Vor dem Wegwerfen: Erst wird reduziert, dann verschenkt

Detailhändler wie Coop und Migros kämpfen gegen Foodwaste. Abgelaufene Lebensmittel werden an gemeinnützige Organisationen gegeben oder zu Tierfutter weiterverarbeitet. Nur ein kleiner Teil landet in der Kehrichverbrennung.

Ida Sandl
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Durchschnittlich eine ganze Mahlzeit landet pro Schweizer jeden Tag im Müll. (Bild: Helio Hickl)

Durchschnittlich eine ganze Mahlzeit landet pro Schweizer jeden Tag im Müll. (Bild: Helio Hickl)

Eines vorweg: Die grössten Übeltäter sind Herr und Frau Schweizer selbst. Etwa 45 Prozent der Lebensmittelverschwendung geht auf das Konto der privaten Haushalte. Dies hat eine Studie des WWF Schweiz ergeben. Pro Kopf landet jeden Tag eine ganze Mahlzeit im Müll.

Verglichen damit sind die Detailhändler fast schon Musterknaben. Sie sind lediglich für etwa 5 Prozent des Foodwaste verantwortlich. Bei Migros landen 0,03 Prozent der Lebensmittel in der KVA, bei Coop sind es zwischen 0,1 und 0,2 Prozent, sagt Mediensprecherin Marilena Baiatu.

Das Prozedere ist bei nahezu allen Detaillisten ähnlich: Kurz vor dem Ablaufdatum werden die Lebensmittel verbilligt. Was nicht gekauft wird, können die Angestellten zu einem nochmals günstigeren Preis mitnehmen. Die Sachen, die noch gut sind, gehen dann an gemeinnützige Organisationen wie Tischlein-Deck-Dich oder die Schweizer Tafel. Die Mediensprecherin sagt:

«Coop ist die grösste Spenderin von Lebensmittel an die beiden Organisationen»

Der nicht mehr geniessbare Rest wird zu Tierfutter oder Biogas verarbeitet, ein kleiner Teil landet in der Kehrichtverbrennung. Weder Migros noch Coop haben an ihren Verkaufsstellen Container, betonen sie. Die übrig gebliebenen Lebensmittel würden zurück in die Verteilzentren gebracht.

Von entsorgten Lebensmitteln wird dringend abgeraten

Volg hat zwar Container, doch diese seien abgesperrt. «Wir raten aus gesundheitlichen Gründen dringend davon ab, entsorgte Lebensmittel zu konsumieren», erklärt Tamara Scheibli. Sie ist für die Kommunikation zuständig. Volg ist auf kleine Läden spezialisiert, was ein Vorteil sei. Die Verkaufsstellen würden praktisch täglich beliefert und könnten Frischprodukte wie Hackfleisch oder Gemüse in sehr kleinen Mengen bestellen. Dies sei der Grund, warum in den Volg-Läden sehr wenig weggeworfen werde.

Das gilt auch fürs Brot. In allen Läden seien Backöfen im Einsatz. Bei Bedarf könne mehrmals täglich gebacken werden. Und wenn doch mal mehr da ist, als gebraucht wird? «Auf dem Land ist es in der Regel kein Problem, Abnehmer für übrig gebliebenes Brot zu finden», sagt Tamara Scheibli.

Lieber ausverkauft als weggeworfen

Abgelaufenen Lebensmittel sind nicht nur ein moralisches, sondern auch ein finanzielles Problem. Bei Lidl würden die einzelnen Filialen «sehr straff Artikel und Frischwaren bestellen», sagt Kommunikationschefin Corina Milz. «Es kommt durchaus vor, dass vor Ladenschluss diverse Frischprodukte ausverkauft sind.» Denn: Wenn zu jeder Tageszeit jeder Artikel verfügbar sein soll, lässt sich Foodwaste fast nicht vermeiden.