Glosse

Münchwilen ist vorbildlich fortschrittlich, aber Eschlikon setzt zum Überholen an

Südsicht auf zwei Hinterthurgauer Gemeinden, die sich in Sachen Progressivität ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

(Bild: Peter Pfistner)

Dass Münchwilen eine vorbildliche Gemeinde ist, würden wir an dieser Stelle selbstverständlich niemals in Abrede stellen. Dass Münchwilen nun gar als Vorbild für Eschlikon dient, finden wir dann aber doch ziemlich bemerkenswert. Gelten doch die Eschliker weit herum als schaurig progressiv. Schliesslich hatten die schon einen grünliberalen Gemeindeammann, als die meisten noch gar nicht wussten, dass man die beiden Prädikate kombinieren kann. Mit ihren Lernlandschaften haben sie fast das Bildungswesen revolutioniert. Kommunizieren tun sie über Crossiety. Und bald haben sie einen Coworking-Space. Nur das mit dem Hightech-Cluster Eschlikon Valley hat nicht ganz so geklappt. Schwamm drüber.

In einem musste sich Eschlikon jedoch ganz klar Münchwilen geschlagen geben. Der Hinterthurgauer Bezirkshauptort hat schon vergangenes Jahr erkannt, dass Einbürgerungen in der Turnhalle ein völliges Unding sind, und – wie eingangs erwähnt – vorbildlich reagiert: Weg mit dem alten Zopf! Dass dabei auch gleich noch Ausländer und 16-Jährige, wenn auch ohne Stimmrecht, an Gemeindeversammlungen zugelassen wurden, zeigt, dass Münchwilen gar fortschrittlicher als der Thurgauer Kantonsrat handelt – was aber auch keine Kunst ist.

So viel Progressivität dort unten im Tal können sie oben in Eschlikon natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Eine neue Gemeindeordnung muss her. Schluss mit dem Einbürgerungszirkus. Und Teenager sowie Ausländer «mit beratender Stimme» an der Gemeindeversammlung. Damit zieht man aber erst gleich mit Münchwilen. Der Eschliker Gemeinderat schafft deshalb auch gleich noch seine Ressorts ab. Wozu genau, wissen wir nicht. Aber es tönt wahnsinnig fortschrittlich.

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