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Vor 180 Jahren: Ein Münchwiler Medizinstudent erlebt den Züriputsch hautnah

Der Briefwechsel zwischen dem in Münchwilen und Hurnen praktizierenden Arztes Johann Adam Walder und dessen Sohn Hermann liefert einen interessanten Blick auf den Züriputsch vor 180 Jahren. Während Hermann Walder in Zürich Medizin studiert, berichtet er seinem Vater von der politisch aufwühlenden Zeit.
Markus Schär
Johann Adam Walder praktizierte zwischen 1815 und 1930 und im Haus Zbinden (rechts) in Hurnen. (Bild: Markus Schär)

Johann Adam Walder praktizierte zwischen 1815 und 1930 und im Haus Zbinden (rechts) in Hurnen. (Bild: Markus Schär)

Die Thurgauer Geschichtsliteratur interessiert sich wenig um den politischen Umsturz im Nachbarkanton zur Zeit des Züriputsches vom 6. September 1839, vor 180 Jahren. Umso erfreulicher sind die «Eindrücke eines Thurgauer Medizinstudenten von den Zürcher Ereignissen der Jahre 1838-1840», verfasst von der Historikerin Alice Denzler.

Ihre Arbeit basiert auf dem Briefwechsel zwischen dem in Hurnen und Münchwilen praktizierenden Arzt Johann Adam Walder und seinem Sohn Hermann während seines Medizinstudiums in Zürich zur politisch aufgewühlten Zeit.

Operationen auf dem Stubentisch in Hurnen

Johann Adam Walder (1790-1877) absolviert nach dem Besuch der Volksschule eine dreijährige Lehre beim Bülacher Arzt Johannes Brunner und immatrikuliert sich an der medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. 1815 erhält er vom Thurgauer Sanitätsrat die Bewilligung, «die Medizin, Chirurgie und Geburtshülfe im Kanton Thurgau auszuüben».

Er lässt sich in Hurnen im Haus Zbinden nieder, wo er als Hausarzt und Chirurg auf dem Stubentisch chirurgische Eingriffe durchgeführt haben soll. Um 1830 übersiedelt Walder nach Münchwilen, wo er sich ein Haus baut. Dort wird er Bezirksarzt, Kantonsrat, stellvertretender Bezirksstatthalter und Bataillonschirurg.

Walders Sohn Hermann (1820-1897) kehrt nach dem Medizinstudium in Zürich nach Münchwilen zurück, wo er seinem Vater bei der Besorgung seiner Apotheke und der «bezirksärztlichen Schreibereien» hilft. Er setzt seine Studien in Heidelberg und in Würzburg fort und legt in Zürich das Doktorexamen ab. Um 1850 eröffnet er in Wängi eine eigene Praxis und bleibt dort bis 1880, als er nach Münchwilen zurückkehrt.

Briefwechsel zwischen Vater und Sohn

Mit Beginn des Medizinstudiums Hermann Walders in Zürich interessiert sich sein Vater lebhaft für den Fortschritt seines Sohnes und die Ereignisse in der Limmatstadt. Der Briefwechsel hat dokumentarischen Wert. Hermann Walder vermag die medizinische Ausbildung an der eben gegründeten Universität Zürich zu erwerben. Die medizinische Fakultät geniesst, vor allem wegen Lukas Schönlein (1793-1864), Professor für Therapie und Pathologie sowie Direktor der medizinischen Klinik ein hohes Ansehen.

Auch andere Koryphäen schildert Walder ausführlich. Er berichtet, wie er von seinem Fach begeistert sei und für das Studium der Medizin Lust und Liebe empfinde. Er schreibt auch vom Leben in Zürich, erwähnt die Einweihung der neuen Münsterbrücke, klagt über das teure Leben in der Stadt und erstellt, im Münzenwirrwarr der Zeit, eine Liste der im Thurgau und in Zürich gebräuchlichen Münzen.

Grosse Sorge bereiten dem Thurgauer Medizinstudenten die Ereignisse, welche die Existenz der Zürcher Universität in Frage stellen. 1839 wird David Friedrich Strauss, der Verfasser des umstrittenen «Leben Jesu» zum Professor für Kirchengeschichte und Dogmatik berufen. Vor allem Teile der Landbevölkerung rebellieren dagegen. Hermann schreibt nach Münchwilen:

«Da ich nicht weiss, wie lange die Studenten in die Collegien wandern können, indem die Bauern vom Anzünden der Universität reden, so benutze ich meine Zeit noch recht ... Im Kanton Zürich ist eine grosse Aufregung.»

Wenige Tage später: «... das Volk ist ganz fanatisch. Der Unwille, den es schon mehrere Jahre im Herzen hegte, macht sich endlich Luft. Seminardirektor Scherr (Der Abgesetzte wird Seminardirektor in Kreuzlingen) hat Drohbriefe erhalten, er solle in zehn Tagen das Land räumen, sonst werde er vor seinem Haus aufgeknüpft werden. An vielen Orten kommen die Kinder mit den alten Schulbüchern in die Schule. Wenn ein Pfarrer nur beruhigend predigen will, so laufen ihm die Leute aus der Kirche ... Die Hochschule muss gewiss aufgehoben werden, und so wird das schöne Leben, das sich bereits anfing zu entfalten, wieder zerstört werden.»

Vor Amtsantritt pensioniert

Unter der Leitung des Fabrikanten J. J. Hürlimann-Landis in Richterswil bildet sich das «Zentral- oder Glaubenskomitee», welches im ganzen Kanton die Opposition organisiert. Eine Mehrheit im Volk stellt das Begehren: «Strauss soll und darf nicht kommen». Der Grosse Rat beschliesst, Strauss zu pensionieren, bevor er sein Amt antritt.

Dennoch spitzt sich die politische Lage zu. Die Bauern im Oberland versammeln sich und rücken unter Führung von Pfarrer Hirzel aus Pfäffikon gegen Zürich. Auf dem Fraumünsterplatz versperren ihnen Regierungstruppen die Zugänge zum Zeughaus. Schüsse fallen. Regierungsrat Hegetschweiler wird tödlich getroffen.

Adam Walder bleibt in grosser Sorge. Der Sohn versucht seinen Vater zu beruhigen. In der Folge entspannt sich das politische Leben, Hermann Walder kann sich wieder auf das Studium konzentrieren.

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