Glosse
Vorher noch Winterthur

Murgspritzer: Heimliche und natürliche Hauptstädte sind unappetlich, findet TZ-Redaktor Mathias Frei.

Mathias Frei
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Bahnhof Winterthur. (Bild: Nana do Carmo)

Bahnhof Winterthur. (Bild: Nana do Carmo)

Mathias Frei, Redaktion Thurgauer Zeitung, Frauenfeld

Mathias Frei, Redaktion Thurgauer Zeitung, Frauenfeld

Da war doch kürzlich was zu lesen von heimlichen und natürlichen Hauptstädten. In einem grossen Essay. Oha. Das will was heissen: in einem Essay. Da geht es um das Grosse. Meistens jedenfalls. «Essai» bedeutet auf Französisch «Versuch». Und auch wenn es mit dem Frühfranz zuweilen nicht weit her ist, können Versuche scheitern. Heimliche Hauptstadt: Weinfelden. Natürliche Hauptstadt: Konstanz. Oder sogar Kreuzlingen-Konstanz. Nun ja, Versuch gescheitert. Wobei das legitim ist im «Trial and error»-Prinzip. Denn durch jedes Scheitern kommt man der Problemlösung einen Schritt näher. Nach vielen gescheiterten Versuchen, äh, Essays – gewissermassen «Suchen, bis gefunden» – eröffnet sich einem die Lösung: Es gibt gar kein Problem.

Die Hauptstadt ist Hauptstadt und bleibt Hauptstadt. Geht nicht um richtig oder falsch, geht nicht um Fake-News. Geht drum, was wahr ist. Da kann noch lange einer kommen und schreiben, die heimliche Hauptstadt habe als erste Stadt – ja, ist ja jetzt eine Stadt – im Thurgau eine Lastenvelo-Vermietung. In der Hauptstadt, also der wahren, wenn es denn dieses Attribut wirklich braucht, kann man seit vergangenem Sommer Cargo-Bikes mieten. Aber eigentlich sind das Belanglosigkeiten. Da steht man drüber und denkt sich, dass man lieber vorher noch von Winterthur übernommen wird - bevor es unappetitlich wird mit Markt- und anderen Flecken.

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