 Stunden in der Flickstube der Caritas Zürich aushelfen. «Ich würde das nicht einfach so machen, aber wenn es so weit kommt, wäre es auch nicht schlimm. Ich kann auf diese Weise anderen helfen», sagt Marty.

Chiara Marty schreibt Stichworte auf ein Whiteboard in ihrem Büro im «Silver Ox» in Wagenhausen.

Chiara Marty schreibt Stichworte auf ein Whiteboard in ihrem Büro im «Silver Ox» in Wagenhausen.

Bild: Benjamin Manser

Sie hat nach ihrer dreijährigen Lehre als Bekleidungsgestalterin – früher als Schneiderlehre bezeichnet – ein Studium in Material- und Verfahrenstechnik gemacht. Der Gedanke, eine Plattform für mehr Transparenz in der Textilbranche zu schaffen, ist ihr gegen Ende des Studiums gekommen. Marty erklärt:

«Ich wollte etwas Eigenes machen, selbstständig sein.»

Vom «Silver Ox»-Projekt wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts, eine Freundin habe sie dann darauf aufmerksam gemacht. Die Anmeldung habe sie Ende September eingereicht. In einem Video erklärte sie, was sie vorhat. Wie schnell es geklappt und sie die Zusage erhalten habe, damit habe sie nicht gerechnet. Für Materialien und andere Ausgaben bezüglich des Projekts stehen Marty während der 100-Tage 3000 Franken zur Verfügung.

Neugier stets bewahren

Inzwischen ist für Marty schon bald die vierte Woche im «Silver Ox» abgeschlossen. Noch ist für sie unklar, wie genau die Plattform aussehen und an wen sie sich richten soll. Für die 27-Jährige steht im Fokus, neugierig zu bleiben. Deswegen heisst ihr Projekt auch «Curiosidad» – aus dem Spanischen übersetzt heisst das Neugier. Derzeit geht es für sie darum, herauszufinden, ob sich die Inhalte der Plattform eher an Endkunden oder Produzenten und Labels richten sollen. Sie sagt:

«Nach jedem Gespräch habe ich wieder eine neue Idee.»
Zur Entwicklung der Plattform «Curiosidad» gehört für Chiara Marty viel Recherchierarbeit.

Zur Entwicklung der Plattform «Curiosidad» gehört für Chiara Marty viel Recherchierarbeit.

Bild: Benjamin Manser

Einmal pro Woche findet auch der sogenannte «Silver Talk» statt, wobei Marty die Hausbewohner bei einem gemeinsamen Apéro auf den neusten Stand bezüglich ihres Projekts bringt. Wie sie sagt, ergeben sich dabei stets spannende Gespräche.

Marty ist im Kanton Graubünden geboren. Seit geraumer Zeit lebt sie allerdings mit ihrem Freund in Zürich. «Ich wohne seit längerem wieder einmal so ländlich», sagt sie zur Wohnsituation im «Silver Ox» im Thurgau. Aber sie geniesst die Umgebung und den Tapetenwechsel sehr. Ob Curiosidad nach der 100-Tage-Challenge zum Vollzeitjob wird oder Teilzeit vorangetrieben wird, lässt sich Marty noch offen.

Wer auf dem Laufenden bleiben will, kann Chiara Martys Fortschritt auf Instagram @Silverox_official verfolgen. Wer sie unterstützen will, kann via Survey Monkey eine Umfrage ausfüllen. Der Link befindet sich ebenfalls auf Instagram.

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