Vor dem Ersten Weltkrieg spielte die Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz keine Rolle

Konstanz ist das einzige deutsche Gebiet, das auf der südlichen Seite des Rheins liegt. Die Grenze zwischen den heute zusammengewachsenen Städte hat nicht immer die gleiche Bedeutung.

Larissa Flammer
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Die Grenze im Gebiet Klein Venedig ist heute offen. (Bild: Larissa Flammer)

Die Grenze im Gebiet Klein Venedig ist heute offen. (Bild: Larissa Flammer)

Konstanz und Kreuzlingen sind heute praktisch eine Stadt. Gelebt wird über die Grenze hinweg. Das war nicht immer so. Ursprünglich war die Stadt Konstanz, die auf der südlichen Seite des Rheins entstanden ist, von einer Mauer umgeben. Vom heutigen Kreuzlingen existierten lange nur einige Höfe und Weiler.

Als 1460 die Eidgenossen den Thurgau besetzten, machten sie vor den Stadtmauern Halt und nahmen Konstanz nicht auf. Historikerin Frauke Dammert erklärt:

«Die alten Orte befürchteten eine Übermacht der Städte.»

Konstanz wäre schon im 15.Jahrhundert und auch später mehrmals gerne der Eidgenossenschaft beigetreten. Stattdessen wurde es Teil des Schwäbischen Bunds, der 1499 den Eidgenossen im Krieg unterlag. Als Folge wurden Rhein und Bodensee als Grenze festgelegt – mit Konstanz als Ausnahme.

Als die Stadt im 16. Jahrhundert an Österreich fiel und rekatholisiert wurde, war die Stadtmauer nicht nur eine Landes-, sondern auch eine konfessionelle Grenze.

Gebiet vor Stadtmauer erst im 19.Jahrhundert besiedelt

Im Dreissigjährigen Krieg um 1633 griffen die Schweden Konstanz von Süden an. Sie besetzten das Kloster Kreuzlingen gleich ausserhalb der Vorstadt Stadelhofen und beschossen von dort die Stadt. Die Belagerung war erfolglos, trotzdem verfügte Konstanz danach eine Bannmeile vor ihren Mauern. Bis ins 19. Jahrhundert hinein durfte dort nicht gebaut werden, «aus Angst vor einem weiteren Beschuss von einem Gebäude aus», erklärt Dammert.

Im 19.Jahrhundert waren es dann die reichen Konstanzer, die dem Gestank der Stadt entflohen und vor den Stadtmauern Villen bauten. Die Historikerin erzählt: «Die Landesgrenze spielte damals keine Rolle, erst mit dem Weltkrieg änderte sich dies.»

In der Zwischenkriegszeit kam der Schmuggel auf, die Hyperinflation in Deutschland lockte wegen der günstigen Preise damals schon Einkaufstouristen an. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Grenze definitiv mit einem Zaun geschlossen.

Der heutige Grenzverlauf zwischen Kreuzlingen und Konstanz

Im Laufe der Jahre gab es mehrere Grenzbereinigungsverträge. Einzelne Quadratmeter wurden abgetauscht, weil sich die Städte veränderten. Dammert nennt ein Beispiel: «Die Grenzstrasse war auf Schweizer Gebiet, das Trottoir auf deutschem.»

Heute pflegen die beiden Städte eine «sehr gute» bilaterale, nachbarschaftliche Zusammenarbeit, betont die Historikerin – obwohl noch immer eine EU-Aussengrenze zwischen den Häusern hindurchführt. Im Gebiet Klein Venedig ist die Grenze seit 2006 sogar offen. Die Kunstgrenze dort ist eine europäische Besonderheit.