Von Leidenschaften und Hilfswörtern: Darüber haben die Schriftstellerinnen Anna Stern und Zsuzsanna Gahse in der Kartause Ittingen gesprochen

Endlich wieder Lesungen, endlich wieder Literatur. Anna Stern und Zsuzsanna Gahse waren am Donnerstagabend zu Gast bei «2x2 – Texte im Museum» in der Kartause Ittingen.

Dieter Langhart
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Im Klostergarten der Kartause Ittingen: die Autorinnen Anna Stern und Zsuzsanna Gahse mit Moderatorin Cornelia Mechler.

Im Klostergarten der Kartause Ittingen: die Autorinnen Anna Stern und Zsuzsanna Gahse mit Moderatorin Cornelia Mechler.

(Bild: Dieter Langhart)

Anna Stern hat zwei Seelen, zwei Leidenschaften. Sie studiert Umweltnaturwissenschaften und promoviert derzeit über Antibiotikaresistenzen. Das Thema passt ganz gut zum Coronavirus, das so manche Lesung aus dem Kulturkalender gestrichen hat. Die Rorschacherin schreibt aber auch leidenschaftlich Prosa. Am Donnerstag bestritt sie den zweiten Teil der kleinen Reihe «2x2 – Texte im Museum» in der Kartause Ittingen, gemeinsam mit der Sprachkünstlerin Zsuzsanna Gahse aus Müllheim.

Die Rorschacher Schriftstellerin Anna Stern in ihrem Lapor an der ETH Zürich.

Die Rorschacher Schriftstellerin Anna Stern in ihrem Lapor an der ETH Zürich.

(Bild: Thomas Hary)

In ihrem dritten Roman «Wild wie die Wellen des Meeres» erzählt Anna Stern die Geschichte eines jungen Paares – einmal vorwärts in der Zeit, einmal im Rückblick. Die schwangere Biologin Ava verzieht sich ins schottische Hochland, Polizist Paul Faber kämpft um ihre Liebe. Stern beschränkt sich auf einen Erzählstrang, liest zwei Episoden, die diese Sätze gemeinsam haben:

«Sie schlafen miteinander. Sie schlafen miteinander ein.»

Zsuzsanna Gahse bringt ihre beiden jüngsten Bücher mit in den lauschigen Klostergarten: «Schon bald» und die Salzburger Poetikvorlesungen «Andererseits», die eng zusammenhängen und parallel entstanden sind.

«Es geht um die Sprache und das Reden.»
Die Schrifstellerin Zsuzsanna Gahse in ihrem Haus in Müllheim.

Die Schrifstellerin Zsuzsanna Gahse in ihrem Haus in Müllheim.

(Bild: Reto Martin)

Das heisst es in «Schon bald», das Moderatorin Cornelia Mechler ein «Erzählexperiment» nennt. In Zsuzsanna Gahses umfangreichem Werk und häufig preisgekröntem spielt die Sprache die Hauptrolle. «Ich will die Grenzen zwischen literarischen Genres aufbrechen, ich arbeite gegen den roten Faden», sagt die Schriftstellerin. So bewegt sie sich in «Schon bald» vom Erzählen über eine Ode an die Hilfswörter hin zum Theatralischen: Eine Gruppe Freunde räumt ein Haus aus und macht es zu einer Bühne, bei der nicht der Regisseur zuoberst steht.

Gahses Interesse an den Sprachen, ihre Lust an deren Bestandteilen, ihre Gedankensprünge und Tempiwechsel durchdringen alles. Auch für Naturwissenschaften interessiert sie sich – und was sie im Gespräch im Klostergarten zu erwähnen vergass: Ihre Bücher, auch «Schon bald», beschäftigen sich mit der Gesellschaft. Das Ausziehen, das Nicht-zu-viel-haben-Wollen ist ein gesellschaftliches Phänomen.

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