Von der Comedy- auf die Hebebühne: Laura Rindlisbacher hilft bei der Apfelernte in Pfyn

Mit ihrem Vater kann sie nicht auftreten. Deshalb arbeitet Komikerin Laura Rindlisbacher momentan als Erntehelferin im Thurgau – nicht zum ersten Mal in diesem Jahr.

Roman Scherrer
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Von der Hebebühne aus erntet Laura Rindlisbacher die Gala-Äpfel oben an den Bäumen.

Von der Hebebühne aus erntet Laura Rindlisbacher die Gala-Äpfel oben an den Bäumen.

Bild: Andrea Stalder

9 Uhr, Zeit für die Znünipause. Die Erntehelfer begeben sich in den Schopf neben der Obstplantage. Hier, im Westen von Pfyn, arbeitet zurzeit auch Laura Rindlisbacher. Mit einem breiten Lächeln kommt sie zwischen den Baumreihen hervor. Die Apfelernte gefällt ihr sehr gut, daran lässt sie keine Zweifel aufkommen. «Man hat immer etwas zu essen», sagt sie lachend und deutet auf den Gala-Apfel in ihrer Hand.

Weil sie die Äpfel oben an den Bäumen erntet, ist sie auf der Hebebühne tätig. Normalerweise ist die Komikerin aber auf den Theaterbühnen in der Deutschschweiz zu sehen. Und zwar mit ihrem Vater René Rindlisbacher, der sich mit den «Schmirinskis» und «Edelmais» sowie als Fernsehmoderator einen Namen gemacht hat. Das Vater-Tochter-Duo tritt seit Anfang 2019 mit seinem ersten Programm «Oh nein Papa» auf.

Die 27-Jährige sagt:

«Ich würde alles dafür geben, um wieder auf der Bühne spielen zu können.»

Corona sorgte dafür, dass in den vergangenen Monaten lediglich zwei private Auftritte zu Stande kamen. «Die unterschiedlichen Vorschriften in den Kantonen erschweren nun die Planung», sagt Laura Rindlisbacher. Ende September hätte sie die Tournee ins Zürcher Volkshaus geführt.

Hätte. Zurück auf der Plantage schaut Rindlisbacher plötzlich auf ihr Handy. Eine Nachricht ihres Vaters. «Die Tour ist nun definitiv auf nächstes Jahr verschoben», liest sie vor.

Erntete bereits Spargeln in Hüttwilen

Die gelernte Kauffrau hat Ende 2018 ihren Job beim Schweizerischen Arbeitgeberverband gekündigt und setzt seither auf die Comedy. In den vergangenen Monaten hat sie sich nach Temporärstellen umgeschaut. In erster Linie, um nicht einfach zu Hause auf die Zeit nach Corona warten zu müssen. «Die meisten Firmen hatten aber einen Einstellungsstopp.»

Eine Bekannte, die ihr Pferd im selben Stall hat wie sie – in Thundorf –, hat Laura Rindlisbacher im Frühling angefragt, ob sie bei der Spargelernte in Hüttwilen helfen wolle. «Ich sagte: Ja, noch so gerne. Denn ich konnte sonst ja nicht wirklich etwas tun.»

Arno MeyerLandwirt aus Lanzenneunforn

Arno Meyer
Landwirt aus Lanzenneunforn

Bild: Andrea Stalder

Die gleiche Bekannte hat sie wiederum angefragt, ob sie bei der Apfelernte in der Plantage von Arno Meyer arbeiten möchte. Der Landwirt aus Lanzenneunforn zeigt sich sehr zufrieden mit seiner temporären Arbeitskraft: «Laura arbeitete praktisch von Anfang an selbstständig auf der Hebebühne», berichtet Meyer.

«Mich beeindruckt, dass eine junge Frau wie sie bereit ist, diese Arbeit zu leisten, und nicht zu Hause wartet, bis Geld vom Bund kommt.»

Er habe erst durch eine Mitarbeiterin erfahren, dass eine seiner Mitarbeiterinnen die Komikerin Laura Rindlisbacher ist. «Ich stelle mich den Leuten halt auch nicht gleich so vor», fügt sie an.

Laura Rindlisbacher.

Laura Rindlisbacher.

Bild: Andrea Stalder

Die in Winterthur wohnhafte Aargauerin fühlt sich mitten in den Apfelbäumen wohl. Und sie scheint bereits bestens Bescheid zu wissen über die Ernte. Beim Gang durch die Plantage zeigt sie, wie die Äpfel aussehen, wenn sie genügend gereift sind. Oder, wie man beim Pflücken mit dem Zeigefinger den Stiel andrückt, damit man ihn nicht aus dem Kernobst reisst.

«Und jetzt weiss ich auch, dass Äpfel einen Sonnenbrand erhalten können.»

Seit Ende August arbeitet Laura Rindlisbacher in Pfyn. Voraussichtlich bis nächste Woche wird sie Arno Meyer bei der Ernte helfen. Die Äpfel sind ihr jedenfalls noch nicht verleidet. Muss auch nicht sein. Denn die Spargelernte hatte sogar den gegenteiligen Effekt, erzählt Rindlisbacher lachend:

«Im Vorfeld hatte ich Spargeln nicht gerne, seither esse ich sie.»
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