Vorsicht Pollen: Die Heuschnupfensaison beginnt immer früher

Derzeit fliegen Hasel- und Erlenpollen durch den ganzen Thurgau. Der Grund ist der Klimawandel und der milde Winter.

David Grob
Hören
Drucken
Teilen
Haselpollen liegen in der Luft.

Haselpollen liegen in der Luft.

fotolia

Wie eine Wolke erstreckte sich gestern Abend eine dunkelrote Fläche vom Bodensee bis weit über den Thurgau hinaus. Dunkelrot gleich «sehr hohe Belastung» an Erlenpollen verrät die Pollenkarte von MeteoSchweiz, dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie. Der Grund für den Pollenflug ist klar: Sonne, milde Temperaturen – ein Frühlingstag im Februar.

Es ist bei weitem nicht der erste Tag in diesem Winter, an dem die Pollen von Birkengewächsen fliegen. Niesen, Schnupfen, tränende Augen – wer auf Hasel- oder Erlenpollen allergisch ist, wird es bereits an einigen Tagen gespürt haben. Bereits Mitte Januar stieg die Konzentration von Hasel- und Erlenpollen ein erstes Mal an. Nadia Rutsch, Expertin aha! Allergiezentrum Schweiz, sagt:

«Die Haselkätzchen blühten in diesem Jahr rund zwei Wochen früher als normal.»

Bereits anfangs Februar sei die Konzentration von Haselpollen in Münsterlingen sehr hoch gewesen. Normalerweise beginnt die Hasel dann gerade mal zu blühen. «Der Start der Pollensaison ist immer wetter- und temperaturabhängig», sagt Rutsch. Ab fünf Grad blüht die Hasel.

Der Grund für den frühen Start: der milde Winter. MeteoSchweiz hat den sonnenreichsten Januar auf der Alpennordseite und schweizweit den drittwärmsten Dezember seit Beginn von Wetteraufzeichnungen gemessen.

Wie die Schweiz so der Thurgau

Damit zeigt sich im Thurgau das gleiche Phänomen wie in der ganzen Schweiz. «An sieben der 44 Messstationen fand der Blühbeginn noch nie so früh statt wie im aktuellen Jahr», heisst es im Klimabulletin Januar 20 von MeteoSchweiz. Bereits an Weihnachten begannen Haselsträucher in Therwil im Kanton Baselland zu blühen.

Und auch hier ist unschwer zu erraten, was der Grund ist: der Klimawandel. Rutsch sagt:

«Die Saison von Hasel, Birke und Esche beginnt aufgrund des Klimawandels etwa zwei bis drei Wochen früher als vor dreissig Jahren.»

Und auch die Gräser, Hauptfeind vieler Heuschnupfen-Betroffenen, stünden rund zehn Tage früher in Blüte. «Gewisse Pflanzen blühen länger in den Herbst hinein», sagt Rutsch.

Doch wo ist die Belastung im Thurgau derzeit am höchsten? Die dunkelrote Fläche verrät es: Sie ist überall gleich. Hasel und Erlen blühen nun im ganzen Kanton. «Mit Wind verbreiten sich die Pollen grossflächig», sagt Rutsch. Doch man kann Entwarnung geben. Regen und kühles Wetter folgen. Die rote Fläche sollte heute Abend weiss werden: keine Belastung. 

Hilfreiche Apps

Die App «Pollen News» des aha! Allergiezentrums Schweiz bietet dem User einen schweizweiten Überblick über die Pollenbelastung und Informationen über einen spezifischen Standort.

Die App «Pollen» ist ebenfalls kostenlos. Sie zeigt das stündliche Allergierisiko in vier Stufen, die lokale und europaweite Pollenbelastung und bietet auch die Möglichkeit, ein Pollentagebuch zu führen. Auch hier findet sich ein Pollen-Lexikon.

Die App «Ally Science» bedarf einer Registration. Dafür wird man mit dem Eintragen seiner Symptome Teil einer Studie des Universitätsspitals Zürich über Pollenallergie. Die App bietet eine schweizweiten Überblick zur Pollenbelastung. (jab)

Das kann man gegen Heuschnupfen tun

Expertin Roxane Guillod vom aha! Allergiezentrum empfiehlt die folgenden Tipps:

  • Bei starker Pollenbelastung sportliche Aktivitäten nach drinnen verlegen.
  • Draussen eine Sonnenbrille tragen, bei schönem, windigen Wetter nur kurz an die frische Luft gehen.
  • Wäsche nicht im Freien trocknen lassen.
  • Während Pollensaison nur kurz Stosslüften.
  • Vor dem Schlafengehen die Haare waschen.
  • Tagsüber getragene Kleidungsstücke nicht im Schlafzimmer aufbewahren.
  • Mit Desensibilisierung können die Symptome um über 50 Prozent reduziert werden.