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Frauenfelder Pfarrer wandert von der Murg an die Themse und schreibt darüber ein Buch

In 46 Tagen 1066 Kilometer: Der Frauenfelder Pfarrer Jörg Niederer begab sich auf eine Pilgerreise vom Thurgau nach London. Dabei erlebte der 60-Jährige einige Schwierigkeiten, über die er in seinem kürzlich veröffentlichten Buch berichtet.
Viola Stäheli
Pfarrer Jörg Niederer mit Wanderstöcken unterwegs in der Nähe seines Wohnorts im Oberwiesenquartier. (Bild: Andrea Stalder)

Pfarrer Jörg Niederer mit Wanderstöcken unterwegs in der Nähe seines Wohnorts im Oberwiesenquartier. (Bild: Andrea Stalder)

«50'000 Schritte sind zirka 30 Kilometer», sagt Jörg Niederer. Der Pfarrer muss es wissen: Er hat mehr als anderthalb Millionen Schritte gemacht und dabei stolze 1066 Kilometer zurückgelegt. Sein Weg führte ihn von Frauenfeld nach London.

Jörg Niederer ist Pfarrer bei der evangelisch-methodistischen Kirche, arbeitet in St. Gallen und wohnt in Frauenfeld. Im Sommer 2017 hat er eine dreimonatige Auszeit genutzt, die sich durch einen Stellenwechsel ergab, um eine besondere Reise zu machen. Der 60-Jährige sagt:

«Ich wandere gerne und wollte schon seit längerem auf eine Pilgerreise gehen.»

«Die Idee hinter einer Pilgerreise ist es, vom eigenen Wohnort zum Beerdigungsort eines für die Kirche Heiligen zu wandern», sagt Niederer. In der evangelisch-methodistischen Kirche gibt es aber keine Heiligen. Deshalb entschied sich Niederer, an die Grabstätte eines wichtigen Kirchgründers zu pilgern: zu John Wesley in London.

Beschwerliche Suche nach Übernachtungsplätzen

Seine Wanderung, die insgesamt 46 Tage dauerte, führte ihn von der Schweiz nach Deutschland, dann weiter nach Frankreich und schliesslich nach Grossbritannien. «Als Vorbereitung habe ich die Route mithilfe eines GPS geplant – besonders wichtig war mir, dass ich an den evangelisch-methodistischen Kirchen vorbei kam, die auf meinem Weg lagen. Aber trotz guter Vorbereitung stand ich immer wieder vor Herausforderungen», sagt Niederer.

Eine Pilgerreise nach London ist sehr ungewöhnlich – kaum jemand entscheidet sich für eine solche Wanderung. Das birgt Probleme: Niederer musste sich immer wieder Übernachtungsmöglichkeiten suchen – und das in Gebieten, wo es kaum Hotel oder Jugendherbergen gibt. «Ja, das ständige Suchen nach einer Bleibe für die Nacht war für mich sehr schwierig», sagt Niederer. Erstmals in seinem Leben übernachtete er in Jugendherbergen.

Grösste Krise mit Blasen an den Füssen

Manchmal konnte er aber auch bei Privatpersonen unterkommen, zum Beispiel in einem kleinen Dorf in Frankreich, wo ihm ein Bauernehepaar ein Zimmer zur Verfügung stellte. Und im Notfall hatte er ein Zelt dabei – auch das brauchte er einige Male.

«Mir machte auch die Einsamkeit zu schaffen.»

Bis auf wenige Kilometer, auf der ihn seine Frau, der jüngste Sohn und ein Freund begleiteten, war er alleine unterwegs. In Strassburg hatte Niederer die grösste Krise auf seiner Wanderung: Er hatte Blasen an den Füssen und fühlte sich dermassen niedergeschlagen, dass er sich entschied, für zwei Tage nach Hause zurückzukehren. Dann führte er seine Wanderung aber fort. Allerdings gab es noch eine weitere Auszeit:

«Meine Frau äusserte den Wunsch, dass ich zwei Sommerferienwochen mit ihr in der Schweiz verbringe.»

Am Ende seiner Reise gelangte er per Schiff nach England und war nach einigen Kilometern endlich an seinem Ziel: Er traf in der Kapelle ein, hinter der John Wesleys Grab liegt. «Es war gerade eine grosse Feier im Gange, als ich ankam. Ich hatte die Ehre, ein Teil dieses Kirchenfestes zu sein», sagt Niederer mit einem Lächeln.

Jörg Niederer: Zu Fuss von Frauenfeld nach London, Edition Wanderwerk 2018, 322 S., Fr. 26.-

Jörg Niederer: Zu Fuss von Frauenfeld nach London, Edition Wanderwerk 2018, 322 S., Fr. 26.-

Im Dezember veröffentlichte Niederer sein Buch mit dem Titel «Zu Fuss von Frauenfeld nach London», in dem er über seine Reise berichtet. Nicht nur das ist ein Erfolg seiner Wanderung: Niederer hat auch über 23'000 Franken Spenden für ein kirchliches Hilfswerk gesammelt, das Migranten unterstützt.

«Ich durfte diese Reise zum Spass machen. Aber viele andere müssen fliehen und deshalb einen so weiten Weg zurücklegen.»

«Ich möchte auf jeden Fall nochmals in dieser Art unterwegs sein», sagt der Pfarrer. Aber wohin ihn sein Weg führen soll, das weiss er noch nicht. Ideen hat Niederer aber genug.

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