Von der Alp auf den Waffenplatz: Den Pächtern gefällt's auf der Frauenfelder Allmend

Vor einem Jahr haben Lisa Beutler und Markus Bösch die Pacht der Allmend Frauenfeld übernommen. Neben 550 Mutterschafen tummeln sich auch 15 Schottische Hochlandrinder auf dem 205 Hektaren grossen Areal.

Ruth Bossert
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Lisa Beutler und Markus Bösch fühlen sich wohl auf der Frauenfelder Allmend. (Bild: Ruth Bossert)

Lisa Beutler und Markus Bösch fühlen sich wohl auf der Frauenfelder Allmend. (Bild: Ruth Bossert)

Der Tag von Markus Bösch und seiner Frau Lisa Beutler hat früh angefangen. Um vier Uhr haben die beiden an diesem kalten Wintertag vierzig Lämmer in den Transporter geladen und sind mit ihnen nach Hinwil ins Schlachthaus gefahren.

«Auch wenn ich weiss, dass wir die Lämmer, die jeweils um die sechs Monate bei uns sind, für die Metzgerei produzieren, schmerzt es mich doch immer, sie herzugeben», sagt Lisa Beutler und serviert in ihrer Pausenküche mitten auf dem Waffenplatz Kaffee und Gipfeli.

«Auch wenn ich weiss, dass wir die Lämmer für
die Metzgerei produzieren, schmerzt es mich doch immer, sie herzugeben.»

Dass in dieser kalten Nacht erstmals eines ihrer 15 Schottischen Hochlandrinder ein Junges geboren hat, erzählen sie erst später, als Lisa das Kälblein auf der Wiese erspäht, wie es seiner Mutter tapsig nachtribbelt. Die Rasse passe als Ergänzung zu den Schafen sehr gut auf die Allmend, sagt Agronom Markus Bösch, der auf einem Milchwirtschaftsbetrieb im Toggenburg gross geworden ist und sich in die Schafhaltung erst noch einarbeiten musste. Er freut sich, dass er die zahme Herde mit sieben Mutterkühen habe übernehmen können. Diese sollen helfen, auf den Flächen, die nicht gemäht werden, Neophyten zu bekämpfen und der Verbuschung entgegenzuwirken. Der Betrieb befindet sich ab 2019 in der Umstellungsphase und wird 2021 die Anerkennung zum Biobetrieb erhalten.

Gleichberechtigte Pächter

Lisa Beutler ist mit Schafen aufgewachsen. Ihr Vater zog 39 Jahre lang jeden Winter mit ein paar Hundert Schafen durch den Kanton Zürich. In den vergangenen Jahren war Lisa in Schwellbrunn bei ihm angestellt und betreute die Schafe im Zwischenquartier, bevor er mit ihnen auf die Alp Sovrana im bündnerischen Val Madris wechselt. Ob sie ebenso fasziniert wäre von Schafen, wenn sie nicht mit einem Schafhirten-Vater aufgewachsen wäre, weiss Lisa Beutler nicht. Aber geblieben ist die Begeisterung auch während des Agronomie-Studiums, wo sie ihren späteren Mann Markus Bösch kennenlernte.

Beide haben sie anschliessend im Bereich Landwirtschaft gearbeitet, er als Fütterungsberater für Milchvieh und Schweinehalter, sie vor der heimischen Schäferei in Schwellbrunn, beim Land-und Forstwirtschaftsdepartement des Kantons Appenzell Innerrhoden, wo sie sich auch viel Wissen in den Bereichen Ökologie und Naturschutz aneignen konnte. Sie sind gleichberechtigte Pächter und sind daran, ihre Rollenverteilung noch zu optimieren. «Wir verschwenden manchmal zu viel Zeit mit Diskutieren», sind sie sich einig. Auf der Suche nach einem eigenen Hof hat das Paar einiges angeschaut. Den passenden Betrieb fanden sie nicht. Durch den vorherigen Pächter wurde das Paar auf den Betrieb der Allmend aufmerksam. Beide sind sich heute einig: «Das war der beste Entscheid, den wir gefällt haben, hierher zu kommen».

Vater ist als Schafhirte angestellt

Auch Lisas Vater hat so einen neuen Weg gewählt und liess sich von den beiden als Schafhirte anstellen. «Das freut uns besonders und wir können von seiner grossen Erfahrung enorm profitieren», sagen die beiden. Dass sie gleich zu Beginn der Pacht seine gesamte Herde übernehmen konnten, habe den Anfang viel einfacher gemacht. Während der Sommermonate weilte der Vater mit einem Teil der Schafe auf der Alp Sovrana, die sie auch noch länger behalten wollen.

«Hierher zu kommen und die Frauenfelder Allmend zu pachten, war der beste Entscheid,
den wir fällen konnten.»

Lisa und Markus hatten während dieser Zeit auch mit weniger Schafen viel Arbeit. Neben dem Heuen erlebten sie hautnah, wie oft gewisse Flächen ihres Pachtlandes durch Veranstaltungen beansprucht wurden. Ob Open Air, Autorennen, Ausstellung der Freunde alter Landmaschinen, Tour de Suisse oder Veranstaltungen der ansässigen Vereine oder Übungen durch das Militär – es war ein ständiges Kommen und Gehen, schildern sie das Geschehen auf ihrem Pachtbetrieb.

Hitze machte auch den Schafen zu schaffen

Der heisse Sommer habe es ihnen leicht gemacht, zügig zu heuen, hingegen sei die Hitze für die Schafe ein Stressfaktor gewesen. Auf die Frage der Arbeitsbelastung erzählen sie beide als erstes von den zwei Ferienwochen, die sie dank der Unterstützung ihrer Väter geniessen konnten.

Natürlich arbeiten sie beide mehr als 100 Prozent, und wenn man Tiere habe, gebe es kaum ein freies Wochenende. Zumindest während der 100 Tage, wo Lisas Vater auf der Alp ist. Während dieser Zeit können sie jedoch auf die Unterstützung von Markus‘ Vater zählen. Sie seien aber auf dem Weg, ihren Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, sagen die beiden, stellen die Kaffeetassen zusammen und machen sich auf den Weg zu ihren Wollknäueln.