Von Dieben, Mördern und Toten: Eine Sommerwanderung zu Diessenhofens kriminellen Flurnamen

Auf Spaziergang mit der Namensforschung: Viele Flurnamen in der Region Diessenhofen haben eine Geschichte. Diese ist zum Teil ziemlich brutal.

Thomas Brack
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Ein Kraftort: die ehemalige Klosteranlage St.Katharinental.

Ein Kraftort: die ehemalige Klosteranlage St.Katharinental.

(Bild: Thomas Brack)

Der Streifzug beginnt an einem magischen Ort: Dem ehemaligen Dominikanerinnenkloster St.Katharinental. Kraftorte wie das St.Katharinental erhalten ihren Zauber nicht nur durch die christliche Mystik, sondern auch durch Geschichten aus der Sagenwelt. Dahinter stecken die Kelten oder auch die nüchternen Römer. Selbst diese sprachen vom «genius loci». Jedenfalls muss im St.Katharinental durch jahrhundertelange Gebete und Psalmen eine besonders starke positive Energie entstanden sein.

Auf dem Mörderbuck befindet sich ein Brätelplatz.

Auf dem Mörderbuck befindet sich ein Brätelplatz.

(Bild: Thomas Brack)

Wenn sich der Wanderer weiter westwärts Richtung Schaffhausen dem Schaarenwald zuwendet, stösst er auf der Wanderkarte auf Flurnamen, die von dramatischen, ja tödlichen Ereignissen künden. Als Beispiele seien etwa «Galgenacker», «Galgenholz», «Siecheholz» oder gar «Mörderbuck» genannt. Die Galgen standen als Zeichen der Hochgerichtsbarkeit häufig an exponierten Stellen und dienten als Abschreckung. Im Fluchwort «Sieche» ist das mittelhochdeutsche «siech» für krank oder aussätzig enthalten. Beim «Mörderbuck» handelt es sich um eine rundliche Erhebung im «Schaarenwald», wo sich wohl ein Mord ereignet hat. Von diesem unheimlichen Geschehen ist heute nichts mehr zu spüren:

Wanderer suchen die Feuerstelle «Mörderbuck» auf und ahnen nichts von der schauerlichen Geschichte dieses Ortes.

Früher wohl viele Äcker beim «Schaarenwald»

Übrigens ist der «Schaarenwald» selbst nach der Pflugschar benannt, einem Teil des Pfluges, der die Erde aufreisst und waagrecht abschneidet. Im Zusammenwirken mit dem senkrecht schneidenden Pflugmesser wird ein Erdbalken losgetrennt, der sich entlang des Streichbeets anhebt und seitlich umlegt. Offenbar befanden sich früher Äcker an einigen Stellen des «Schaarenwaldes».

Interessant ist die Tatsache, dass sich solche Namen nur westlich von Diessenhofen finden, vor allem im Gebiet des «Schaarenwaldes». War dieses Gebiet für Räuber und Strolche etwa besonders geeignet, um Reisende zu überfallen? Lauerten sie vielleicht auch auf die Schiffe auf dem Rhein? Und konnten die Übeltäter dann mit ihrer Beute in den Wäldern rund um den «Cholfirst» oder «Buechberg» verschwinden? Reisen im Mittelalter waren beschwerlich und gefährlich. Es brauchte triftige Gründe, die sicheren Stadtmauern zu verlassen und Leib und Leben auf schutzlosen Wegen zu riskieren. Während Adlige und Geistliche unterwegs waren, um ihre Besitztümer aufzusuchen, und die Herrschaft darüber zu sichern, hofften Kaufleute bei ihren Reisen auf Gewinne, und Pilger waren unterwegs für ihr Seelenheil.

Vorne der «Diebsbrunne», dahinter das Forsthaus mit Grillstelle.

Vorne der «Diebsbrunne», dahinter das Forsthaus mit Grillstelle.

(Bild: Thomas Brack)

Wendet sich nun der Spaziergänger nach Süden und quert die Kantonsstrasse, gelangt er am Waldrand des «Buechbergs» an einen kleinen Brunnen mit Forsthaus. Der kleine Brunnen heisst – wie könnte es in diesem Gebiet ander sein? – «Diebsbrunnen». Heute ist hier ebenfalls eine idyllisch gelegene Grillstelle. Weiter geht die Wanderung erneut Richtung Osten in Richtung Diessenhofen.

Der Blick von der Grillstelle «Tootmaa» oberhalb Willisdorf.

Der Blick von der Grillstelle «Tootmaa» oberhalb Willisdorf.

(Bild: Thomas Brack)

Die letzte Station bildet der «Tootmaa», eine Brätelstelle auf einer kleinen Anhöhe oberhalb Willisdorfs mit einem herrlichen Ausblick auf Säntis und Churfirsten. Welcher «Maa» ist hier wie oder unter welchen Umständen zu Tode gekommen? Die Herkunft des Namens leitet sich ab von mittelhochdeutsch «tôt», was gestorben, tot, getötet bedeutet. Doch das genauere Bewegungsmotiv für diese Namengebung bleibt im Dunkeln.

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