Wärme-Kälte-Konzept
Wärme bleibt, Nachhaltigkeit kommt: Stadt Frauenfeld will die Anlagen der Wärme Frauenfeld-West AG übernehmen

Für den seit rund 40 Jahren bestehenden Fernwärmeverbund im Westen der Stadt rechnet der Stadtrat mit Aufwendungen von 1,95 Millionen Franken. Die Rohranlagen sollen mittelfristig ausgebaut werden. Die Zukunft heisst Thurplus Wärme West, die jährlich 21 Gigawattstunden Energie verteilen wird.

Mathias Frei
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Das aktuelle Versorgungsgebiet des Wärmeverbunds in Frauenfeld-West.

Das aktuelle Versorgungsgebiet des Wärmeverbunds in Frauenfeld-West.

Bild: PD

Was ein Wort mehr doch ausmacht. Wärme Frauenfeld AG, da war doch mal was? Jetzt ist es aber die Wärme Frauenfeld-West AG, die auf die politische Traktandenliste kommt. Eben, ein Wort – West – mehr. Der Stadtrat beantragt dem Gemeinderat die Freigabe eines Kredits über 1,95 Millionen für die Übernahme der Anlagen des seit 1980 bestehenden Wärmeverbunds Wärme Frauenfeld-West AG. Im beantragten Kredit ist auch der Betrieb inklusive Instandhaltung für die kommenden zehn Jahre enthalten. Zudem muss das Reglement über die Fernwärmeversorgung in diesem Zusammenhang geringfügig angepasst werden.

Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland und Stadtrat Fabrizio Hugentobler bei der Präsentation des Frauenfelder Wärme-Kälte-Konzepts.

Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland und Stadtrat Fabrizio Hugentobler bei der Präsentation des Frauenfelder Wärme-Kälte-Konzepts.

Bild: Andrea Stalder

Die angepeilte Übernahme dieses Wärmeverbunds ist ein Puzzleteil des vergangene Woche der Öffentlichkeit vorgestellten Wärme-Kälte-Konzepts von Thurplus (ehemals Werkbetriebe Frauenfeld). Die Stadt soll sich in Sachen Heizenergie von Gas zu Fernwärme wandeln. Dabei spielt Abwärme eine wichtige Rolle. Bis ins Jahr 2050 will Thurplus es schaffen, die Frauenfelder Energiekunden mit CO2-neutraler, erneuerbarer Energie zu versorgen.

Stadt Frauenfeld besitzt heute schon 28 Prozent an der WFWAG

Thurplus betreibt bereits den Wärmering (ehemals Wärme Frauenfeld AG) mit kalter Fernwärme der Ara in der Grossen Allmend. Nun soll auch die Wärme Frauenfeld-West AG (WFWAG) ins Portfolio kommen. Die WFWAG befindet sich im Besitz der Schweizer Zucker AG (28 Prozent), der Thurgauer Kantonalbank (28 Prozent), der Stadt Frauenfeld (28 Prozent), der Wohnüberbauung Solitude I (16 Prozent) und von Rechtsanwalt Matthias Hotz (eine Aktie treuhänderisch für die Stadt Frauenfeld). Das Aktienkapital beträgt 200'000 Franken. In der vorliegenden Botschaft heisst es:

«Die Wärmeversorgung der WFWAG versorgt 15 Liegenschaften mit Wärme. Sie produziert diese grossmehrheitlich aus Erdgas (75 Prozent des Jahresenergiebedarfs) und während der Kampagnen der Zuckerfabrik aus der entstehenden Abwärme (25 Prozent des Jahresenergiebedarfs).»
Die Schweizer Zucker AG - im Bild die Zuckerfabrik Frauenfeld - ist Mitinhaberin der Wärme Frauenfeld-West AG.

Die Schweizer Zucker AG - im Bild die Zuckerfabrik Frauenfeld - ist Mitinhaberin der Wärme Frauenfeld-West AG.

Bild: Reto Martin

Der heutige Verbund verteilt 1,9 Gigawattstunden Wärme jährlich. Die Leitungen zur Wärmeversorgung seien über 37 Jahre alt und hätten partiell Sanierungsbedarf. Die Zustandsanalyse habe ergeben, dass der technische Zustand als robust mit einem gewissen Bedarf an Instandsetzungsmassnahmen eingestuft wird. Bereits in jüngerer Vergangenheit hätten erste Energiebezüger gekündigt. Auch würden heuer einige Verträge auslaufen. «Es besteht daher ein dringender Handlungsbedarf, einen Ersatz zur Wärmelösung zu entwickeln und damit den Kunden eine entsprechende Versorgungssicherheit in Aussicht zu stellen.»

Zeithorizont für den Ausbau liegt bei zehn Jahren

Thurplus will die 71,85 Prozent der Aktien, die noch nicht der Stadt gehören, für einen Maximalpreis von 290'000 Franken übernehmen. Die Anlagen kommen vorerst ins Finanzvermögen. Eine spätere Integration in Thurplus Wärme West ist zwingend angedacht. Dann gingen die Anlagen ins Verwaltungsvermögen über. In der Botschaft heisst es:

«Der Zeithorizont für den Betrieb des Wärmeverbundes der WFWAG durch Thurplus ist auf zehn Jahre beschränkt.»

Sollte die Fernwärmeversorgung für den Westen Frauenfelds innerhalb dieses Zeitraums nicht realisiert werden können, ist vorgesehen, dass Thurplus den Wärmeverbund verkauft. Eine mögliche Käuferin wäre zum Beispiel die Bioenergie Frauenfeld AG, die im Vollbetrieb ab Sommer 2022 Heizwärme in einem Holzheizkraftwerk gegenüber der Zuckerfabrik produziert.

Visualisierung des geplanten Holzheizkraftwerks der Bioenergie Frauenfeld AG.

Visualisierung des geplanten Holzheizkraftwerks der Bioenergie Frauenfeld AG.

Bild: PD

Thurplus rechnet im neuen Verbund Thurplus Wärme West mit Nutzenergiebedarf von 21 Gigawattstunden jährlich. Die Wärme soll von besagtem Holzheizkraftwerk kommen, was eine ökologische Aufwertung zur heutigen Gaswärme der WFWAG bedeutet. Den Ausbau bei einem Anschlussgrad von 60 Prozent schätzt Thurplus auf Kosten von 23,8 Millionen Franken. Es besteht ein Potenzial von 245 Anschlüssen.

Konservativ gerechnet ist die WFWAG ein betriebliches Minusgeschäft

Für die Instandhaltung und den Betrieb während der besagten zehn Jahre rechnet Thurplus mit Aufwänden von 1,66 Millionen Franken. Mit den 290'000 Franken für das Aktienpaket kommen so die 1,95 Millionen für den beantragten Kredit zu Stande. Einberechnet ist dabei bereits ein jährliches Defizit im Betriebsergebnis von 10'000 Franken. Dieses basiert gemäss Botschaft «auf einer konservativen Sichtweise, welche die betrieblichen Risiken berücksichtigt, die durch die Übernahme eines bestehenden Wärmeverbundes entstehen». Und weiter:

«Es kann davon ausgegangen werden, dass Thurplus den Wärmeabsatz etwas erhöhen kann, die Kosten für den Betrieb und Instandhaltung optimiert und damit ein ausgeglichenes Jahresergebnis erwirtschaften kann.»

Beim städtischen Fernwärme-Reglement sind Anpassungen beim Geltungsbereich notwendig. Zudem wird neu festgehalten, dass für beide Verbünde eine separate Erfolgsrechnung geführt wird und dass die Tarife der beiden Verbünde nicht identisch sein müssen.