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Von der Willkommens- zur Abschiedskultur

An der Podiumsveranstaltung zum Flüchtlingstag in Kreuzlingen war der Umbau des Empfangszentrums zu einem Ausreisezentrum das grosse Thema.
Barbara Hettich

An wöchentlich fünf Nachmittagen bieten die Freiwilligen der Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau (Agathu) den Menschen im Empfangs- und Verfahrenszentrums einen Ort, wo sie in einer wohlwollenden Atmosphäre Kaffee trinken, diskutieren, zeichnen und spielen können. Der vom Bundesrat beschlossene Umbau des Empfangs- zum Ausreisezentrum in Kreuzlingen wird auf die Freiwilligenarbeit und die Zivilgesellschaft Auswirkungen haben. Was von diesem Umbau zu erwarten ist, diskutierte am Samstag im Ulrichshaus ein hochkarätig besetztes Podium unter der Leitung von Kulturjournalistin Bernadette Conrad.

«In Zürich keinen Anstieg der Kriminalität»

In einem Ausreisezentrum seien nur ein Bruchteil der Flüchtlinge im direkten Ausreise-Vollzug, erklärte Sandro Salathe, Leiter des Bundes-Ausreisezentrum in Embrach. Über 90 Prozent würden auf den endgültigen Rechtsentscheid zu ihrer Abweisung warten – viele wollten freiwillig in ihre Heimat zurückkehren, zwei Drittel etwa würden unkontrolliert ausreisen und ihr Glück in einem anderen Land, vorzugsweise in Deutschland versuchen. Er sei Fan von diesem Umbau im Asylwesen, sagte Thomas Kunz von der Asylorganisation Zürich. Es bringe ein beschleunigtes Verfahren, man schenke den Flüchtlingen früh reinen Wein ein. Sie wüssten, was wann passiert und könnten sich darauf einstellen. Der Prozentsatz jener die abtauchen, sei zwar höher, im Kanton Zürich habe man deswegen aber keinen Anstieg der Kriminalität verzeichnen können. Die Freiwilligenarbeit habe auch in einem Zentrum ohne Verfahren eine sehr grosse Bedeutung. «Die Menschen leben in einer besonderen Situation auf engstem Raum zusammen, der Kontakt mit Menschen ohne Funktion schafft ein wenig Normalität und trägt zur positiven Stimmung bei», so Kunz

Auch Tilla Jacomet von der Heks-Rechtsberatungshilfe begrüsst die Beschleunigung der Verfahren und dass Flüchtlinge ein Anrecht auf Rechtsberatung haben. Allerdings sei das Pflichtenheft für die Rechtsberater, die künftig für den Bund und nicht für die Hilfswerke arbeiten, sehr umfangreich, das Vorgehen eng begrenzt und die Ressourcen knapp. «Unsere Arbeit wird künftig vor allem darin bestehen, den Asylbewerbern den abschlägigen Bescheid zu eröffnen.» Es sei wichtig, dass den Flüchtlingen nach einem abschlägigen Entscheid Menschen zur Seite stünden, hob Sabine Acquilini von der schweizerischen Flüchtlingshilfe die Bedeutung der Freiwilligenarbeit hervor. Dies bestätigte Sonja Zemmin von der internationalen Organisation für Migration. Flüchtlinge, die mit einem gut gefüllten Koffer und positiven Erfahrungen zurückkehren, hätten es leichter, sich in ihrer Heimat wieder zu integrieren. Dies zeige das Monitoring ihrer Organisation, welche vor Ort nachschaue wie es den Flüchtlingen nach ihrer Rückkehr gehe.

In der anschliessenden Diskussion kam die Flüchtlingspolitik in Deutschland zur Sprache. Gründe warum es dazu in der Schweiz weniger Polemik gebe, sei darauf zurückzuführen, dass man hier nicht diese Menge an Flüchtlingen habe und bei der Verfahrensbewältigung sehr viel besser aufgestellt sei. Sandro Salathe bestätigte zudem, dass mit dem Umbau des Schweizer Asylwesen die medizinische Versorgung neu aufgegleist werde und der Gesundheitszustand der Flüchtlinge besser abgeklärt werde.

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